Neues Anflugregime für Bern-Belp erhitzt weiter die Gemüter

Gross ist er nicht, der Flughafen der Bundesstadt Bern in Belp - aber doch gross genug, um regelmässig die Gemüter zu erhitzen.

Bern-Belp im Zentrum des Interesses - aus welcher Richtung werden künftig die Flugzeuge landen?

Bern-Belp im Zentrum des Interesses - aus welcher Richtung werden künftig die Flugzeuge landen?

(Bild: Keystone)

Dass der kleine Flughafen Bern-Belp von grossem Interesse ist, zeigt auch die jüngste Kontroverse, die sich um die geplante Einführung eines satellitengestützten Anflugverfahrens aus Süden dreht.

Fluggegner und Hobbyflieger, lärmgeplagte Anwohner und Ballonfahrer, Gemeinden und Private stehen dem Projekt skeptisch bis ablehnend gegenüber. Mehr als 200 Einsprachen sind beim Bundesamt für Zivillufttfahrt (Bazl) eingegangen. Für Kloten-Verhältnisse mag das eine bescheidene Zahl sein, für Bern ist sie doch bemerkenswert.

Denn der «Flughafen Bern», wie er offiziell heisst, ist eigentlich nur ein Regionalflugplatz, einer von elf in der Schweiz. Er liegt sechs Kilometer südöstlich von Bern, im ländlichen Belp. Der «Airport Bus» ist gleichzeitig eine Art Belper Ortsbus.

Die Welt im einst von Patent Ochsner besungenen «Belpmoos» ist überschaubar. Es gibt eine befestigte Start- und Landebahn sowie zwei Graspisten. Das Bundesratsflugzeug hebt vom «Mösli» ab, die Rega hat hier eine Basis. Mehrere Fluggesellschaften - allen voran die Skywork - befördern Ferienreisende und Geschäftsleute.

Die Obergrenze von 75'000 Starts und Landungen pro Jahr wird aber bei weitem nicht ausgeschöpft. Zuletzt waren es jeweils etwa 60'000 Flugbewegungen, und dabei könnte es auch bleiben. Die Betreibergesellschaft Alpar beteuert jedenfalls, Bern-Belp solle gar nicht wachsen - der Flughafen müsse sich nur «entwickeln» können.

Zwei Projekte hat die Alpar zurzeit am Start. Zum einen ist dies die sogenannte 4. Ausbauetappe, die den Bodenverkehr entflechten soll. Kritiker vermuten, der Flughafen wolle eben doch expandieren.

Kürzer und wettersicherer

Zum andern legte der Bund Anfang Jahr das Gesuch für ein satellitengestütztes Anflugverfahren aus dem Süden auf. Das neue Verfahren soll ab 2015 oder 2016 die Möglichkeit von kürzeren, umweltverträglicheren Anflügen aus südlicher Richtung schaffen.

Die Alpar verspricht sich auch eine bessere Erreichbarkeit des Flughafens bei schlechtem Wetter. Zugleich würden im Norden die Stadt Bern und der Vorort Muri von Fluglärm entlastet.

Kein Wunder, hat die Berner Stadtregierung die Pläne umgehend begrüsst. Wenig Begeisterung ist dagegen im Aaretal zu spüren. Die Gemeinden südlich von Belp befürchten zusätzlichen Fluglärm.

Zwar beteuert die Alpar, es gehe bloss um durchschnittlich acht bis zehn Landungen pro Tag. Das glauben aber nicht alle. Und letztlich sei es eine Frage der subjektiven Wahrnehmung, sagte der Gemeindepräsident von Wichtrach im «Bund»: «Wenn ich im Garten sitze und mich ein Flugzeug stört, interessiert mich das Jahresmittel wenig.»

Vorschläge der Hobbyflieger

Die Opposition gegen das neue Anflugverfahren stammt nicht nur von Einwohnern im Aaretal, der Region Thun und dem Gürbetal. Umweltschützer wehren sich ebenfalls, die kantonale Vereinigung gegen Fluglärm sowieso - und dazu kommt der Aero Club der Schweiz.

Segel- und Motorflugzeuge, Ballone und Hängegleiter seien stark betroffen, wenn die Kontrollzone des Flughafens bis nach Thun ausgedehnt werde. Die Hobbyflieger zeigen sich immerhin gesprächsbereit und machen Vorschläge, wie die Luftraumgestaltung «erträglich konzipiert werden könnte».

Der Ball liegt nun beim Bund. Ein Entscheid ist frühestens in einigen Monaten zu erwarten.

Viele Versuche

Inwiefern die Befürchtungen berechtigt sind, dass Bern-Belp wesentlich wachsen könnte, wird sich zeigen. Die Diskussion wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder geführt. Doch reich wurde im Belpmoos noch niemand.

Immer wieder versuchten Linienfluggesellschaften ihr Glück, immer wieder scheiterten sie - wer erinnert sich noch an Danair, Air Engiadina, Swisswings, Intersky, Cirrus Airlines oder die Darwin Airline?

Zurzeit hat bekanntlich die Skywork ihren Heimatflughafen in Belp. Doch auch diese Airline hat ihre Expansionsphase schon hinter sich. Zurzeit übt sie sich in der Kunst der Gesundschrumpfung - mit ungewissem Ausgang.

sda

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