Wo Einbrecher im Kanton Bern zuschlagen

Eine vertiefte Analyse zeigt erstmals, welche Berner Gemeinden die Einbrecher bevorzugen, welche Gemeinden verschont werden und wie die Täter das Kantonsgebiet zu ihren Gunsten nutzen.

Klicken Sie auf einen Punkt, um die detaillierte Einbruchsstatistik der entsprechenden Gemeinde aufzurufen.


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Die Dämmerung im Herbst und Winter ist die beste Komplizin von Einbrechern. Die Täter können unbemerkter in private Räume eindringen, da es früh dunkel ist und die meisten Hausbewohner noch nicht zu Hause sind. Gleichzeitig können die Einbrecher den Rummel des beginnenden Feierabends nutzen, um sich in der Menschenmenge unauffällig vom Tatort zu entfernen. Ab Oktober nehmen die Einbrüche im Wohnbereich oftmals zu.

Ein typisches Vorgehen gibt es beim Einbruchdiebstahl nicht. «Allen Einbrechern ist höchstens gemein, dass sie den Weg des geringsten Widerstands gehen», sagt Martin Schindler, Chefstellvertreter der Kriminalabteilung der Kantonspolizei Bern. Möglicherweise kundschaften der oder die Täter den Tatort vorgängig aus. Dann verschaffen sie sich Zugang zum Gebäude – entweder durch aufgebrochene Fenster im Erdgeschoss oder auf gut erreichbaren Balkonen. Auch wenig gesicherte Nebenräume und Garagen erleichtern den Tätern den Einbruch. Von Interesse ist für die Kriminellen alles, was Wert hat und sie einfach einstecken können: Bargeld, Schmuck, Mobiltelefone.

Für die Opfer ist jeder Einbruch eine Katastrophe: Das Eindringen in die Privatsphäre der eigenen vier Wände durch Unbekannte ist nur schwer zu ertragen. Im vergangenen Jahr sind im Kanton Bern 5761 Einbruchdiebstähle begangen worden. Der Wert nähert sich damit wieder dem letzten bekannten Höchststand aus dem Jahr 1997. Am häufigsten drangen die Täter in Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie in Läden ein.

Grafik: Gemeinden die «verschont» wurden.

Gemessen an der Anzahl Einwohner waren im Jahr 2012 in Gampelen im Seeland und in Belprahon im Berner Jura am meisten Personen von Einbruchdiebstählen betroffen. Gampelen verzeichnet 2,4 Einbrüche pro 100 Einwohner, Belprahon 2. An dritter Stelle folgen Villeret, Hindelbank und Oppligen mit 1,4 Einbruchdiebstählen pro 100 Einwohner. Das zeigt die kantonale Einbruchkarte, welche diese Zeitung anhand der detaillierten Einbruchstatistik für das vergangene Jahr erstellt hat.

Auf der Karte ist klar ersichtlich, dass die Einbrecher die Tatorte sorgfältig auswählen: Die Brennpunkte verteilen sich einerseits in den Stadtgemeinden mit Zentrumsfunktion wie Bern, Biel, Langenthal und Thun. Diese dicht besiedelten Gebiete bieten die nötige Anonymität, um möglichst ungestört «arbeiten» zu können. Andererseits operieren die Einbrecher entlang von Schnellstrassen und Ausfallrouten. Die Nähe zu den Hauptachsen ermöglicht ihnen nicht nur den schnellen Zugang zum Tatort, sondern auch die rasche Flucht. Beispielhaft lässt sich dies anhand des Berner Juras zeigen: Je weiter eine Gemeinde von der Kantonsstrasse 30 und der Nationalstrasse 16 entfernt ist, desto weniger Einbrüche wurden verzeichnet.

Gampelen und Belprahon sind in Nähe einer Autobahn

So erklären sich am ehesten die Höchstwerte für Belprahon und Gampelen: Beide Gemeinden liegen an der Grenze zu anderen Kantonen und haben einen Anschluss an die Autobahn in unmittelbarer Nähe. Zudem haben beide Gemeinden eine eher tiefe Einwohnerzahl, sodass eine Einbruchserie gleich stärker ins Gewicht fällt.

