Politiker beschwören Wandel in der Gesellschaft

Am Tag der Arbeit haben am Mittwoch im Kanton Bern zahlreiche Politikerinnen und Politiker den Wandel in der Gesellschaft beschworen. Das Volk habe genug von Abzockerei und zu Tode gesparten Staaten.

SP-Nationalrat und Gewerkschafter Corrado Pardini geisselte in seiner Rede die FDP und SVP.

SP-Nationalrat und Gewerkschafter Corrado Pardini geisselte in seiner Rede die FDP und SVP.

Am Tag der Arbeit haben am Mittwoch im Kanton Bern zahlreiche Politikerinnen und Politiker den Wandel in der Gesellschaft beschworen. Das Volk habe genug von Abzockerei und zu Tode gesparten Staaten. Gefragt seien mehr denn je Solidarität und Gerechtigkeit.

In Bern versammelten sich mehrere tausend Personen auf dem Bundesplatz. Es sei die Arbeit, die die Schweiz reich gemacht habe und nicht das Kapital, das sich in der Steuerhinterziehung oder in der Rohstoffspekulation verstecke, betonte SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen.

Doch die Lohnschere gehe immer weiter auf. Darum brauche es verbindliche Mindestlöhne. «Wer voll arbeitet, soll vom Lohn auch leben können», forderte Kiener Nellen. Weiter brauche es auch endlich Lohngleichheit für Frauen.

Abrissbirne am Service public

SP-Nationalrat Corrado Pardini geisselte in seiner Rede in Spiez neoliberale Kräfte in der FDP, der SVP und beim Wirtschaftsverband Economiesuisse als «Ewiggestrige» und als «Ahnhänger einer toten Religion».

Ein Blick nach Europa zeige, dass die Bürger dort genug hätten von Austerität, Privatisierung, Abzockerei und Vereinzelung. Vermehrt zusammenstehen und die Probleme gemeinsam lösen, das sei der Wunsch vieler.

Pardini forderte ein stärkeres Engagement für den Werkplatz Schweiz. Der Bundesrat schütze allein den Finanzplatz. Doch nicht die Banken brächten das Land vorwärts, sondern der Werkplatz Schweiz. «Wir sind die Arbeit, wir sind die neue Welt», betonte der Gewerkschafter.

Abhängig und unfrei

SP-Ständerat Hans Stöckli kritisierte in seiner Ansprache in Langenthal «Hors-Sol Manager», die ohne Rücksicht auf Mensch und Natur ihren eigenen Vorteil suchten.

Kurzfristiges Denken an der Börse und in der Politik schüre in der Bevölkerung ein Gefühl des Ausgeliefertseins, das abhängig und unfrei mache.

Nicht spalten lassen

Der Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli appellierte in Thun an den Zusammenhalt. Neoliberale Kräfte versuchten, die Gesellschaft zu spalten, etwa zwischen Ausländern und Schweizern oder zwischen Menschen mit und Menschen ohne Arbeit. «Sagen wir nein zu Spaltung, Hass und Fremdenfeindlichkeit und ja zu Solidariät», sagte Glättli laut Redetext.

Es brauche «den Sinn fürs Ganze», forderte auch die Berner SP-Regierungsrätin Barbara Egger in ihrer Ansprache in Unterseen. Denn in einer Welt, in der jeder zunehmend nur noch für sich selbst schaue, drohten immer mehr Gräben aufzureissen.

«Wer nicht kämpft hat schon verloren»

SP-Nationalrätin Nadine Masshardt ortete in ihrer Ansprache einen gesellschaftlichen Klimawandel. «Immer mehr Menschen nehmen wahr, welche Folgen unser Leben auf grossem Fuss hat», sagte Masshardt laut Redetext. Wandel sei nötig.

Viele Topkader hätten ihre Bezüge erhöht, obwohl es den Firmen schlechter ging. «Uns stört, dass es gleichzeitig Familien gibt, die mit ihrem Lohn nicht über die Runden kommen», sagte Masshardt.

Die Abzockerei einiger Manager, die steigende Ungleichheit bei den Löhnen und schwierige Perspektiven für Industrie-Unternehmen zeigten deutlich: «es braucht den 1. Mai mehr denn je», zeigte sich der bernische Volkswirtschaftsdirektor, SP-Regierungsrat Andreas Rickenbacher, überzeugt.

«Wer nicht kämpft, hat schon verloren», betonte der frühere Schwingerkönig Ernst Schläpfer in seiner Ansprache in Burgdorf.Die überhöhten Löhne auf den Chefetagen seien nur möglich geworden, weil nicht rechtzeitig und entschlossen eingegriffen worden sei. Schweigen sei eben nicht immer Gold, sagte Schläpfer.

cls/sda

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