Wie viel kosten Skilager die Eltern?

Ein Bundesgerichtsentscheid schlägt hohe Wellen: Mit wie viel Geld müssen sich Eltern künftig an Anlässen wie einem Skilager beteiligen?

Spass im Schnee: Doch wie teuer kommt der die Eltern zu stehen? (Symbolbild)

Spass im Schnee: Doch wie teuer kommt der die Eltern zu stehen? (Symbolbild)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bei der Berner Erziehungsdirektion klingeln die Sorgentelefone seit einigen Woche unentwegt. «Schulleitungen und Gemeinden sind verunsichert», sagt Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne). Denn all diese Gespräche drehen sich um dasselbe Thema: Mit wie viel Geld beteiligen sich Eltern künftig an obligatorischen Schulanlässen wie einem Skilager oder einer Landschulwoche? Und werden diese Beträge ausreichen, um solche Aktivitäten noch durchzuführen?

Nur das Essen zählt

Grund für die allgegenwärtige Verunsicherung ist ein Urteil des Bundesgerichts aus dem Kanton Thurgau: Das Bundesgericht hat im letzten Dezember entschieden, dass Eltern sich bei obligatorischen Skilagern und anderen Exkursionen der Volksschule finanziell weniger beteiligen müssen, denn diese soll unentgeltlich sein. «Für solche Veranstaltungen dürfen den Eltern nur die­jenigen Kosten in Rechnung gestellt werden, die sie aufgrund der Abwesenheit ihrer Kinder einsparen», steht im Urteil.

Laut Bundesgericht beschränken sich die Ersparnisse nur auf die Verpflegung der Kinder: «Der maximal zulässige Betrag dürfte sich abhängig vom Alter des Kindes zwischen 10 und 16 Franken pro Tag bewegen.» Für den Kanton Bern, wo die Erziehungs­direktion bisher Elternbeiträge zwischen 20 und 30 Franken empfohlen hatte, käme dies einer Kürzung von bis zu 50 Prozent gleich.

Laut Bernhard Pulver hätten zwar noch keine Schulen das aktuelle Skilager abgesagt, Sorgen über die Finanzierung machten sich aber so einige. Denn werden die Beiträge der ­Eltern gekürzt, könnten auf die Schulen oder die Gemeinden Mehrkosten zukommen.

Lagerbeiträge gesenkt

Das befürchtet zum Beispiel die Schule Arni-Landiswil. «Wir hängen etwas in der Luft», sagt Schulleiter Adrian Schneiter. «Wir wussten nicht so richtig, wie wir auf den Entscheid reagieren sollen.» Das diesjährige Skilager der Oberstufe hat wie geplant Ende Januar stattgefunden. Kritische Fragen seitens der Eltern seien ausgeblieben.

«Wir wollten aber trotzdem handeln und haben die Lagerbeiträge gesenkt.» Denn würden sich Eltern auf den Gerichtsentscheid berufen, wird es schwierig, ist Schneiter überzeugt. «Die Schule würde in so einem Fall wohl den Kürzeren ziehen.»

Sorgen bereitet Adrian Schneiter auch, dass andere Schulausflüge vom Entscheid betroffen sind. Bevor nun weitere Lager oder Schulreisen geplant werden, will die Schule deshalb Weisungen der Erziehungsdirektion abwarten. Ausserdem wird nach neuen Lösungen gesucht: «Wir wollen versuchen, für das nächste Jahr mehr Geld vom Gemeindebudget zu bekommen.»

Freiburg setzt Entscheid um

Nach dem Entscheid des Bundesgerichtes wurden in einigen Kantonen bereits Konsequenzen gezogen. Der Erziehungsdirektor des Kantons Freiburg hat sich diese Woche in einem Brief an die Gemeinden und Schulleitungen auf das Bundesgerichtsurteil gestützt. Demnach dürfen den Eltern jetzt nur noch maximal 16 Franken für die Verpflegung verrechnet werden.

Für Berns Erziehungsdirektor Bernhard Pulver lässt der Entscheid des Bundesgerichts einigen Interpretationsspielraum zu. «Der Entscheid ist vage formuliert und wird nun überinterpretiert», sagt er. Seiner Meinung nach handle es sich bei der Vorgabe des Bundesgerichts mehr um eine Grössenordnung als um einen fixen Betrag.

Um den Schulen und Gemeinden die Unsicherheit zu nehmen, ob und wie sie die Skilager und Landschulwochen finanzieren wollen, wird die Berner Erziehungsdirektion in Kürze ein Merkblatt herausgeben. «Das Risiko für Überreaktionen ist im Moment sehr gross», sagt Pulver. Das Merkblatt soll verhindern, dass Gemeinden aus Angst vor höheren Kosten die kommenden Skilager absagen.

Anpassung im Mass

Die Erziehungsdirektion wird den bisherigen empfohlenen Betrag für die Eltern nun anpassen. «Wir erachten Kosten zwischen 15 und 25 Franken pro Tag immer noch als sinnvoll und zulässig», so Bernhard Pulver. Man müsse bei Anlässen wie einem Schullager immer alle Aktivitäten miteinbeziehen.

Da gehörten neben der Verpflegung auch etwa Freizeitaktivitäten oder eine Betreuung durch die Tagesschule dazu, die wegfällt, wenn ein Kind abwesend ist. Ausserdem seien solche Lager sozial und pädagogisch wertvoll und würden nicht nur von den Kindern, sondern gerade auch von den Eltern sehr geschätzt.

Gesunder Menschenverstand

«Ja, es braucht ein bisschen Mut, eine andere Interpretation des Entscheides anzuwenden», hält Pulver fest. Seit Jahren sei die Praxis in den Gemeinden bei der Kostenaufteilung von Schulausflügen erfolgreich und verlaufe ohne Probleme. «Und es gab nie irgendwelche Beschwerden vonseiten der Eltern.»

Wenn jemand die Beiträge nicht zahlen könne, springe in den meisten Fällen die Gemeinde in die Bresche. «Es sind nicht viele Eltern, die mit solchen Anliegen kommen, da müssen wir kulant bleiben», so der Erziehungsdirektor. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.02.2018, 19:49 Uhr

Artikel zum Thema

Skifahren macht mir keine Freude

Unsere ­Autorin schwor dank Peter Bichsel dem Skifahren ab. Und dann landete sie doch wieder im ­Skitrubel. Gedanken zu einem ­schweizerischen ­Grundproblem. Mehr...

Sportwoche bleibt gestaffelt

Bern Die Sportferien in der Stadt und der Agglo­meration Bern finden weiterhin in unterschiedlichen Wochen statt. Städtische Bemühungen, dies zu ändern, sind gescheitert. Mehr...

Das Skilager ist gestrichen

Wiedlisbach Weil ihre Bedingungen nicht eingehalten wurden, haben die Schulkommission und die Schulleitung das Skilager der Mittelstufe abgesagt. Die Enttäuschung über diesen Entscheid ist bei Lehrern, Schülern und Eltern gross. Mehr...

Abo

Jetzt von 20% auf alle Digitalabos profitieren

Mit dem Gutscheincode DIGITAL20 erhalten Sie 20% Rabatt auf alle nicht-rabattierten Digitalabos.
Jetzt einlösen!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Prinzessin auf der Rose: Während des jährlichen Seerosenfestes in Taipeh posiert ein Mädchen auf einem der gigantischen Exemplare für ein Foto. (16.August 2018)
(Bild: Tyrone Siu) Mehr...