Streit um Schuldfrage beim Campus Biel

Biel

Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) erntet Kritik für sein Vorgehen beim BFH-Campus Biel.

Hat die Baudirektion von Christoph Neuhaus bei der Ausschreibung ein falsches Verfahren gewählt?

Hat die Baudirektion von Christoph Neuhaus bei der Ausschreibung ein falsches Verfahren gewählt?

(Bild: Nicole Philipp)

Marius Aschwanden

Zu teuer: So lautet das Verdikt von Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) zu den eingegangenen Offerten für den neuen Campus der Berner Fachhochschule (BFH) in Biel. Weshalb sich die Kostenvorstellungen der Totalunternehmer und des Kantons so stark unterscheiden, soll nun eine unabhängige Expertise zeigen. Anschliessend wird das Projekt neu ausgeschrieben.

In diese Neuausschreibung sollen die Branchenvertreter einbezogen werden, fordert nun der Verband Entwicklung Schweiz, der die Interessen verschiedener Totalunternehmer vertritt. Das sei bei der ersten Ausschreibung zu wenig geschehen, kritisiert der Verband in einer Mitteilung.

Zu viele Vorgaben

Es sei nicht so, dass die Offerten zu hoch ausgefallen seien, weil die Unternehmen andere Preisvorstellungen gehabt hätten als der Kanton. Vielmehr habe sich Letzterer für ein falsches Verfahren entschieden und so die Kosten in die Höhe getrieben.

So seien etwa parallel zu Architektur und Gestaltung «unzählige weitere Kriterien und Anforderungen in einem hohen Detaillierungsgrad» fix vorgegeben worden. Eine solche Ausschreibung lasse den Unternehmen keinen Handlungsspielraum dafür, eigene Ideen einzubringen und das «Projekt zu optimieren», schreibt Entwicklung Schweiz.

«Die Mehrkosten sind vor allem ein Abbild eines Kräftemessens.»Initiative Holz Bern

Tatsächlich kam auch das zuständige kantonale Amt nach einer ersten Analyse zum Schluss, dass unter anderem die definierten Rahmenbedingungen oder die Ausschreibungs­­bedingungen für die Situation verantwortlich sind. Weitere Gründe seien die Komplexität des Vorhabens oder die hohen Anforderungen an den Holzbau und die Holzbranche.

Ein Jahr Verzögerung

Letzteres passt aber nun der ­­Initiative Holz Bern nicht, wie sie ebenfalls am Donnerstag in einer ­­Medienmitteilung schreibt. Die Holzbranche sei sicher nicht für Mehrkosten verantwortlich. Aktuelle Grossprojekte würden zeigen, dass ein Holzbau gleich teuer zu stehen komme wie ein herkömmliches Gebäude. Die Initiative Holz Bern sieht in den Mehrkosten vielmehr ein «Abbild des Kräftemessens» zwischen BFH, Architekten, Totalunternehmer und Kanton.

Wer letztlich für die aktuelle Situation verantwortlich ist, wird wohl erst die unabhängige Expertise zeigen. Klar ist bereits jetzt, dass sich die Eröffnung des neuen Bieler Campus um ein Jahr verzögern wird. Geplant ist sie nun frühestens im Herbst 2023.

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