Viel Mühe für die Mühle

Wohlen

Die Familie Baumgartner erhält für die Sanierung der Hofenmühle den Anerkennungspreis der Denkmalpflege. Sie hat das historische Ensemble in kleinen Etappen sorgfältig restauriert, vieles in Eigenregie.

Die Hofenmühle in Wohlen wird von der Berner Denkmalpflege ausgezeichnet.

Die Hofenmühle in Wohlen wird von der Berner Denkmalpflege ausgezeichnet.

(Bild: Andreas Blatter)

Hans Ulrich Schaad

Alle packten an. Die Söhne, deren Kollegen, die Mieter in der Hofenmühle. Die anspruchsvolle Sanierung des Dachs der Hofenmühle in Wohlen war eine echte Teamarbeit.

Das ist einer der Hauptgründe, warum die Denkmalpflege des Kantons Bern Regula und Niklaus Baumgartner den diesjährigen Denkmalpflegepreis verleiht. «Wir wollen nicht die teuersten und grössten Restaurierungen auszeichnen», sagte der kantonale Denkmalpfleger Michael Gerber gestern vor den Medien.

Wichtiger seien kleine und feine Sanierungen und das Engagement der Eigentümer. Bei der letzten Etappe sei die ganze Familie auf dem Dach gestanden. Gerber: «Das ist einmalig.»

Lange Nächte

«Ich habe ein paar Mal nicht gut geschlafen», blickte Regula Baumgartner auf die Arbeiten am Dach zurück. Dieses war undicht und musste dringend repariert werden. Es sei nicht einfach gewesen, das Material – vor allem lange Balken – zu besorgen.

Der Zustand war an einigen Stellen noch schlechter als erwartet. Alle Nägel waren gerostet, Faulstellen kamen zum Vorschein, Ratten hatten den Gerschild komplett weggefressen.

Eine wichtige Rolle spielte Sohn Simon, Zimmermann und Holzbauingenieur. Er übernahm die Planung und die Bauleitung. Aber nur unter einer Bedingung, erzählte Regula Baumgartner: Sein Bruder Beat musste auch mithelfen.

Nichts verbauen

Gut zwei Monate dauerte die Dachsanierung. Weil schon ein Gerüst stand, wurde ebenfalls die Fassade mit den Dekorationsmalereien erneuert. Auf einer Inschrift von 1834 sind die Bauherren der sogenannten Unteren Mühle, Christen Etter und Anna Imhoof, verewigt.

Ein wichtiger Grundsatz bei all den Restaurationen war: Nur so viel machen, wie notwendig ist, und nichts verbauen für spätere Etappen. Rund 200'000 Franken hat die Sanierung gekostet, davon war vieles Eigenleistung.

Die Denkmalpflege und der Lotteriefonds steuerten dreissig Prozent bei. Das sei der höchstmögliche Satz, sagte Michael Gerber. Denn das ganze Ensemble der Hofenmühle sei national und kantonal ein erstrangiges Kulturgut.

Drei Wasserräder

Die Ursprünge der Hofenmühle gehen wohl bis ins Mittelalter zurück. Erstmals nachgewiesen ist sie in Plänen von 1719. Damals wurde nicht nur eine Mühle, sondern auch eine «Sagi», eine «Stampfi» und eine «Ribi» angetrieben. Aus dem 18.Jahrhundert stammt wohl das Kerngebäude.

Die Untere Mühle als Hauptgebäude wurde 1834 erbaut. Das unterste Stockwerk verschwand 1920 hinter einer Aufschüttung, als die Aare zum Wohlensee gestaut wurde.

Das Wasser des Mühlebachs wird rund 500 Meter oberhalb der Mühle gefasst und fliesst über einen Kanal und teilweise durch in Sandstein gehauene Tunnels. Dieser Kanal wurde vor acht Jahren saniert und vor dem Zerfall gerettet. In der Hofenmühle liefen teilweise bis zu drei Wasserräder.

Die Getreidemühle war bis 1994 in Betrieb. Der grösste Teil der Installationen ist erhalten, funktionstüchtig und wird zu Schauzwecken regelmässig eingeschaltet. Mit der Wasserkraft wird heute Strom produziert.

Berner Zeitung

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