Zum Geburtstag lebt die Pionierzeit am Berg neu auf

In ihrem Buch zum 100.Geburtstag befasst sich die BLS vor allem mit der alten Bergstrecke. Das Flachland mit seinen Zentren ist heute für sie aber genauso wichtig.

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Stephan Künzi

Es war ein spezieller Ort, an dem die BLS gestern ihr Jubiläumsbuch präsentierte. Sie lud nach Burgdorf ins Depot der ehemaligen Emmental-Burgdorf-Thun-Bahn (EBT) ein. Hier bewahrt eine eigens zu diesem Zweck gegründete Stiftung das historische Erbe des Bahnunternehmens, das dieses Jahr seinen 100.Geburtstag feiert.

Inmitten von Lokomotiven, denen die BLS ihren Ruf als Pionierin im Gebirge verdankt, stellten die Verantwortlichen das 220 Seiten dicke Werk vor. Zur Linken die Ae 6/8, die für die Landesausstellung 1939 entwickelt worden ist und zu den stärksten Maschinen ihrer Zeit gehört. Zur Rechten die noch einmal zehn Meter längere Ae 8/8, ein Koloss aus den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren, der aus zwei fix verbundenen kleineren Loks besteht und für die immer schwereren Züge im Güterverkehr durch die Alpen beschafft wurde.

Mit Burgdorf wählte die BLS aber auch einen Ort, der mit den alten BLS-Zeiten am Berg wenig am Hut hat. Er steht vielmehr für die aktuelle Situation, in der sich das Bahnunternehmen seit den beiden einschneidenden Ereignissen der jüngsten Vergangenheit befindet. 2006 fusionierte die alte BLS Lötschbergbahn mit den zum Regionalverkehr Mittelland gewordenen Bahnen der EBT-Gruppe, 2007 wurde der von den SBB befahrene Basistunnel eröffnet.

Beide Male verlagerte sich das Gewicht weg vom alten Scheiteltunnel. Dafür wurde das Flachland mit der Agglomeration Bern immer wichtiger, wo sich die BLS als Betreiberin der S-Bahn positionieren konnte. In diesem Netz spielt auch Burgdorf als ehemaliger Standort der EBT-Bahnen eine zentrale Rolle.

Anders als die SBB

Dennoch stand bei der gestrigen Buchvernissage die Gebirgsstrecke im Fokus. Kein Wunder: Ihren 100.Geburtstag feiert die BLS genau in jenem Jahr, in dem sie die Stammlinie durch den Scheiteltunnel – und dank deren Fortsetzung durch den Simplon auch gleich die zweite Alpenbahn der Schweiz – in Betrieb nahm. Entsprechend verpasste sie sich keck den Namen «Berner Alpenbahngesellschaft Bern–Lötschberg– Simplon». Auch wenn am Simplon seit eh und je eigentlich die SBB und deren Vorgängerinnen das Sagen hatten.

BLS-Kadermann Andreas Willich sprach gestern von der Risikobereitschaft, die die Initianten mit der Gründung des Unternehmens an den Tag legten. Immerhin sollte die neue Alpenbahn von allem Anfang an elektrisch fahren. In einer Zeit, in der sich erst der Dampfbetrieb bewährt hatte, brauchte ein solcher Entscheid Mut. Zumal die BLS den noch unbekannten Einphasenwechselstrom wählte und damit die Norm für die heute übliche Antriebsart setzte.

Die SBB jedenfalls experimentierten zu dieser Zeit am Simplon noch mit Drehstrom. Er wisse nicht, fuhr Willich lächelnd fort, ob die BLS das neue Stromsystem aus Überzeugung gewählt habe. Oder nicht eher deshalb, «weil sie es anders machen wollte als die SBB».

Werbeoffensive am Berg

Dass der neuen Alpenbahn die politische Grosswetterlage zugute kam, verheimlichte Willich nicht. Er erinnerte daran, dass Frankreich zur Zeit des Tunnelbaus gerade erst das Elsass verloren hatte und auf der Suche nach einer neuen Bahnlinie durch die Alpen war. Diese suchte es durch den Jura, den Kanton Bern und eben durch den Lötschberg. Die Franzosen waren auch bereit, das Vorhaben, zu dem auch ein neuer Jura-Durchstich durch den Grenchenberg gehörte, nach Kräften mitzufinanzieren.

Allein, als den Franzosen nach dem Ersten Weltkrieg wieder der Weg über das Elsass, Basel und den Gotthard offenstand, erlosch ihr Interesse am Lötschberg. Für die BLS hatte dies fatale Folgen. Sie geriet in Schwierigkeiten und musste mehrfach finanziell saniert werden. Gleichzeitig musste sie Mittel und Wege finden, Verkehr anzulocken.

Schon seit eh und je hatte das Unternehmen Wert auf die Werbung gelegt. Den Plakaten und Prospekten, die den Passagieren auch die Schönheiten der Regionen an der Linie näherbringen sollte, kam nun eine noch grössere Bedeutung zu. Diese Strategie fährt die BLS nach wie vor. Auf die Eröffnung des Basistunnels reagierte sie mit einer grossen Werbeoffensive für die alte Bergstrecke.

Berner Zeitung

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