Rickenbacher tritt ab – SVP wittert Morgenluft

Andreas Rickenbachers Rücktritt bietet den Bürgerlichen eine neue Chance, doch noch die Mehrheit in der Regierung zu erreichen. Vorausgesetzt, sie können sich auf eine gemeinsame Strategie einigen.

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Tobias Habegger@TobiasHabegger

Bei den kantonalen Wahlen 2014 verfehlten SVP, FDP, BDP und EDU um ein Haar die bürgerliche Mehrheit im Regierungsrat. Zwar hatte der bernjurassische SVP-Kandidat Manfred Bühler gut 8500 Stimmen mehr erzielt als SP-Kandidat Philippe Perrenoud. Aufgrund der Wahlarithmetik des garantierten Jura-Sitzes musste Bühler dem Bisherigen das Feld überlassen. Der Rücktritt von SP-Regierungsrat Andreas Rickenbacher eröffnet den Bürgerlichen die Möglichkeit, ihr Ziel doch noch zu erreichen.

Die SVP steht bereits in den Startlöchern. Sie will den frei werdenden SP-Sitz angreifen – und zählt dabei auf die Hilfe der bürgerlichen Parteien. «Wir müssen eine gemeinsame Kandidatur auf die Beine stellen», betont SVP-Präsident Werner Salzmann. Dafür komme aufgrund der Wählerstärke nur ein SVP-Politiker infrage. Laut Salzmann würden die Präsidenten von FDP, EDU und BDP dies unterstützen. «Wir haben uns mehrmals zu strategischen Gesprächen getroffen, zum letzten Mal am Samstag in Arch.» Dort hätten sich alle zu einem SVP-Kandidaten bekannt.

Das Zaudern der andern

Bei FDP und BDP klingt dies allerdings weniger enthusiastisch. Deren Präsidenten geben sich auf Anfrage eher zurückhaltend. «Wir sind uns einig, dass das Erreichen einer bürgerlichen Regierungsmehrheit vor der Parteipolitik kommt», bestätigt zwar FDP-Präsident Pierre Yves Grivel. Auch sei es sicher so, dass die SVP mit dem grössten Wähleranteil Anrecht auf einen weiteren Regierungssitz habe. «Aber wir müssen dies erst diskutieren.» Er sei dafür, dass jede Partei zuerst eigene Kandidaten bestimme. «Danach entscheiden wir gemeinsam, wen wir zur Nomination vorschlagen.»

Auch BDP-Präsident Heinz Siegenthaler betont, der SVP stehe ein zweiter Regierungssitz zu. Allerdings sei dafür ein mehrheitsfähiger Kandidat nötig. «Und damit hatte die SVP in der Vergangenheit ja eher Mühe.»

Welche SVP-Kandidaten kommen dieses Mal infrage? «Wir haben damit gerechnet, dass es in der laufenden Legislaturperiode einen Rücktritt in der Regierung geben könnte», sagt Parteipräsident Salzmann. Deshalb habe er im Auftrag der Parteileitung mit potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten Gespräche geführt. Ob Mann oder Frau, sei dabei kein Kriterium gewesen. Doch die Person müsse Führungserfahrung haben.

SVP-Nationalrat Albert Rösti gehört dazu. Doch er betont: «Ich möchte gerne im Bundeshaus weiterpolitisieren.» Für ihn gebe es derzeit keine anderen politischen Ziele. Andreas Aebi, ein weiterer SVP-Nationalrat, steht ebenfalls auf der Kandidatenliste: «Ich wurde von der Parteileitung angefragt. Doch ich habe abgesagt», sagt Aebi. Er sei glücklich mit seinen Tätigkeiten.

Auch zu den Kandidaten gehört SVP-Grossrat Peter Brand. «Sollte die Partei zum Schluss kommen, dass ich zum Gewinn der bürgerlichen Mehrheit in der Regierung etwas beitragen kann, könnte ich mir eine Kandidatur vorstellen», sagt er. Das Amt eines Regierungsrats sei immer von Interesse.

Bühler zum Zweiten?

Erneut im Rennen ist Manfred Bühler. Er betont, die Strategie der bürgerlichen Parteien sei noch nicht festgelegt. «Ich bin aber offen dafür, erneut anzutreten.» Die besten Karten in der SVP hat wohl Raphael Lanz, Grossrat und Stadtpräsident von Thun. «Reizvoll wäre dieses Amt mit Sicherheit», sagt er. Es sei eine interessante Herausforderung, einen der grössten Kantone als Regierungsrat vorwärtszubringen. «Doch ich führe nun seit fünf Jahren eine wunderschöne Stadt. Und die Thuner Stimmbevölkerung hat mich 2014 mit einem sehr guten Resultat als Stadtpräsident bestätigt.»

Er habe viel Freude an dieser Arbeit, räumt aber ein: «Als Exekutivmitglied interessiert das Amt eines Regierungsrates immer.» Zu internen Gesprächen sagt Lanz: «Ich wurde öfters auf eine mögliche Vakanz im Regierungsrat angesprochen und gefragt, ob ich mich für dieses Amt interessiere – und zwar nicht nur von meiner Partei.»

Berner Zeitung

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