A la carte im Altersheim

Die Domicil AG ist die grösste Betreiberin von Alters- und Pflegeheimen im Kanton Bern. Für die Chefin Andrea Hornung ist die Gemeinnützigkeit der Schlüssel zum Erfolg.

Seit zwei Jahren an der Domicil-Spitze: Andrea Hornung im neu gebauten Altersheim Weiermatt. Foto: Christian Pfander

Seit zwei Jahren an der Domicil-Spitze: Andrea Hornung im neu gebauten Altersheim Weiermatt. Foto: Christian Pfander

Einige Koffer haben es noch nicht bis in die Wohnung im neu gebauten Alters- und Pflegeheim Domicil Weiermatt in Münchenbuchsee geschafft. Sie stehen draussen im Gang neben der Tür, während drinnen das ältere Ehepaar bereits mit dem Einrichten beschäftigt ist.

Einen Stock weiter unten füllt sich die Cafeteria langsam mit Leben, im Eingangsbereich lassen sich gerade zwei Damen auf einer Bank nieder und beginnen fröhlich zu tratschen. «Sehr schön. Die Bewohner nehmen ihr neues Zuhause in Beschlag», sagt Andrea Hornung, die danebensteht.

Es freue sie immer wieder, wenn die neuen Konzepte für die öffentlichen Bereiche auch funktionierten. «Bei jedem Neubau bin ich ein wenig nervös», sagt die CEO der Domicil AG.

Das Alters- und Pflegeheim Weiermatt ist das neuste Haus im Portfolio des Unternehmens. Im Januar wurde der 28 Millionen Franken teure Neubau direkt neben dem alten Heim eröffnet, binnen kürzester Zeit waren die 32 altersgerechten Wohnungen und 62 Pflegezimmer vergeben.

Im Frühling folgen Eröffnungsfeiern in den renovierten Heimen Oberried und Spitalackerpark. Dann sind die meisten der 22 Domicil-Häuser saniert.

Stadt ist Mitaktionärin

Die Domicil Bern AG ist mit ihren 1600 Mitarbeitenden aus 65 Nationen und über 1500 Bewohnern die grösste Betreiberin von Alters- und Pflegeheimen im Kanton Bern. Das Unternehmen erzielt einen Umsatz von 140 Millionen Franken und hat sich für das diesjährige Finale des Prix SVC Espace Mittelland qualifiziert.

«Domicil ist gemeinnützig. Das ist der grosse Unterschied gegenüber anderen grossen Mitbewerbern im Kanton Bern», sagt Hornung. Sie führt die Domicil AG seit mittlerweile zwei Jahren.

Entstanden ist das Unternehmen 1995. Damals gründeten die Stadt Bern, der Verein für die Betreuung Betagter Bümpliz und die Stiftung Verein für das Alter eine gemeinsame Trägerschaft für ihre 15 Heime. Das Resultat war die Domicil AG.

Noch heute besitzt die Stadt Bern rund 20 Prozent der Aktien, der Rest gehört Stiftungen und einem Verein. «Unser Gewinn wird vollumfänglich in das Unternehmen – sprich in die Infrastruktur, die Mitarbeiter und die Bewohner – reinvestiert», sagt Hornung.

Trotz der speziellen Aktionärsstruktur profitiere Domicil nicht von Subventionen. «Wir arbeiten streng nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen, kämpfen mit den gleichen Rahmenbedingungen wie alle anderen auch. Nur müssen wir den Aktionären Ende Jahr keine hohe Dividende ausbezahlen.»

Ansprüche steigen

Einen neuen Weg geht die Domicil AG bei der Pflege von Demenzkranken. Fünf Betriebe sind komplett für solche Personen eingerichtet. «Wir bringen sie nicht in einer separaten Abteilung unter. Sie haben ein ganzes Haus mit Garten für sich», sagt Hornung. Das kommt auf den ersten Blick aber einer Abkehr von der vielfach propagierten Integration gleich. «Noch vor vier Jahren wäre ich auch dagegen gewesen. Mittlerweile habe ich aber gemerkt, dass Menschen mit einer weit fortgeschrittenen Demenz eine eigene Umgebung benötigen, die auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist.»

Wenn es ihnen etwa nicht mehr darauf ankommt, ob sie im eigenen oder in einem fremden Zimmer sind, dann könnten die Erkrankten andere Senioren gegen sich aufbringen. «In unseren fünf Kompetenzzentren dürfen Menschen mit einer Demenz Demenzkranke sein. Da macht es auch nichts, wenn sie sich einmal nicht der Norm gemäss verhalten.»

Trotz der guten Stellung von Domicil blickt Hornung mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. «Wir sind als Gesellschaft noch nie vor einer derart grossen Herausforderung gestanden», sagt sie. Und meint damit die starke Zunahme an älteren Personen kombiniert mit den geburtenschwachen Jahrgängen. Deswegen engagiert sich Domicil auch stark in der Nachwuchsförderung.

Hinzu kommen immer höhere Ansprüche der Senioren und von deren Angehörigen. «Jetzt kommt langsam die 68er-Generation in die Alters- und Pflegeheime. Diese Leute sind sich gewohnt, ihre Wünsche auch durchzusetzen.»

Auch darauf hat Domicil bereits reagiert. In allen neuen Heimen, so auch in der Weiermatt, werden neben Pflegezimmern auch Mietwohnungen angeboten, in denen die Bewohner komplett selber bestimmen können, welche Dienstleistungen sie beziehen wollen. Hornung: «Wir nähern uns immer mehr einem A-la-carte-Angebot.»

Berner Zeitung

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