Die hohe Mobilität der Einbrecher, welche die Einbruchkarte offenbart, deckt sich mit den Erkenntnissen der Kantonspolizei. So stammen gemäss Erhebungen der Polizei mehr als die Hälfte der ermittelten Einbrecher aus dem Ausland, vorwiegend aus Osteuropa und dem Balkan. Die Täter arbeiten in Gruppen, die sich immer wieder neu zusammensetzen. Gewisse Banden erhalten sogar logistische Unterstützung über regelrechte Zentren im Ausland. Strukturen und Logistik – das sind untrügliche Hinweise auf ein professionelles Vorgehen der Täterschaft.

Die Täter reisen oftmals als Touristen oder mit den nötigen Bewilligungen ganz legal ein und halten sich nur kurze Zeit in der Schweiz auf. Die Einreise erfolgt meistens via Frankreich via Jura und Genf sowie über Italien via Kanton Tessin.

Die Täter gehen oft so vor, dass sie gleich nach dem Grenzübertritt Personenwagen sowie Kontrollschilder anderer Fahrzeuge stehlen, um anonym auf Diebestour zu gehen. Nach einem Einbruch lassen die Einbrecher das gestohlene Fahrzeug gerne stehen und entwenden für die nächste Tat ein anderes. «Vielfach sind solche Gruppen sogar mit mehr als einem entwendeten Fahrzeug unterwegs, um im Falle einer Konfrontation mit der Polizei noch ein Fluchtauto zur Verfügung zu haben», sagt Schindler.

Die Polizei beobachtete aber in den vergangenen Monaten, dass die Täter vermehrt mit Fahrzeugen aus dem Herkunftsland unterwegs sind. Denn ausländische Kontrollschilder erschweren Halterabfragen.

Polizei nutzt Bewegungsprofil der Täter für die Repression

Gestützt auf die Erkenntnisse der polizeilichen Kriminalanalyse ergreift die Kantonspolizei Bern repressive und präventive Massnahmen, um Einbruchdiebstähle zu bekämpfen. So überwachen und kontrollieren die Gesetzeshüter etwa gewisse Gebiete gezielt und markieren vor Ort Präsenz. Grosskontrollen führt die Polizei bewusst auf Autobahnen durch. Die Beamten legen ein besonderes Augenmerk auf verdächtige Personen und Wagen, die sie nach Diebesgut und Einbruchwerkzeug durchsuchen.

An der Entschlossenheit der Polizei lässt Martin Schindler keine Zweifel offen: «Jeder Einbruch ist einer zu viel. Entsprechend setzen wir alles daran, Einbrüche nach Möglichkeit zu verhindern oder aber aufzuklären.»

Hinweis: Lesen Sie am Dienstag, 29. Oktober in der Berner Zeitung, wie Sie Einbrechern das Handwerk erschweren können. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.10.2013, 06:19 Uhr

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Einbruchstatistik 2012

Aufklärungsrate

Die Aufklärungsrate bei Einbruchdiebstählen ist im Kanton Bern wie in anderen Kantonen relativ gering. Seit dem Jahr 2010 ist die Quote sogar rückläufig. Konnte die Kantonspolizei Bern vor drei Jahren noch 14 von 100 Einbrüchen aufklären, so sind es aktuell nur noch 9. Verschiedene Faktoren spielen gegen die Ermittlungsbehörden: Mehr als die Hälfte der Täter stammen aus dem Ausland. Sie arbeiten immer professioneller und halten sich nur kurz in der Schweiz auf. Weiter stösst die Polizei an Grenzen der verfahrensrechtlichen Möglichkeiten. Es dauert Tage oder Wochen, um die Spuren eines Einbruchs auszuwerten. «So lange dürfen wir Verdächtige aber ohne konkreten Beweis nicht festhalten. Bis wir mit den Ermittlungen fertig sind, sind diese Personen längst ausgereist», sagt Martin Schindler von der Kriminalabteilung.

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