Seit drei Generationen kreuzen sie die Klingen

Die Familien Kauter und Giger prägen den Berner Fechtsport. Momentan ist die dritte Generation am Werk. Die gemeinsame Familienzeit ist mit den Jahren rar geworden – am ehesten gibt es sie noch auf dem Golfplatz.

Vier von vielen: Fabian Kauter, sein Bruder Michael, deren Onkel Daniel Giger und dessen Sohn Nicolas (von links) gehören zur grossen Fechtfamilie Kauter/Giger. Bild: Andreas Blatter

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Die Bilder sprechen für sich. Der Fechtklub Bern ist in diesen Hitzetagen ein durchaus angenehmer Ort, in den halbdunkel gehaltenen Kellerräumen herrschen angenehme Temperaturen. An den Wänden hängen Zeitungsartikel, stehen Pokale, und es kleben vor allem: Bilder. Die Ahnengalerie im Fechtklub Bern ist fest in den Händen der Familien Kauter und Giger.

Fechten ist für die beiden Berner Clans Familiensache, seit eh und je. Weit zurück reicht die Tradition, das jüngste und erfolgreichste Mitglied der Kauters ficht in der dritten Generation. «Viele meiner Verwandten waren nationale Spitzenfechter», sagt Fabian Kauter, mehrfacher EM- und WM-Medaillengewinner und momentan die Nummer 6 der Welt. Der jüngste Kauter zeigt auf ein Foto in Schwarzweiss und sagt: «Das ist meine Grossmutter Gertrud Kauter, bereits sie hat hier gefochten.»

Familienjubel auf der Planche

Von der eben zu Ende gegangenen Trainingslektion stösst Maitre Gabriel Nielaba hinzu. Auch er erzählt noch die eine oder andere Anekdote der Kauters und Gigers, zeigt hier auf ein Foto des jugendlichen Fabian, dort auf ein Bild von Daniel Giger. Giger ist Fabian Kauters Onkel, er heiratete die Schwester von Fabians Vater Christian Kauter. Mit ihm gewann Giger in den 1970er-Jahren zwei Olympiamedaillen, heute arbeitet er noch ehrenamtlich als Betreuer der Nationalmannschaft, der auch Fabian Kauter angehört. An Weltcupturnieren begleite er oft die bis zu 12-köpfige Delegation mit. «Fabian und ich sehen uns also öfter einmal, aber alle zusammen treffen wir uns nur noch selten», sagt Giger.

Zu viel seien alle unterwegs, zu dicht die verschiedenen Terminkalender. Dabei konnte die jüngste Kauter/Giger-Generation zwischenzeitlich sogar zusammen Erfolge auf der Fechtplanche feiern. Beim Europacup Anfang Jahr in Heidenheim trumpfte der Fechtklub Bern gross auf und gewann die Silbermedaille – drei der vier Teammitglieder stammten aus der gleichen Familie. Fabian und sein Bruder Michael, auch er ein einstiger Fechter von Weltklasseniveau und Teilnehmer der Olympischen Spiele in Peking 2008, sowie der Cousin der Kauters, Nicolas Giger, Daniel Gigers Sohn, fochten Seite an Seite.

Exakt den gleichen Erfolg feierte 1973 das Team um Christian und Bernhard (Fabians Onkel) Kauter sowie Daniel Giger. Auch dessen Töchter aus erster Ehe fechten im Berner Verein, ebenso Vincent Kauter, Bernhard Kauters Sohn.

Treffpunkt GP

Wie erwähnt, die gemeinsamen Momente sind rarer geworden. Über was spricht man denn, wenn man sich doch einmal trifft, in dieser grossen Familie, in der sich so viele dem Fechtsport verschrieben haben? «Natürlich über Golf», sagt Daniel Giger und grinst. Tatsächlich schlagen etliche Kauters und Gigers ab und an ein paar Bälle, Daniel Giger und Fabian Kauter haben gar ein Handicap. «Das ist für uns auch eine Art Familienevent», sagt Fabian, «und auch mit meinem Nationaltrainer Angelo Mazzoni kann ich ab und zu spielen, er ist ein ausgezeichneter Golfer.»

Ein Wochenende im Jahr aber, das halten sich fast alle Kauters und Gigers frei. Beim Fecht-GP von Bern, eines der wichtigeren Weltcupturniere auf der Tour, sind fast alle irgendwie beteiligt. Sei es als Athleten auf der Planche, als Mitarbeiter hinter der Theke oder als Zuschauer auf der Tribüne. «Der GP ist unser Pflichttermin», bestätigt Fabian Kauter. Für ihn steht ab nächster Woche mit der WM in Budapest eines der Saisonhighlights an. Sein Onkel Daniel Giger wird nicht dabei sein – «ich mache Ferien mit meiner Frau», sagt er lächelnd. Bilder von der WM werden unter Kauters und Gigers wohl schnell die Runde machen. Oder sie werden irgendwann den Weg in die Ahnengalerie im Fechtklub Bern finden. Dort, wo sich die Grossfamilie Kauter/Giger gewissermassen auch «trifft». (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.08.2013, 13:12 Uhr

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