Sozialhilfe: Bezugsdauer im Kanton Bern nicht übermässig lang

Im Vergleich mit anderen Kantonen mit städtischen Zentren schneidet Bern bei der Bezugsdauer von Sozialhilfe nicht schlechter ab, so der Regierungsrat.

SVP-Grossrätin Anne-Caroline Graber zeigte sich in ihrem parlamentarischen Vorstoss erstaunt darüber, dass Bern bei der Sozialhilfe die fünfthöchste Quote aller Kantone aufweist.

SVP-Grossrätin Anne-Caroline Graber zeigte sich in ihrem parlamentarischen Vorstoss erstaunt darüber, dass Bern bei der Sozialhilfe die fünfthöchste Quote aller Kantone aufweist. Bild: Andreas Blatter

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Die Bezugsdauer von Sozialhilfe liegt im Kanton Bern zwar höher als im interkantonalen Durchschnitt. Doch im Vergleich mit anderen Kantonen mit städtischen Zentren wie Zürich, Genf oder Basel schneidet Bern laut dem Regierungsrat nicht schlechter ab.

Dies stellt die Regierung in einer am Montag publizierten Antwort auf eine Interpellation von Anne-Caroline Graber (SVP) fest. Der Mittelwert für die Bezugsdauer von Sozialhilfe lag 2016 im Kanton Bern bei 13 Monaten für abgeschlossene Dossiers (Gesamtschweiz: 11 Monate) und 23 Monaten für laufende Dossiers (CH: 23 Monate).

Bern weise damit zwar eine höhere mittlere Bezugsdauer als der Durchschnitt auf, liege allerdings in einem ähnlichen Rahmen wie die vergleichbaren Kantone ZH, GE oder BS. Auch dämpft der Regierungsrat die Erwartungshaltung der Interpellantin, wonach Bern im gesamtschweizerischen Vergleich der Sozialhilfequote besser rangiert sein müsste.

Mit den Städten Bern und Biel «und den entsprechend hohen städtischen Soziallasten», sei eine bessere Rangierung des Kantons Bern «selbst bei Nutzung des Optimierungspotenzials kurzfristig unrealistisch», schreibt die Regierung weiter.

Andere Kantone mit zusätzlichen Beihilfen

Graber zeigt sich in ihrem parlamentarischen Vorstoss erstaunt darüber, dass Bern bei der Sozialhilfe die fünfthöchste Quote aller Kantone aufweise, obwohl Bern bei wichtigen Indikatoren wie Arbeitslosenquote, Ausländeranteil oder Scheidungsrate besser abschneide.

Die Regierung verweist in ihrer Antwort jedoch auf Einflussfaktoren, welche eine «relativ hohe Sozialhilfequote teilweise zu erklären vermögen.» So existierten in anderen Kantonen Leistungen wie beispielsweise Wohn- und Familienbeihilfen, die dazu führten, dass weniger Menschen in die Abhängigkeit von Sozialhilfe gerieten.

Tiefe Löhne führen zu mehr Working Poor

Auch sei das Lohnniveau im Kanton Bern tiefer als in der Grossregion Zürich, in der Nordwestschweiz oder in der Genferseeregion. In Kombination mit der «relativ hohen Steuerlast» bestehe die Gefahr, dass armutsgefährdete Haushalte im Kanton Bern eher Unterstützung von der Sozialhilfe benötigten.

Im weiteren sei im Kanton Bern die Sozialhilfe stärker professionalisiert als beispielsweise in der Ostschweiz, wo die Sozialhilfequote tiefer ist. «Ein System mit hohem Professionalisierungsgrad erreicht mehr Bezugsberechtigte als ein weniger professionalisiertes.»

Zudem seien Personen, welche in bürgerlich geprägten Landkantonen wohnten, möglicherweise zurückhaltender, das Recht auf Sozialhilfe einzufordern, als solche in Kantonen mit grossen Städten. (tag/sda)

Erstellt: 09.04.2018, 17:24 Uhr

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