Streit um die schwierigen Asylbewerber

Nach der Schlägerei in Riggisberg fordern Fachleute eine spezielle Unterkunft für renitente Asylbewerber, doch Regierungsrat Hans-Jürg Käser kontert: Ein solches Zentrum zu schaffen, sei Sache des Bundes.

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Stephan Künzi

Iris Rivas will erst diese Woche ein Interview geben – ungeachtet der Vorwürfe, die seit Tagen auf den von ihr geleiteten kantonalen Migrationsdienst niederprasseln. Ihr oberster Chef dagegen hat bereits geredet: Am Wochenende nahm Regierungsrat Hans-Jürg Käser zu den Vorfällen im Asylzentrum Riggisberg Stellung, und er machte klar: Auch renitente Asylbewerber müssten irgendwo untergebracht werden. Schliesslich, so der FDP-Magistrat gegenüber dem «Bund», gebe es im Kanton kein spezielles Zentrum für derartige Fälle.

Dass es in Riggisberg zu einer wüsten Schlägerei mit letztlich sechs Verletzten und sechs Verhafteten gekommen ist, hält Käser zwar für «bedauerlich», zugleich aber auch für «nichts Weltbewegendes». Es komme immer wieder vor, dass Asylbewerber aneinandergerieten.

«Schlicht unprofessionell»

Die Kritiker, samt und sonders Leute mit Erfahrung im Asylwesen, wird er damit aber kaum besänftigen können. Zu heftig reagierten sie auf das Geschehene. Die deutlichsten Worte wählte bislang Beat Meiner, der Generalsekretär der Schweizerischen Flüchtlingshilfe. Aus verlässlicher Quelle war ihm nämlich zugetragen worden: Der kantonale Migrationsdienst hatte sechs Asylbewerber nach Riggisberg geschickt, die aktenkundig waren. Asylbewerber also, die bereits andernorts «als dissozial und teilweise straffällig aufgefallen» waren, wie er es formulierte.

Er habe sich über den Vorfall «sehr geärgert», erklärte Meiner nun und erinnerte daran, dass Riggisberg zu den wenigen Gemeinden gehöre, die sich freiwillig für die Aufnahme von Asylbewerbern gemeldet hätten. Dafür hatte man ihnen versprochen, in erster Linie Familien mit Kindern zu schicken, doch es kamen vorwiegend junge Männer – und nun eben auch solche, die negativ aufgefallen waren.

Diese zusammen mit friedfertigen Menschen in ein und dieselbe Unterkunft zu stecken, sei ein konzeptioneller Fehler, so Meiner. Andere Kantone hätten reagiert und führten spezielle Einrichtungen für unverträgliche Personen, ja: «Dass Bern nicht längst über eine solche Infrastruktur verfügt, ist schlicht unprofessionell.»

Eigenes Zentrum geschlossen

Regierungsrat Käser will davon aber nichts wissen. Er setzt in dieser Frage vielmehr auf den Bund, der im Rahmen der Neuordnung im Asylwesen die geforderten Zentren schaffen müsse. Gewalttätige Asylbewerber würden dann den Kantonen gar nicht erst zugeteilt.

Ganz ohne Erfahrung steht der Kanton in diesem Bereich übrigens auch nicht da. Jahrelang führte die Heilsarmee im Nusshof in Gampelen ein Zentrum für psychisch auffällige Asylbewerber. Vor gut einem Jahr verfügte er die Schliessung – was ihm nun, da nach der Schlägerei in Riggisberg die Diskussion neu entbrannt ist, umso mehr Kritik einträgt.

Berner Zeitung

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