Wie Dörfer von morgen aussehen könnten

Aufgestockte Einfamilienhäuser oder als Siedlungen konzipierte Neubauten prägen Dörfer von morgen. Sechs Beispiele zeigen, wie die neue Maxime der Raumplanung – die innere Verdichtung – umgesetzt werden kann.

Quelle: Openstreetmap.ch


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Wer verdichtet, komprimiert. Der Duden entlarvt, was den Dörfern und Siedlungen blüht, wenn die wachsende Bevölkerung in den bestehenden Grenzen unterkommen soll. Kein Wunder, erfanden Politiker und Planer, welche die neuen Regeln in der Raumplanung umsetzen, einen freundlicheren Begriff: die Siedlungsentwicklung nach innen. Aha!? Physikalisch betrachtet, kann das fast nur implodieren bedeuten.Nicht ganz, wie eine Broschüre des Kantons zeigt. Darin werden positive Beispiele aus Berner Gemeinden zur Nachahmung empfohlen.

Etwa Herbligen: Zuerst sollten auf dem Mühleareal des ländlichen Dorfes zwischen Bern und Thun Reiheneinfamilienhäuser entstehen. «Das hätte das Ortszentrum eher auseinandergerissen als gefestigt», wird die ehemalige Gemeinderätin Franziska Bürki zitiert. Sie begleitete das nun realisierte Projekt: Die alte Mühle wurde zum Wohnhaus umgebaut, und in deren Nachbarschaft entstanden drei Neubauten, wovon einer fünfgeschossig ist. 2009 zogen die Bewohner ein. Eng wirkt hier nichts.

Wandel als Chance sehen

Veränderten diese Neubauten den Dorfcharakter deutlich, setzen andere Beispiele zurückhaltendere Signale, etwa die beiden aufgestockten Einfamilienhäuser in Dürrenast bei Thun. Doch nicht bloss die zwölf Beispiele der Broschüre zeigen, dass eigentlich nichts Neues auf die Kommunen zukommt. «Viele Gemeinden sind seit längerem dran», bestätigt Manuel Flückiger. Er leitet die Geschäftsstelle innerhalb des kantonalen Amts für Gemeinden und Raumordnung, welche die Broschüre verfasste.

Deren Botschaft ist einfach: Das Ziel, das die Stimmbevölkerung 2013 mit der Annahme des nationalen Raumplanungsgesetzes guthiess, muss nicht überall gleich aussehen. Flückiger ist sogar überzeugt: «Der Wandel im Dorf ist eine Chance, die es zu nutzen gilt.» Abreissen, neu bauen, Lücken füllen, anbauen, aufstocken ­– vieles sei möglich.

Stehen am einen Ende der Skala die aufgestockten Einfamilienhäuser in Dürrenast, könnte am anderen der neuste Teil der Berner Siedlung Baumgarten-Ost figurieren. Dem Stadtplanungsamt sind keine Neubauten bekannt, in denen mehr Personen pro Wohnung leben. Balkone, aussenliegende Treppen sowie gemeinsam genutzte Höfe erhalten den Bewohnern genügend Freiräume.

Die neue Siedlungspolitik, die in den Richtplan und ins noch pendente Baugesetz eingeflossen ist, wird zweifellos das Zusammenleben verändern. Ein «Allerweltsrezept» jedoch gebe es nicht, betont Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) im Vorwort zur Broschüre. Die Lösungen werden so vielfältig sein wie die Ausgangslagen. Der Weg dorthin kann steinig sein, wissen die Experten des Kantons: Sollen Verdichtungsprojekte nicht am Widerstand der Bevölkerung scheitern, müssen sie früh und offen kommuniziert sowie mit Qualität umgesetzt werden.

Dazu gehört eine Umgebung, in der man sich gerne aufhält. Denn, so formuliert es Flückiger, es dürfe nicht darum gehen, «das Letzte» aus einer Situation herauszuholen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.02.2016, 07:39 Uhr

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