Neues Buch soll Schicksal von Berner Verdingkindern beleuchten

Eine neue Studie bringt Licht in ein dunkles Kapitel der Berner Geschichte: Juristen, Historiker und Soziologen haben an der Universität Basel gemeinsam das Schicksal von Verdingkindern in einigen bernischen Gemeinden erforscht.

Verdingkinder: Ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Kantons Bern wird aufgearbeitet.

Verdingkinder: Ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Kantons Bern wird aufgearbeitet.

(Bild: zvg)

Das Buch «Die Behörde beschliesst ... zum Wohle des Kindes?» wurde am Dienstag im Rathaus vom Berner Justizdirektor Christoph Neuhaus präsentiert. Denn das Werk, das 33'000 Franken kostete, entstand mit Unterstützung des Kantons Bern. Der Grosse Rat hatte 2006 zwei Vorstösse überwiesen, welche die Aufarbeitung der Geschichte der Verdingkinder verlangten. In der Folge gab der Regierungsrat eine Studie über die Fremdplatzierungspraxis im Kanton Bern in Auftrag.

«Das Buch zeigt eindrücklich, dass bei einer Fremdplatzierung häufig nicht das Wohl des Kindes, sondern finanzielle Aspekte im Vordergrund standen», sagte Neuhaus gemäss Redetext an der Vernissage. «Den Autoren ist es gelungen, wirtschaftliche, gesellschaftliche und rechtliche Abhängigkeiten aufzuzeigen.»

Tausende Kinder betroffen

Mit der Buchpublikation wolle die bernische Regierung ihr Bedauern über das geschehene Unrecht zum Ausdruck bringen, sagte Neuhaus. Zudem werde so eine Auseinandersetzung über das Thema in der Öffentlichkeit möglich.

Im 19. und 20. Jahrhundert waren in der Schweiz Tausende von Kindern fremdplatziert worden. Es war üblich und stand im Einklang mit der Rechtsordnung, armen Familien die Kinder wegzunehmen und sie gegen Arbeitsleistung bei einer anderen Familie unterzubringen. Häufig waren sie dabei behördlicher Willkür und lieblosen, hartherzigen Pflegeeltern ausgesetzt.

tan/sda

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