Riggisberg ist das teuerste Berner Spital

Erstmals legen die Berner Regionalspitäler die Fallkosten ihrer einzelnen Standorte offen. Das Fazit ist frappant: Dieselbe stationäre Behandlung kostet in den teuersten Spitälern 20 bis 30 Prozent mehr als in den günstigsten.

Die Operation geht weiter: Die Berner Regionalspitäler müssen ihre Kosten weiter senken.<p class='credit'>(Bild: Colourbox)</p>

Die Operation geht weiter: Die Berner Regionalspitäler müssen ihre Kosten weiter senken.

(Bild: Colourbox)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Vor gut zwei Wochen haben wir an dieser Stelle die stationären Fallkosten 2008 der Regionalen Spitalzentren (RSZ) des Kantons Bern verglichen. Dabei kam heraus, dass das günstigste RSZ (Simmental-Thun-Saanenland, STS) 18 Prozent tiefere Kosten hat als das RSZ mit den höchsten Kosten (Regionalspital Emmental, RSE). Kurz zuvor hatte ein Vergleich des Spitalamts ergeben, dass die bernischen RSZ im Schnitt zehn Prozent höhere Fallkosten ausweisen als vergleichbare Zürcher Spitäler.

Beide Artikel gaben in der Branche viel zu reden. Primär der innerbernische Vergleich zog Kritik auf sich. Einige RSZ-Vertreter lehnten die pauschale Aussage, die Landspitäler seien teuer, vehement ab. Daraufhin haben sich auf Anfrage fast alle RSZ entschlossen, erstmals ihre Fallkosten pro Einzelstandort offenzulegen. Das RSE und das Hôpital du Jura bernois haben keine Zahlen pro Standort geliefert. Dies sei ihnen aus technischen Gründen nicht möglich.

Teure Stadtspitäler in Bern

Der Vergleich der Zahlen von 2009 ist auch so aufschlussreich. Er zeigt, wie enorm die Kostenunterschiede sind. Das Extrembeispiel: Das Spital Riggisberg hat gut 30 Prozent höhere Fallkosten als das Spital Thun. Das heisst, dass jede stationäre Behandlung – ein Blinddarm, ein Beinbruch, eine Geburt – in Riggisberg im Schnitt 30 Prozent höhere Kosten verursacht.

Ähnlich hoch sind die Kosten in Langnau und Burgdorf. Allerdings hat das RSE einen grundlegenden Vorbehalt gegen den Vergleich. Die anderen RSZ bringen diesen Vorbehalt nicht an. Mehrere RSZ-Vertreter sagen, die Zahlen seien durchaus vergleichbar. Immerhin setzte ihr Verband Diespitaeler.be just diese Zahlen bei den Tarifverhandlungen mit den Krankenkassen ein.

Hohe Kosten weist auch der Standort Niederbipp aus, dessen Schliessung jedoch bereits beschlossen ist; er wird 2011 in das Spital Langenthal integriert. Riggisberg dagegen werde weitergeführt, bekräftigt das Spital Netz Bern. Die Kosten müssten aber stark reduziert werden, damit dieses Akutspital mittelfristig erhalten werden könne.

Die Kritik an den Landspitälern ist primär in einem speziellen Fall verfehlt: Im Spital Netz Bern haben die Spitäler Aarberg und Münsingen markant tiefere Kosten als die Stadtspitäler Tiefenau und Ziegler. Sie erreichen fast das Niveau des Vorbilds STS.

Insgesamt legen die Zahlen einen anderen, nicht ganz neuen Schluss nahe: Es geht nicht um Land oder Stadt – es geht um gross oder klein. Die Zahlen bestätigen, dass kleine Spitäler tendenziell höhere Kosten haben. Das gilt für Riggisberg und Niederbipp sowie für Saanen und Zweisimmen, wo ebenfalls eine Bereinigung ansteht. Etwas besser ist das Kostenniveau der Spitäler Frutigen und Interlaken sowie St-Imier und Moutier. Die Gegenbeispiele für eher kleine, aber günstige Standorte sind erneut Aarberg und Münsingen.

«Arbeiten nicht schlechter»

Für Beat Straubhaar, CEO des Spitals STS und Präsident von Diespitaeler.be, ist klar, dass kleinere Spitäler höhere Kosten haben: «Sie arbeiten nicht schlechter als die grossen», sagt er. «Sie haben weniger Patienten und im Schnitt leichtere Fälle, für deren Behandlung sie mit den neuen Fallpauschalen weniger Geld erhalten.» Gleichzeitig haben diese Spitäler die hohen Fixkosten des 24-Stunden-Betriebs zu tragen. Ein Ausweg sei, in kleinen Spitälern Bereiche mit hohen Kosten und tiefer Auslastung zu schliessen. Ansonsten blieben einzig die Schliessung oder die Umwandlung in ein Gesundheitszentrum, das nur ambulante Fälle behandelt. Zudem können kleine Spitäler laut Straubhaar nur im Verbund mit einem grösseren finanziell überleben.

Hoffen auf das Stadtspital

Dass grosse Spitäler zu tieferen Kosten arbeiten können, zeigen die Spitäler Thun und Biel. Gegenbeispiele sind Tiefenau und Ziegler. Das ist kein Zufall: Sie arbeiteten in veralteten Strukturen und hätten, davon ist man beim Spital Netz überzeugt, bedeutend tiefere Kosten, wenn sie in einem Haus vereint wären. Deshalb sollen sie durch ein neues Stadtspital ersetzt werden. Die Planung läuft, allerdings ist vieles offen, seit der Kanton eine engere Zusammenarbeit von Spital Netz und Inselspital – bis hin zur Fusion – prüft. Die Verantwortlichen im Spital Netz geben sich so oder so zuversichtlich: Wenn das Stadtspital, wo auch immer, realisiert wird, sollen seine Kosten unter das Niveau von Aarberg und Münsingen sinken. Angesichts der neuen Spitalfinanzierung dürfte das auch nötig sein.

Berner Zeitung

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