Visana-Chef fordert Fitnesskur für Spitäler

Die grösste Berner Krankenkasse Visana fordert, die hiesigen Spitäler müssten mit weniger Geld über die Runden kommen. In zwei, drei Jahren müssten sie so günstig sein wie der Schweizer Durchschnitt.

Der Preisdruck führt zu weiteren Spitalschliessungen, prophezeit Visana-Chef Peter Fischer.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Der Preisdruck führt zu weiteren Spitalschliessungen, prophezeit Visana-Chef Peter Fischer.

(Bild: Keystone)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

«Die Spitaldirektoren sind sich des Problems bewusst», sagt Peter Fischer, CEO der Visana. «Das Problem» lässt sich grob beziffern: Die Fallkosten der Berner Spitäler lägen zirka 10 Prozent über dem Schweizer Schnitt, so Fischer. Das müsse und werde sich ändern. Möglich macht dies die neue Spitalfinanzierung, die 2012 in Kraft tritt: Sie setzt die Spitäler einem schweizweiten Wettbewerb aus. Zudem müssen Krankenkassen und Kanton nicht mehr die nachweisbaren Kosten decken. Neu zahlen sie je nach Diagnose fixe Fallpauschalen (Preise), mit denen die Spitäler auskommen müssen.

Deshalb rufen Krankenkassen wie die Visana nicht mehr so laut nach Spitalschliessungen. Bisher litten sie unter der Vielzahl an Spitälern, da sie deren Kosten decken mussten. Neu handeln sie Preise aus und sind sicher, dass sich das Problem der Überkapazitäten damit von alleine löst, da die Spitäler gar nicht in der Lage sein werden, alle Standorte aufrechtzuerhalten. Die Visana will den Berner Spitälern zwei, drei Jahre Zeit lassen. Danach sollen sie mit Durchschnittspreisen über die Runden kommen. Der erste Tarifvertrag, den die öffentlichen Berner Spitäler bisher ausgehandelt haben, sieht für 2014 einen Preis «in der Nähe» des Schweizer Mittelwerts vor.

Unnötig viele Spitalstandorte

Dass die Preise fallen, steht auch für die Spitäler fest. Man ist sich auch über die Gründe für das Kostenniveau weitgehend einig. Fischer: «Im Kanton Bern gibt es zu viele Spitalstandorte. Diese sind zudem oft zu alt und zu klein, um wirtschaftlich betrieben zu werden.» Fischer begrüsst deshalb explizit die Pläne der Spital Netz Bern AG, des grössten regionalen Spitalzentrums des Kantons, das in Bern mit einer rein privaten Finanzierung ein neues Grundversorgungsspital bauen und so Tiefenau und Ziegler ersetzen will. Fischer und das Spital sind überzeugt, dass sich dank der modernen Infrastruktur und der Grösse die Kosten stark senken lassen.

Nun können aber nicht alle Spitäler neu bauen. Um die Kosten zu senken, stehen für den Visana-Chef deshalb andere Wege im Zentrum. Er erwartet eine stärkere Spezialisierung, gerade im Raum Bern. Ausserhalb der Grundversorgung müssten sich die Spitäler weitgehend auf ihre Stärken konzentrieren und versuchen, in diesen besser zu werden und mehr Patienten anzuziehen, was die Effizienz erhöhe. Nur so sei es künftig noch möglich, Geld zu verdienen. Ein Mittel seien auch Kooperationen, die sich in den letzten Monaten schon auffällig gehäuft haben.

Was sind die Folgen ausserhalb der Stadt Bern, wo weniger Potenzial für Spezialisierungen und Kooperationen besteht? Fischer: Der Preisdruck werde wohl bewirken, dass «einzelne Standorte so nicht mehr betrieben werden können». Das sei aber auch nicht nötig: Als Beispiel erwähnt er den Raum Burgdorf–Langenthal. «In beiden Städten und ennet der Kantonsgrenze gibt es grössere Spitäler – das kann nicht alles versorgungsnotwendig sein.» Fischer plädiert dafür, die Spitalregionen zumindest innerkantonal zu vergrössern, etwa Oberaargau und Emmental sowie die beiden Oberländer Regionen zu vereinen.

Kleinere Spitäler schliessen

Zudem wirbt Fischer dafür – für einmal im Einklang mit dem Kanton –, kleinere Akutspitäler zu schliessen und stattdessen vor Ort eine ausgebaute ambulante Versorgung in Gesundheitszentren sicherzustellen. «Das ist wirtschaftlicher und bringt der Bevölkerung oft mehr als ein Minispital.» Zu denken ist gemäss Visana primär an Spitalstandorte wie Zweisimmen, Saanen, Riggisberg, Moutier, St-Imier, allenfalls auch Langnau oder Frutigen. Eines der bereits bestehenden Gesundheitszentren wurde im früheren Spital Meiringen errichtet, mit Beteiligung der Visana.

Markt statt Staat

In einem anderen Punkt geht die Visana auf Konfrontation mit dem Kanton: Sie lehnt die Spitalliste, gemäss der diverse Spitäler gewisse Leistungen nicht mehr anbieten dürften, ab. Das ist in Fischers Augen ineffizient, unnötig oder gar schädlich. Für ihn müsste der Kanton mit der Liste nur eine minimale Versorgung sicherstellen. «Alles andere kann man dem Markt überlassen.» Dieser sei besser in der Lage, herauszufinden, welche Spitäler sich in einem bestimmten Bereich spezialisieren und welche sich daraus zurückziehen sollten. Nur die Spitäler mit der besten Qualität könnten die Fallzahlen in ihren Spezialdisziplinen so stark erhöhen, dass sie die notwendige Effizienz erreichten, um trotz tieferer Preise weiterhin Geld verdienen zu können. Die kantonale Planung hingegen birgt nach Fischer die Gefahr, dass ein Spital von einem Bereich ausgeschlossen wird, in dem es besser ist als andere.

Berner Zeitung

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