Nur noch halb so viele Stunden für Medien

Das künftige Fach ICT an der Volksschule schrumpft. Nachdem die Kantone Kritik übten, die Vorgaben seien unrealistisch, sind noch knapp halb so viele Lektionen für Medien und Informatik (ICT) vorgesehen.

Der Fachbereich Informatik und Medien soll erst ab der fünften Klasse in eigenen Lektionen thematisiert werden.

Der Fachbereich Informatik und Medien soll erst ab der fünften Klasse in eigenen Lektionen thematisiert werden. Bild: Fotolia

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Medien- und Informatikkenntnisse gehören heute unbestritten zum Bildungsrucksack eines Jugendlichen. Die Frage, wie viel davon an der Volksschule vermittelt werden soll, führte im Rahmen des neuen Lehrplans für alle 21Deutschschweizer Kantone zu einer Kontroverse. Einige Kantone mahnten, die Lehrplanautoren seien zu ambitiös. Die einst zugrunde gelegten Lektionen wurden nun zusammengestrichen. Gegenüber der ersten Fassung sind noch knapp halb so viele vorgesehen, wie dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Arbeitsgruppe Medien und Informatik (ICT) zu entnehmen ist.

9 Millionen Franken Mehrkosten

Die extra dafür eingesetzte Arbeitsgruppe kam zu folgenden Schlüssen: Der Fachbereich Informatik und Medien soll in der Unterstufe in den normalen Unterricht integriert und erst ab der fünften Klasse in eigenen Lektionen thematisiert werden. Anwendungen, also beispielsweise die Nutzung des Programms Excel, sollen in anderen Fächern geübt werden. Medienpädagogik und klassische Informatik (beispielsweise das Programmieren) werden dagegen in eigenen Gefässen stattfinden. Laut Christoph Mylaeus, Geschäftsführer der Erziehungsdirektorenkonferenz der Deutschschweizer Kantone (D-EDK), kann dies in Projektwochen oder in Wochenlektionen geschehen. «Die konkrete Ausgestaltung ist Sache der Kantone.»

Sowohl im Kanton Zürich wie im Kanton Bern kommen die Neuerungen gut an. Erwin Sommer, Vorsteher des bernischen Amts für Kindergarten, Volksschule und Beratung, begrüsst die Aufteilung in den Anwendungsbereich und den Bereich Medienpädagogik und Informatik. Die vier von der Arbeitsgruppe vorgeschlagenen Jahreslektionen seien in der Stundentafel vorgesehen. Den definitiven Entscheid dazu fälle das Parlament Ende Jahr. Die Mehrkosten für die ICT-Lektionen belaufen sich auf 9 Millionen Franken pro Jahr (Kanton und Gemeinden). Die Kosten für Lehrmittel und Infrastruktur müssen im Kanton Bern die Gemeinden tragen. 17 Gemeinden hätten sich bereits besorgt an den Kanton gewandt. Man werde mit ihnen das Gespräch suchen, so Sommer.

Knackpunkt Lehrmittel

In Zürich lassen sich die Kosten noch nicht beziffern, wie Martin Wendelspiess, Chef des Zürcher Volksschulamtes, auf Anfrage schreibt. Das Projekt zur Umsetzung des Lehrplans 21 sei erst Anfang Jahr gestartet worden. Dass Informatik nun einen eigenen Kompetenzbereich darstelle und Zuständigkeiten klarer geregelt würden, werde die Umsetzung erleichtern. Knackpunkte für einen erfolgreichen ICT-Unterricht werden die Ausbildung der Lehrpersonen, die technische Ausstattung der Schulen und das Lehrmittel sein. Letzteres soll in Zusammenarbeit hergestellt werden, wie die Arbeitsgruppe ICT vorschlägt. Derzeit befänden sich erst sehr wenige spezifische Lehrmittel auf dem Markt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.04.2015, 08:28 Uhr

Gemeinsamer Kompass

Was in der Romandie bereits Tatsache ist, soll nun auch in der Deutschschweiz Einzug halten: ein gemeinsamer Kompass für die Volksschule. Der sogenannte Lehrplan 21 koordiniert die Lerninhalte. Die Bildungshoheit verbleibt aber bei den Kantonen. Diese entscheiden über die Einführung des Lehrplans 21.

Insbesondere obliegt es auch ihnen, wie viel sie für Weiterbildung, Lehrmittel und zusätzliche Lektionen investieren wollen.
Das Projekt Lehrplan 21 erzeugte eine Kontroverse. Er sei praxisfern und überladen, war etwa zu hören. Auch das auf Kompetenzen basierende Konzept wurde kritisiert. Insgesamt wurden der Aufbau und die Absicht für eine Harmonisierung positiv gewürdigt (wir berichteten). Die im Herbst von den Erziehungsdirektoren der beteiligten 21 Kantone verabschiedete Fassung ist gegenüber dem Entwurf um 20 Prozent gekürzt, stofflich entschlackt und verständlicher formuliert worden. Einige Kantone führen den Lehrplan 21 schon auf nächstes Schuljahr ein. Der Kanton Zürich folgt frühestens auf das Schuljahr 2017/2018, der Kanton Bern lässt sich noch ein Jahr mehr Zeit dafür.cab

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