Nicht alle Minderjährigen sind minderjährig

Unbegleitete minderjährige Asylbewerber UMA kosten den Kanton Bern bis 2019 über 100 Millionen Franken. Befürworter des Kredits sagen, es gehe um Kinder. Die Gegner bestreiten dies. Hier die Fakten.

Alter und Herkunft der Berner UMA.

Alter und Herkunft der Berner UMA.

Der Asylkredit war eines der Geschäfte, die in der Septembersession des Grossen Rates zu reden gaben: Die Polizeidirektion beantragte dem Parlament 105 Millionen Franken für 2016 bis 2019.

Über 100 Millionen davon für die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbern, die sogenannten UMA. Zwar kommt der Bund fürs Asylwesen auf. Weil der Kanton Bern die UMA jedoch gesondert unterbringt, reichen die insgesamt 181 Millionen Franken nicht, die der Kanton vom Bund allein für 2016 bekommt.

Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) verteidigte den Kredit: Die Unterbringung der unbegleiteten Minderjährigen sei keine Luxuslösung, sondern entspreche dem Kindswohl. Zudem mache es Sinn, die Integration voranzutreiben, «denn die UMA werden bei uns bleiben».

Im Rat rannte er damit offene Türen ein: Die meisten Fraktionen stimmten dem Kredit zu. SVP und EDU wehrten sich als einzige gegen die «Luxuslösung». Unter anderem mit der Begründung, dass es sich bei vielen UMA nicht um Kinder sondern um 17-Jährige handle.

Nicht alle dürfen bleiben

Dem widersprach Polizeidirektor Käser und zitierte als Beweis aus der Statistik – allerdings ohne zu sagen, wie viele der insgesamt 490 UMA 17 Jahre alt sind. Wie die dieser Zeitung vorliegende Statistik zeigt, sind es 197, die meisten von ihnen sind Eritreer oder Afghanen. 17 der gesondert untergebrachten Asylbewerber sind volljährig, einer von ihnen ist sogar 20 Jahre alt.

Laut dem kantonalen Migrationsamt (MIP) sind 14 der UMA kürzlich 18 geworden. Der Übergang zur Volljährigkeit müsse gut begleitet werden, so MIP-Chef Markus Aeschlimann. Zudem seien Anschlusslösungen wichtig. Für Volljährige gelte der Erwachsenentarif. Der 20-Jährige sei ein Einzelfall, er sei der Bruder eines 13-Jährigen, für den die Organisation zuständig sei.

Nicht jeder UMA darf bleiben. Wie die NZZ berichtet, hat der Bund die Praxis geändert und minderjährige Eritreer ausgewiesen. Laut dem MIP sind sieben der UMA ausreisepflichtig – wohin, ist aus Datenschutzgründen geheim.

Berner Zeitung

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