Nur Uni Bern bietet Soziolinguistik an

Die Uni Bern bietet seit einem Jahr ein Masterprogramm in Soziolinguistik an. Diese Studiendisziplin ist einzigartig im gesamten deutschsprachigen Raum.

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Der Studiengang steckt noch in den Kinderschuhen: Vor einem Jahr haben die ersten Studenten der Universität Bern ihre Ausbildung zu Soziolinguisten begonnen. Nachdem der Masterstudiengang diesen Herbst ins zweite Jahr gestartet ist, sind es acht Personen, die am Center for the Study of Language and Society Soziolinguistik studieren.

Sprache und Gesellschaft

Tatsächlich ist die Universität Bern die einzige Hochschule im gesamten deutschsprachigen Raum, die einen Master in Soziolinguistik anbietet. Erstaunlich, denn die Disziplin beschäftigt sich mit einem sehr alltäglichen Phänomen: Mit dem Verhältnis von Sprache und Gesellschaft. «Grob gesagt, untersuchen Soziolinguisten, welche Faktoren unsere Art zu sprechen beeinflussen», erklärt Constanze Vorwerg. Die Professorin für Psycholinguistik leitet das Forschungszentrum «Center for the Study of Language and Society» (CSLS) an der Universität Bern. Das Alter, die soziale Schicht des Sprechers oder der Gesprächspartner könnten solche Faktoren darstellen.

Dialekt und Standardsprache

Ein aktuelles Beispiel, das Soziolinguisten beschäftige und das derzeit in den Medien diskutiert werde, sei die mediale Diglossie in der Deutschschweiz, erklärt Vorwerg. «Die mediale Diglossie in der Schweiz ist die Tatsache, dass Deutschschweizer, wenn sie sprechen, meist Dialekt verwenden. Wenn sie hingegen schreiben, verwenden sie Standardsprache.» Der Soziolinguist stelle sich beispielsweise die Frage, ob Deutschschweizer zweisprachig seien, weil sie Dialekt und Standard brauchen. Ein weiteres Forschungsfeld, das bereits seit den Anfängen der Soziolinguistik rege untersucht wird, ist dasjenige der Jugendsprachen.

Sechs Institute sind beteiligt

Soziolinguistik ist ein interdisziplinäres Gebiet. «Die Themen überlappen beispielsweise mit der Kommunikationswissenschaft, der Psychologie oder der Sozialanthropologie», erklärt Professorin Vorwerg. Der Berner Studiengang wird vom «Center for the Study of Language and Society» angeboten, an welchem sechs verschiedene Institute der Philosophisch-historischen Fakultät der Universität Bern beteiligt sind: Die Institute der Sprachwissenschaft, der Germanistik, der Englischen Sprache und Literaturen, der Slavischen Sprachen und Literaturen sowie das italienische und das französische Institut. Die Studenten stellen sich ihre Kurse aus dem Angebot der Institute selber zusammen.

Was nach dem Studium?

Die Bernerin Maria Hofmann (23) war die erste Studentin, die sich für den Masterstudiengang eingeschrieben hatte. «Für mich war ausschlaggebend, dass ich meine Kurse an verschiedenen Instituten belegen kann», sagt Hofmann. Es sei wichtig für Sprachwissenschaftler, sich anderen Disziplinen gegenüber nicht zu verschliessen: «Sprache sollte man nicht isoliert von der Gesellschaft betrachten.»

Welche Berufsmöglichkeiten sich Soziolinguisten eröffnen, kann Professorin Constanze Vorwerg angesichts der noch jungen Berner Disziplin nur allgemein formulieren. Viele Soziolinguisten seien in der Forschung tätig, sagt die Direktorin. Und: «Die Medien sowie politische Bereiche sind sicherlich ebenfalls mögliche Arbeitsfelder.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.11.2010, 08:35 Uhr

Soziolinguistik

Die Soziolinguistik ist ein Teilgebiet der Sprachwissenschaft (Linguistik). Sie beschäftigt sich mit der wechselseitigen Beeinflussung von Sprache und Gesellschaft. Die Ursprünge dieser Disziplin liegen in den 1950er-Jahren in den USA. In Bern wurden bereits in den 40er-Jahren soziolinguistische Themen untersucht: Heinrich Baumgartner analysierte die berndeutsche Sprache und stellte Unterschiede zwischen einer «sprachlichen Ober- und einer sprachlichen Unterschicht» fest.

Constanze Vorwerg, Professorin an der Uni Bern. (Bild: Urs Baumann)

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