Pädophiler wehrt sich gegen Verwahrung

Ein Pädophiler bleibt bis auf weiteres in ­Sicherheitshaft. Die Behörden wollen ihn ­verwahren, weil die ­Therapie aussichtslos sei. Zurzeit laufen gleich zwei ­Beschwerdeverfahren.

Das Obergericht kennt keine Gnade mit einem verurteilten Pädophilen. Seit Mitte März befindet sich der gut 40-jährige Mann nun in Sicherheitshaft. Und dort bleibt er mindestens bis nächsten Januar. So wollen es die Bewährungs- und Vollzugsdienste des Kantons Bern (BVD). So sieht es auch das oberste Gericht des Kantons. Es gebe keine mildere Massnahme als die Sicherheitshaft, um die nach wie vor als «hoch einzustufende Wiederholungsgefahr zureichend bannen zu können», heisst es im neuesten Urteil.

Wiederholungstäter

Rückblende: Das Kreisgericht Burgdorf-Fraubrunnen hatte den einschlägig vorbestraften Mann im Mai 2008 wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern sowie Pornografie zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Diese wurde zugunsten einer stationären Therapie aufgeschoben. Zuletzt verlängerte das Obergericht diese Massnahme bis zum 12. März 2018. Kurz vor diesem Termin entschieden die BVD, dass die Therapie wegen Aussichtslosigkeit beendet und eine Verwahrung beantragt werden soll. Seither beschäftigen sich die Behörden und Gerichte mit ­Beschwerden des Verurteilten.

In diesen Eingaben geht es zum einen um die Sicherheitshaft, zum anderen um den Abbruch der Therapie. Die Haft sei nicht mehr verhältnismässig und verletze das Beschleunigungsgebot, argumentiert sein Verteidiger. Denn bisher hätten die BVD beim zuständigen Gericht noch keine Verwahrung beantragt. So sei auch kein zweites Gutachten in Auftrag gegeben worden. Er verlangt, dass sein Mandant bis zum Abschluss des Verfahrens zurück in den Massnahmenvollzug versetzt oder gar aus der Haft entlassen werde.

Langes Vakuum

Das Obergericht hat Verständnis für die Situation des Mannes. Die Verwahrung könne aber erst ­be­antragt werden, wenn die Aufhebung der stationären Therapie rechtskräftig sei: «Dadurch kann ein sehr langes Vakuum entstehen, in dem sich eine Person in ­Sicherheitshaft befindet.» Aber das Gericht macht dem Pädophilen nicht sonderlich viel Hoffnung. Es sei von einer Untherapierbarkeit auszugehen. Die Wahrscheinlichkeit einer Verwahrung müsse aufgrund der «qualifizierten Gefährlichkeit als erheblich» bezeichnet werden. Deshalb komme eine Versetzung zurück in den Massnahmenvollzug mit Therapie nicht in Betracht.

Der Verteidiger des Mannes hat gegen die Verlängerung der Sicherheitshaft beim Bundes­gericht eine Beschwerde eingereicht. Das Verfahren um den ­Abbruch der Therapie ist beim Obergericht hängig.

Berner Zeitung

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