Neuer Lötschberg-Tunnel kostet mehr, als er nützt

Der messbare Nutzen des neuen Lötschberg-Basistunnels ist klar geringer als die jährlichen Kosten: Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie. Sie hält zudem fest, die befürchteten Nachteile für das Kandertal seien nicht eingetreten. Und sie rät den Urnern, das Kandertal nachzuahmen.

Das Kandertal leidet nicht - das Wallis profitiert: Dieses Fazit zieht eine Studie zum Lötschberg-Basistunnel.

Das Kandertal leidet nicht - das Wallis profitiert: Dieses Fazit zieht eine Studie zum Lötschberg-Basistunnel.

(Bild: Markus Hubacher)

Es ist inzwischen 20 Jahre her, dass man noch ernsthaft davon ausging, die Neat könne dereinst rentabel betrieben werden. Diese Haltung vertrat der damalige Verkehrsminister Adolf Ogi in der ersten Neat-Abstimmung 1992. Seither ist dieser Optimismus mehrfach korrigiert worden. Auch die Berechnungen zu den volkswirtschaftlichen Nutzen und Kosten der Basistunnel am Gotthard und Lötschberg fielen ernüchternd aus. Was aber nicht heisst, die Tunnels seien nutzlos. Die NZZ prägte dazu die hübsche Formel, die Neat sei «nicht rentabel, aber nützlich».

Unter dieses Motto liesse sich auch eine neue Studie stellen, in der ein externes Büro im Auftrag des Bundes sowie der Kantone Wallis und Bern die Auswirkungen des Lötschberg-Basistunnels untersucht hat. Die Arbeit umfasst auch einen Vergleich von Kosten und Nutzen des 2007 eröffneten Tunnels: Während die Kosten (Investition, Betrieb, Unterhalt) auf 151 Millionen Franken im Jahr veranschlagt werden, liege der messbare Nutzen bei 88 Millionen im Jahr.

Massiv mehr Passagiere

Die Autoren betonen, der Nutzen sei nicht vollständig erfasst; insbesondere fehlen allfällige positive Effekte auf die regionale Wertschöpfung sowie die tieferen Betriebs- und Energiekosten der Bahnunternehmen dank des neuen, flachen Tunnels. Der gemessene Nutzen besteht zum grössten Teil aus dem Fahrzeitgewinn der Bahnpassagiere.

In anderen Punkten kommt die Studie zu erfreulicheren Ergebnissen. Insbesondere nahmen die Passagierzahlen auf der Lötschberg-Achse massiv zu: 2007 waren auf der alten Bergstrecke durchschnittlich 7600 Personen am Tag unterwegs. 2011 waren es 13'200 Personen am Tag (Basistunnel und Bergstrecke zusammen). Das entspricht einer Steigerung um fast 75 Prozent.

Erfreulich ist auch, dass laut der Studie die im Vorfeld befürchteten negativen Folgen für das Kandertal, das mit dem Basistunnel «umfahren» wird, offenbar ausblieben. Ein Rückgang der Gästefrequenzen im Oberland «konnte nicht beobachtet werden», so die Autoren. Sie führen dies darauf zurück, dass im Kandertal das Marketing gezielt verstärkt worden sei: Als Beispiele nennen sie das Tropenhaus Frutigen sowie die Nostalgiewochen in Kandersteg. Die Autoren raten nun dem Kanton Uri, dem wegen des Gotthard-Basistunnels auch ein «Erreichbarkeitsverlust» blüht, das Kandertal als Vorbild zu nehmen und sich «mit aktiven Massnahmen» zu wappnen.

Allerdings tönen die Autoren an, dass das Berner Oberland vielleicht doch gewisse Nachteile in Kauf nehmen muss: Im Tagestourismus gebe es Hinweise darauf, dass Skitouristen vermehrt ins Wallis statt ins Oberland reisen. Dass das Wallis der grosse Profiteur des neuen Lötschberg-tunnels ist, steht sowieso fest: Die Studie rechnet vor, dass der Kanton Wallis vor allem mehr Touristen anziehen konnte.

Berner Zeitung

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