Private dürfen Flüchtlinge aufnehmen

Die kantonalen Migrationsbehörden geben grünes Licht für die private Unterbringung von Flüchtlingen. Bereits 50 Bernerinnen und Berner haben sich bereit erklärt, jemanden bei sich aufzunehmen.

Asylsuchende sollen künftig auch in privaten Wohnungen untergebracht werden können.

Asylsuchende sollen künftig auch in privaten Wohnungen untergebracht werden können.

(Bild: Christian Pfander)

Was im Kanton Waadt bereits gemacht wird, soll nun auch im Kanton Bern möglich sein: die private Unterbringung von Flüchtlingen. Wie Radio SRF berichtet, hat das kantonale Amt für Migration die Unterbringung von Asylsuchenden bei Dritten bewilligt.

Die Idee, dass Schweizerinnen und Schweizer Flüchtlinge bei sich zu Hause unterbringen könnten, hatte die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH) letztes Jahr lanciert. Zum einen als Antwort auf den Platzmangel in den Druchgangszentren und zum anderen, um die Integration der Flüchtlinge zu erleichtern.

Vermittelt wird, wer bleiben kann

So ist es auch die Flüchtlingshilfe, die nun Flüchtlinge und private Unterbringer zusammen führt. Wichtig sei dabei, sagt SFH-Sprecher Stefan Frey, dass die Leute zusammenpassten. «Für diese Abklärungen arbeiten wir eng mit den Organisationen zusammen, die die Flüchtlinge aktuell in den Zentren betreuen.»

An einem ersten Treffen könnten sich dann beide Seiten beschnuppern und nach einer Bedenkzeit entscheiden, ob sie sich vorstellen könnten, gemeinsam unter einem Dach zu leben.

Vermittelt werden laut Frey nur Flüchtlinge, die entweder bereits anerkannt oder vorläufig aufgenommen wurden oder die zumindest eine reelle Chance auf einen dauerhaften Aufenthalt in der Schweiz hätten. Kurz, Menschen, die sich hier integrieren sollen. Die Mindestdauer einer solchen privaten Unterbringung beträgt laut Frey ein halbes Jahr.

«Bei unüberbrückbaren Differenzen kann das Engagement auch vorher beendet werden», so Frey. «Wir wollen schliesslich niemanden zum Zusammenleben zwingen.» Um Missverständnisse und Probleme zwischen den Kulturen auszuräumen, begleiten interkulturelle Übersetzer Gastgeber und Gäste.

Kosten trägt der Staat

Die Kosten für die Unterbringung übernimmt auch weiterhin die öffentliche Hand. Die privaten Unterbringer erhalten die gleiche Pauschale, die der Bund einem Kanton für die Unterbringung entrichtet. Für Essen, Hygieneartikel und persönliche Bedürfnisse bekommen die Flüchtlinge ebenfalls eine Pauschale, die ihnen jedoch direkt ausbezahlt wird. «Unter dem Strich kostet die private Unterbringung den Steuerzahler keinen Franken mehr», so Frey.

Im Kanton Waadt erhalten die Flüchtlinge beide Pauschalen direkt ausbezahlt. Sie zahlen ihren privaten Gastgebern entsprechend einem Vertrag Miete. Ein Modell, das sich Frey auch für den Kanton Bern wünscht. «So werden die Flüchtlinge schnell mit den hiesigen Gepflogenheiten vertraut.»

Laut SFH haben sich bisher 50 Personen gemeldet, die jemanden bei sich aufnehmen wollen – so viele wie in keinem anderen Kanton. «Das zeigt, dass die Flüchtlingsthematik viele Menschen berührt.»

Berner Zeitung

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