Umstrittener Preis für Blinddarm-Operationen

Darf eine Blinddarmoperation im Inselspital mehr kosten als in einem anderen Spital? Mit der Einführung der neuen Spitalfinanzierung muss diese Frage geklärt werden. Die Meinungen gehen auseinander.

Die Operation ist in jedem Spital die gleiche. Dennoch wollen Universitätsspitäler dafür einen höheren Preis verrechnen.<p class='credit'>(Bild: Colourbox)</p>

Die Operation ist in jedem Spital die gleiche. Dennoch wollen Universitätsspitäler dafür einen höheren Preis verrechnen.

(Bild: Colourbox)

Ab 2012 müssen alle Schweizer Spitäler nach dem gleichen System abrechnen. Das bedeutet aber offenbar nicht, dass auch alle Spitäler die gleichen Preise haben. Das Berner Inselspital fordert nämlich bereits, Universitätsspitäler müssten höhere Preise verlangen können als andere Spitäler. Kritiker bezeichnen diese Forderung als systemwidrig.

«Gleiche Tarife pro Region»

Fest steht: Ab 2012 müssen alle Spitäler in der Schweiz über sogenannte Fallpauschalen abrechnen. Jeder Diagnose ist ein Tarif zugeordnet. Für einen Blinddarm erhalten die Spitäler einen fixen Betrag, unabhängig davon, wie lange der Patient im Spital bleibt. Das ist vor allem für jene Spitäler eine grosse Umstellung, die bisher Tagespauschalen verrechnet haben. Die Spitalkosten sollen dank dem neuen System transparenter und besser vergleichbar werden.

Wird die Forderung des Inselspitals erfüllt, bedeutet dies jedoch, dass Universitätsspitäler für einen Blinddarmpatienten einen höheren Preis verrechnen können als andere Spitäler, auch wenn der Patient überall die gleiche Behandlung erhält.

Das Inselspital hat seine Forderung gemeinsam mit den anderen Universitätsspitälern sowie dem Spitalverband H+ in einer Medienmitteilung veröffentlicht. Andere Spitäler sind mit dieser Forderung nicht einverstanden. So ist etwa Adrian Dennler der Meinung, dass schweizweit, mindestens aber pro Versorgungsregion die gleichen Tarife gelten sollen. Dennler ist Präsident der Privatkliniken Schweiz. «Wir beharren auf Transparenz», sagt er. «Natürlich hat ein Universitätsspital zusätzliche Aufgaben. Doch diese Kosten sollen nicht über den neuen Tarif, sondern anderweitig abgegolten werden. Sonst wird die klare Vergleichbarkeit der Preise erneut verwischt», so Dennler. Auch Reto Flück verlangt gleiche Spielregeln: «Gleiches soll gleich abgegolten werden, sonst ist das System gefährdet», sagt der CFO der Spital Netz Bern AG, dem Verbund öffentlicher Spitäler in Bern.

Das Inselspital begründet seine Forderung damit, dass Universitätsspitäler diejenigen Patienten anziehen, deren Behandlungskosten deutlich über dem Durchschnitt der entsprechenden Fallpauschale liegen. Kritiker halten dem entgegen, dass die neuen Tarifstrukturen dem bereits Rechnung tragen: Für kompliziertere Diagnosen sind die Pauschalen sowieso höher.

«Am Anfang verschieden»

Die neuen Tarifstrukturen sind von der Swiss DRG AG erarbeitet worden, deren Geschäftsführer Simon Hölzer sagt: «Wahrscheinlich wird man nicht darum herumkommen, die Pauschalen zunächst spitalindividuell zu verhandeln.» Langfristig sollten sich die Preise aber angleichen. Neben Unterschieden zwischen Spitalkategorien werde es auch regionale Differenzen geben. «Diese regionalen Unterschiede werden wohl noch länger Bestand haben.» Das sei aber nicht systemwidrig, denn es handle sich nicht per se um ein Fixpreissystem, so Hölzer. Ähnlich wurde dies bei der Beratung im Parlament eingeschätzt. Ständerätin Erika Forster (FDP, SG) hatte in der Diskussion gesagt, der Preis werde für dieselbe Operation zu Beginn von Spital zu Spital und von Kanton zu Kanton unterschiedlich sein. Mit der Zeit würden sich diese Preisunterschiede angleichen.

Ein Wettbewerbsvorteil?

Gesetzlich ist nicht geregelt, ob Universitätsspitälern höhere Preise zustehen als anderen Spitälern. Das Gesetz schreibt einzig vor, dass jene Kosten, die einem Spital für Forschung und Lehre entstehen, separat abgerechnet werden müssen und mit den Fallpauschalen nichts zu tun haben dürfen.

Noch haben die Tarifverhandlungen zwischen den Spitälern und den Versicherungen nicht begonnen. Allerdings dürften sich die Universitätsspitäler mit ihrer Forderung längerfristig keinen Vorteil verschaffen. Schliesslich soll unter den Spitälern der Wettbewerb zu spielen beginnen. Wer sich mit höheren Preisen in diesem Wettbewerb behaupten muss, hat nicht die einfachsten Karten.

Berner Zeitung

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