Regierung trennt sich von Mader und hält die Details geheim

Regula Mader wird definitiv nicht mehr an die Spitze der Waldau zurückkehren. Sie hat sich mit dem Regierungsrat einvernehmlich darauf geeinigt, den Posten zu verlassen. Eine Abgangsentschädigung erhält sie zwar nicht. Mader wird aber noch ein paar Monatslöhne erhalten – wie viele, ist unklar.

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Die Kantonsregierung zieht den allseits erwarteten Schlussstrich unter die Konflikte an der Waldau: Sie trennt sich im üblichen «gegenseitigen Einvernehmen» von Regula Mader, Direktorin der Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) – im Volksmund besser bekannt als Waldau. Dies gab die Regierung gestern bekannt; Mader war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Laut der Regierung will sich die frühere Regierungsstatthalterin des Amts Bern nun beruflich neu orientieren. Mader lege ihre Aufgaben an der Waldau, wo sie rund 1200 Angestellte führte, sofort nieder. Allerdings ist Mader bereits seit November 2012 krankgeschrieben und seither nicht an die UPD zurückgekehrt.

Umfassendes Stillschweigen

Die Regierung betont in ihrer Mitteilung zwar, Mader erhalte keine Abgangsentschädigung. Dass der Abgang für den Steuerzahler trotzdem nicht gratis sein wird, liegt aber auf der Hand.

Es stellen sich dazu diverse Fragen. Bis wann bleibt Mader angestellt? Da sie krank ist, könnte der Kanton ihr theoretisch gar nicht kündigen. In der Austrittsvereinbarung hat man sich nun auf ein Datum geeinigt – welches es ist, bleibt geheim. Die Kündigungsfrist für hohe Kader des Kantons liegt in der Regel bei sechs Monaten. So oder so dürfte Mader also noch ein paar weitere Monatslöhne erhalten. Zudem fragt sich, wie viel Überzeit- und Ferienguthaben Mader angehäuft hat, die ihr der Kanton nun wohl auszahlen muss. Aus anderen Abgängen ist bekannt, dass kantonale Kader teilweise hohe Zeitguthaben anhäufen, da der Kanton Bern keine Vertrauensarbeitszeit kennt.

Geheim bleibt auch, was man sich unter der «Unterstützung der beruflichen Neuorientierung» genau vorstellen muss, die der Kanton Mader zukommen lassen wird. Alle diese Fragen beantwortet der zuständige Regierungsrat, Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP), nicht. Sie fielen unter das vereinbarte Stillschweigen, sagt er. «Aber ich versichere, dass die Vereinbarung absolut vertretbar ist.» Überprüfen kann dies vorerst einzig die Oberaufsichtskommission des Grossen Rats. Deren Präsident Hans-Jörg Rhyn (SP) ist von Perrenoud mündlich über den Inhalt der Austrittsvereinbarung informiert worden. Er sagte auf Anfrage, er sehe keinen Bedarf für weitere Abklärungen durch die Kommission.

Konflikte intern lösen

Zurück zu Perrenoud: Auf die Frage, welches Fazit er aus der ganzen Geschichte ziehe, verweist er zuerst auf die strukturellen Probleme. Anders als am Inselspital sei bei den UPD das Spannungsfeld zwischen Lehre und Forschung einerseits und Versorgung andererseits bisher nicht gelöst. Von einer neuen Struktur und der geplanten Verselbstständigung der UPD erhofft sich Perrenoud viel, vor allem dank der grösseren Distanz zur Politik (siehe Kasten unten). Sein Ziel ist klar: «Künftig müssen die UPD solche Konflikte innerhalb des Unternehmens lösen können, ohne dass die ganze Schweiz zuschaut.»

Ist doch Strik schuld?

