Spitex: Mehr Geld für dünn besiedelte Regionen

Kanton Bern

Öffentliche Spitex-Organisationen in Regionen mit wenigen Einwohnern könnten künftig mehr Geld vom Kanton für die Aufnahmepflicht erhalten.

Die gesamte Finanzierung der Spitex-Organisationen wird derzeit unter die Lupe genommen.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Die gesamte Finanzierung der Spitex-Organisationen wird derzeit unter die Lupe genommen.

(Bild: Keystone)

Die Spitex im Kanton Bern ist seit Anfang Jahr in einer Krise. Grund dafür ist die Affäre rund um die Spitex-Genossenschaft Bern. Vor vier Monaten zerstritt sich der Geschäftsführer mit dem Verwaltungsrat. Ersterer sprach in aller Öffentlichkeit von einem sorglosen Umgang mit Geld, Letzterer von einem Komplott. In die Schlagzeilen geriet schliesslich auch die frühere Verwaltungsratspräsidentin Rahel Gmür wegen ihres Lohns von rund 185 000 Franken.

SVP-Gesundheits- und Fürsorgedirektor Pierre Alain Schnegg kündigte daraufhin eine Überprüfung der Entschädigungspraxis aller Spitex-Organisationen im Kanton Bern an. Diese sei nach wie vor im Gang, so Schnegg. Deshalb könne er noch nichts Genaueres sagen. Er gehe aber davon aus, dass es auch andernorts als nur in Bern hohe Löhne gebe.

Konkreter ist mittlerweile aber die Überarbeitung des Abgeltungssystems für die Versorgungspflicht. Anders als die 38 privaten Spitex-Organisationen verpflichten sich die 52 öffentlichen, alle Bewohner eines Gebietes – egal, wie lange der Anfahrtsweg ist – mit Leistungen zu versorgen. Für diesen Mehraufwand erhalten die Organisationen heute einen Beitrag pro Pflegestunde sowie einen Beitrag gemessen an der Anzahl Einwohner im Einzugsgebiet.

Schnegg möchte nun die Bevölkerungsdichte als Grundlage für die Entschädigung verwenden. Neben der Anzahl Einwohner würde dabei etwa auch das vorhandene Strassennetz in die Berechnung einfliessen. Für dünn besiedelte Regionen gäbe es dann mehr Geld.

Geprüft wird, ob ab 2020 auch die privaten Institutionen eine Aufnahmepflicht haben sollten. Insgesamt steht ab nächstem Jahr aber weniger Geld für diese Abgeltung zur Verfügung. Im Rahmen des Sparpakets 2017 hat der Grosse Rat beschlossen, dort 6 Millionen Franken einzusparen.

Doch nicht nur die Abgeltung der Versorgungspflicht will Schnegg überarbeiten. Er hat die gesamte Finanzierung der Spitex-Organisationen unter die Lupe genommen und diverse Punkte entdeckt, die jetzt vertieft abgeklärt werden müssten. So ist Schnegg etwa der Meinung, dass die rund 260 freischaffenden Pflegefachfrauen vom Kanton eher viel Geld erhalten im Vergleich mit den Spitex-Organisationen.

Aber auch der Grossteil der öffentlichen Spitex sei finanziell gut aufgestellt, das habe die Überprüfung diverser Jahresabschlüsse gezeigt, sagt Pierre Alain Schnegg. «Wenn eine Organisation 2017 Rückstellungen über 700 000 Franken machen konnte, müssen wir uns schon fragen, ob das tatsächlich notwendig ist», so der Gesundheits- und Fürsorgedirektor.

Berner Zeitung

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