Steuersünder: Nochmals Tausende Anzeigen

Kanton Bern

Die letzte Chance für reuige Steuer­sünder ist vorbei. Viele nutzten sie: Bis Ende September gingen noch einmal 2710 straflose Selbstanzeigen bei der kantonalen Steuerver­waltung ein.

<b>Wer sein Vermögen in der Steuererklärung zu tief deklarierte,</b> konnte sich selbst straffrei anzeigen. Davon haben tausende Bernerinnen und Berner Gebrauch gemacht.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Wer sein Vermögen in der Steuererklärung zu tief deklarierte, konnte sich selbst straffrei anzeigen. Davon haben tausende Bernerinnen und Berner Gebrauch gemacht.

(Bild: Keystone)

Am Schluss wollten viele noch reinen Tisch machen, bevor es rechtliche Konsequenzen haben könnte: 2710 Berner Steuersünder zeigten sich seit Anfang Jahr bis Ende September straflos selber an. Das in diesem Jahr nachdeklarierte Vermögen betrug per Ende August 320 Millionen Franken, wie es bei der kantonalen Steuerverwaltung auf Anfrage heisst. Dieser Betrag wird sich aber noch erhöhen. Denn im September ist die Anzahl der Selbstanzeigen im Vergleich zu den Vormonaten merklich angestiegen.

Nun ist die letzte Chance zu einer straflosen Selbstanzeige vorbei. Denn ab diesem Jahr tauscht die Schweiz erstmals automatisch steuerrelevante Daten mit 37 Ländern aus, unter anderem mit der gesamten EU. Weitere 41 ­Länder werden nächstes Jahr ­folgen, zum Beispiel Liechtenstein.

Die Steuerverwaltung des Kantons Bern erhält ab November Einsicht in die Daten, die zum Beispiel von Banken und Versicherungen geliefert werden. Dann kontrolliert sie, ob die Berner Steuerzahler ausländische Konten und andere Vermögenswerte in ihren Steuererklärungen angegeben haben. Falls das Konto nicht deklariert worden ist, kann ein Nachsteuer- und Steuerstrafverfahren eingeleitet werden.

Ein Rekord im letzten Jahr

Bereits im letzten Jahr ist die Anzahl strafloser Selbstanzeigen in die Höhe geschnellt. Schweizweit zeigten sich über 50'000 Steuerzahler an. 4550 davon stammten aus dem Kanton Bern, was fast viermal so viele waren wie 2016, dem früheren Rekordjahr. 85 Prozent der Selbstanzeigen bezogen sich auf Vermögenswerte wie Bankkonten, Wertschriften, Lebensversicherungen oder Edelmetalle, 15 Prozent betrafen nicht deklarierte Einkommen wie etwa einen Nebenerwerb oder eine Altersrente im Ausland. Konten hingen zum Teil mit Immobilien im Ausland zusammen. Diese werden zwar am jeweiligen Standort versteuert, haben in der Schweiz aber Einfluss auf den Steuersatz, den die Behörde bei der Veranlagung anwendet.

Während der Veranlagung

Die Steuerverwaltung wird ab November kontrollieren, ob ausländische Konten angegeben worden sind. Dafür hat sie ihre Informatik angepasst. Mit dieser werden die bezogenen Daten automatisch ins Veranlagungssystem eingelesen. Die Mitarbeiter überprüfen sie dann, wenn sie die Steuern veranlagen.

Berner Zeitung

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