Regionale Kabelnetzbetreiber konkurrieren Swisscom

Regionale Kabelnetzbetreiber aus Bern sagen der Swisscom den Kampf an: Mit ihrem neuen Digital-TV-Angebot «Verte» lancieren sie ein Konkurrenzprodukt zu Bluewin TV. Der blaue Riese reagiert gelassen auf die Herausforderer.

Finecom-Chef Reto Bertschi führt das neue Digital-TV-Angebot Verte vor. Es kommt im nächsten Jahr auf den Markt.

Finecom-Chef Reto Bertschi führt das neue Digital-TV-Angebot Verte vor. Es kommt im nächsten Jahr auf den Markt.

(Bild: Enrique Muñoz García)

Jon Mettler@jonmettler

Die Ziele fürs neue Digital-TV-Angebot Verte sind sehr ehrgeizig. «Unser Anspruch ist es, besser zu sein als Bluewin TV», sagte gestern in Biel Reto Bertschi, Chef von Finecom, anlässlich einer Produktpräsentation. Finecom ist eine Tochtergesellschaft mit Sitz in Biel des Kabelnetzanbieters Besonet und für Entwicklung und Betrieb von Verte verantwortlich. Vertrieben wird das neue Angebot durch den Quickline-Verbund, dem 13 regionale Kabelnetzbetreiber angehören (siehe Kasten).

Neue Funktionen

In der Tat wartet Verte mit einigen Neuerungen auf, die das Konkurrenzprodukt Bluewin TV von der Swisscom nicht bietet. Erstens verschmilzt Verte Fernsehen und Internet. Das heisst: Benutzer von Verte können auf dem Fernseher surfen und etwa ihr Facebook-Profil abrufen. Zudem werden via Internet Wetterinformationen und Nachrichten eingeblendet.

Zweitens bietet Verte in der Videothek auch Erotikfilme auf Abruf an. Kostenpunkt: etwa zehn Franken pro Sexstreifen.

Drittens können die Verte-Kunden dank der «Freeze24»-Funktion über 20 frei wählbare Sender bis zu 24 Stunden zurückversetzt anschauen. Schliesslich können bestimmte Sendungen des Schweizer Fernsehens wie «Kassensturz», «Arena» oder «Einstein» jederzeit abgerufen werden.

Ansonsten sind in Verte die branchenüblichen Funktionen eines Digital-TV-Produkts enthalten: 110 Fernsehsender, 120 Radiosender, elektronischer Programmführer, Livepause, digitale Aufnahme von Sendungen und kostenpflichtige Filme auf Abruf. Bluewin TV hat 140 TV-Sender und 130 Radiostationen im Angebot. Seit die Kabelnetzbetreiber, allen voran Cablecom, Telefonie übers Fernsehkabel anbieten, herrscht ein erbitterter Konkurrenzkampf mit der Swisscom. Diese hat im Gegenzug Bluewin TV lanciert, um die Kabelnetzbetreiber in ihrem Kerngeschäft anzugreifen.

25 Franken im Monat

Verte ist ab kommendem Jahr für 25 Franken im Monat erhältlich. Nicht eingerechnet ist die einmalige Installationsgebühr von 79 Franken. Bluewin TV kostet auf vergleichbarer Basis 29 Franken im Monat. Doch bei näherem Hinschauen kommen bei Verte Kostenfallen zu Tage: So ist die Funktion «Freeze24» nicht kostenlos, sondern schlägt bei Bezug mit fünf Franken im Monat zusätzlich zu Buche.

Weiter bietet der digitale Videorekorder von Verte lediglich einen Speicherplatz von zehn Stunden. Wer mehr Sendungen aufnehmen will, zahlt 13 Rappen pro zusätzliche Stunde. Bei Bluewin TV beträgt der Speicherplatz 100 Stunden – gratis.

Alleine die Plattform von Verte löste Investitionen von fünf Millionen Franken aus. Bereits im kommenden Monat gehen die ersten 600 Empfangsgeräte, auch Set-Top-Boxen genannt, an die Kunden. Die grossflächige Lancierung von Verte erfolgt dann im Januar 2010.

Finecom rechnet damit, dass bis Ende 2010 zwischen 5000 und 10'000 Set-Top-Boxen ausgeliefert werden. «Bereits heute verzeichnen wir pro Monat 1000 bis 1500 Kunden, die von analogem auf digitales Fernsehen wechseln», sagte dazu Finecom-Chef Bertschi. Bluewin TV haben 165'000 Swisscom-Kunden abonniert.

Die Swisscom begrüsst den Markteintritt von Verte. «Das zeigt, dass im Bereich des digitalen Fernsehens der Wettbewerb spielt, nicht zuletzt auch dank Bluewin TV», sagte Firmensprecher Olaf Schulze auf Anfrage. Verte biete «interessante Impulse», die man bei der Swisscom genauer verfolgen werde. Ob und inwiefern der blaue Riese ähnliche Funktionen wie Verte anbieten will, liess Schulze offen. «Die Swisscom baut Bluewin TV laufend aus», lautete dazu seine Antwort. Nur eines könne er mit Sicherheit sagen. «Bluewin TV ist ein familientaugliches Angebot und wird deshalb keine Erotikfilme anbieten», so Schulze.

Berner Zeitung

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