Auf Nachfrage räumt Philippe Perrenoud jedoch ein, dass im Zentrum dieses Konflikts wohl doch eher unverträgliche Persönlichkeiten standen und nicht ungünstige Strukturen. Wo er dabei das Hauptproblem sieht – bei Strik oder Mader – will Perrenoud nicht sagen. Er sagt nur: «Das ist die dritte UPD-Geschäftsleitung, die solche Probleme hatte.» Also sieht er das Problem eher bei Strik, der im Unterschied zu Mader in all diesen drei Geschäftsleitungen Einsitz hatte. Aber seitdem die Regierung im Dezember entschieden hat, dass Strik seine Funktion an der Waldau wieder übernimmt, ist auch für Perrenoud klar gewesen, dass Mader nicht mehr an die UPD zurückkehren kann. In der Medienmitteilung verdankt die Regierung zwar Maders Arbeit, bedauert ihren Abgang aber nicht. Bedauert denn Perrenoud, dass sie geht? «Ich bedaure vor allem, dass Frau Mader und Herr Strik keine Basis für eine gute Zusammenarbeit fanden.» Zuerst sei er zuversichtlich gewesen: Wenige Monate nach Maders Amtsantritt habe ihm Strik noch gesagt, die Regierung habe eine ausgezeichnete Chefin für die UPD gewählt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.02.2013, 10:27 Uhr

Die Vorgeschichte

15.2.2011: Die Regierung teilt mit, dass sie Regula Mader zur Vorsitzenden der Geschäftsleitung der Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) gewählt hat. Regierungsrat Philippe Perrenoud spricht von «einem eigentlichen Glücksfall». Mader fängt gleich am 1.März an.
22.2.2012: Der Konflikt zwischen Mader und Werner Strik, Direktor Psychiatrie, eskaliert: Mader beantragt bei der Universität Striks Entlassung und sofortige Freistellung. Später sagt sie, wegen mehrjähriger Konflikte sei eine Zusammenarbeit keine Option mehr. Strik arbeitet ab sofort nicht mehr für die Waldau, bleibt aber angestellt und erhält Lohn.
5.6.2012: Die Uni will Professor Strik nicht entlassen. Nun muss die Regierung entscheiden. Sie stellt Strik vorläufig frei, «im Interesse der Deeskalation».
4.10.2012: «Die Weltwoche» berichtet, Mader habe eine Hochstaplerin als Leiterin Qualitätsmanagement eingestellt, die unter anderem falsche Titel trage.
5.11.2012: Mader wird bis auf weiteres krankgeschrieben.
16.11.2012: Ihre Stellvertreter leiten ein Kündigungsverfahren gegen die von der «Weltwoche» als Hochstaplerin bezeichnete Kaderangestellte ein. Im Januar entlassen sie die Frau per sofort und zeigen sie zudem an: Die Abklärungen der UPD ergaben, dass sie zu Unrecht einen Doktor- und Professorentitel trug.
5.12.2012: Nach ausgiebiger Untersuchung gibt die Regierung bekannt, es gebe «keine ausreichenden Gründe», um Werner Strik zu entlassen. Er kehrt tags darauf an die Waldau zurück.
29.1.2013: Mit 96 zu 46 Stimmen fordert der Grosse Rat die Regierung auf, an den UPD «sofort die nötigen personellen Konsequenzen» zu ziehen.
22.2.2013: Die Regierung teilt mit, dass sie sich von Mader trennt.

Grosse Änderungen

Nicht nur wegen des Abgangs von Regula Mader stehen die Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) vor enormen Veränderungen. Im März wird der Grosse Rat voraussichtlich beschliessen, die UPD und die anderen, kleineren Psychiatriebetriebe in Aktiengesellschaften auszulagern. Zurzeit sind diese immer noch Teil der Kantonsverwaltung. Neu sollen sie wie die Regionalspitäler von Verwaltungsräten geführt werden und grossen Freiraum erhalten.
Zudem will die Regierung die Führungsstrukturen optimieren, um künftig Konflikte zwischen den Aufgabengebieten der UPD – Lehre und Forschung hier, Versorgung dort – zu verhindern.
Offen ist, wann die Regierung die Chefstelle ausschreibt. Als aussichtsreiche Kandidatin gilt Nicoletta della Valle, welche die UPD seit Maders Erkrankung gemeinsam mit Urs Mosimann führt.

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