Perrenoud liess Mader gegen die Wand rennen

Der Bericht des Regierungsrats zum Fall Strik nimmt die Gründe, warum die UPD-Vorsitzende Regula Mader den Psychiatrieprofessor entlassen wollte, schonungslos auseinander.

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Adrian Zurbriggen@hollerazu

Stück für Stück wurde der40-seitige Bericht auseinander genommen. Am Ende bleibt nichts, aber auch gar nichts übrig. Der angeblich unmögliche Werner Strik steht mit reiner Weste da. Nirgends wird das so offenbar wie im Grande Finale des Berichts, wo es um Maders vermeintliches «Killerargument» geht: das zerrüttete Verhältnis zwischen ihr und Strik. Diese Zerrüttung habe ihre Ursache «überwiegend in den zu Unrecht erhobenen Vorwürfen» von Mader. Beinahe schon skandalös liest sich in diesem Zusammenhang, dass die UPD-Chefin Strik mit diesen Vorwürfen erst konfrontierte, als ihr Entscheid, ihn zu entlassen, bereits aktenkundig feststand.

All das macht klar: Für Regula Mader kann es an der Waldau keine Zukunft geben. Aber eigentlich wäre sie bloss ein Bauernopfer. Jenes von Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud. Denn auch das deckt der Bericht auf: Hinter den 2007 einsetzenden Bestrebungen, den seit 1998 an der Waldau tätigen Strik loszuwerden, steckt der 2006 ins Amt gewählte Perrenoud. So repetiert Mader immer wieder die angeblichen Probleme vor ihrem Amtsantritt. In dieser Zeit, von 2008 bis 2010, stellte der Gesundheitsdirektor den Professor unter Sonderbeobachtung: Die damaligen UPD-Chefs mussten Perrenoud Leistung und Verhalten von Strik monatlich rapportieren – ohne dass dieser davon wusste, notabene. Auch das ein Skandal.

Die Hoffnung hinter diesen Big-Brother-Methoden ist klar: Wenn man nur lange genug hinschaut, wird sich schon irgendwann irgendetwas finden. So war es jedoch nicht. Darum musste Mader die Drecksarbeit machen. Sie lehnte sich bereits früh enorm weit aus dem Fenster, als sie öffentlich erklärte, mit Strik könne sie nicht mehr zusammenarbeiten. Wenn man nun sieht, wie wenig Munition sie in Händen hielt, drängt sich ein böser Verdacht auf: Juristin Mader erhielt klare Signale, dass sich die Sache regeln lässt. Eventuell kamen solche Signale auch aus der Uni, ziemlich sicher aber aus der Direktion Perrenoud.

So oder so: Mit Perrenoud als Gesundheitsdirektor scheint ein unbelasteter Neustart in der UPD unmöglich. Ein Direktionswechsel wäre die mindeste Konsequenz, die Philippe Perrenoud aus diesem, seinem ganz persönlichen Waterloo ziehen sollte.

adrian.zurbriggen@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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