Neue Vorwürfe zum AKW Mühleberg

Atomenergie Fokus Anti-Atom fordert, das AKW Mühleberg sei sofort ausser Betrieb zu nehmen, damit die Risse im Kernmantel überprüft werden können.

Fokus Anti-Atom fordert, die Risse im Kernmantel des AKW Mühleberg zu überprüfen. Dazu müsste das AKW abgeschaltet werden.

Fokus Anti-Atom fordert, die Risse im Kernmantel des AKW Mühleberg zu überprüfen. Dazu müsste das AKW abgeschaltet werden.

Die Berner Anti-Atom-Organisation Fokus Anti-Atom hat im Zusammenhang mit dem rissigen Kernmantel des Kernkraftwerks Mühleberg neue Vorwürfe erhoben. BKW und Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI wüssten schon lange um das Phänomen der dieses Jahr in Mühleberg neu entdeckten Schweissnahtanrisse.

Dass in Kernmänteln von Atomkraftwerken solche atypischen, ins Grundmaterial des Mantels reichende vertikalen Risse aufträten, sei schon seit 2008 bekannt und nicht erst seit Kurzem. Das schreibt Fokus Anti-Atom gestützt auf eine eigene Untersuchung in einer Medienmitteilung vom Donnerstag.

In den USA seien mehrere Atomkraftwerke von solchen Rissen betroffen. ENSI und BKW hätten sechs Jahre lang nicht auf diese Befunde reagiert und zugewartet. Das Kernkraftwerk Mühleberg müsse sofort ausser Betrieb genommen werden, damit der Kernmantel vollständig ausgemessen, also auf seine Integrität geprüft werden könne.

Es sei «Augenwischerei», wenn die BKW dem ENSI ein Instandhaltungskonzept für das Mühleberger Kernkraftwerk einreiche, ohne den Kernmantelstahl grundlegend zu verbessern.

ENSI: Seit 2011 bekannt

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat sagte auf Anfrage, die Berner Organisation stütze ihre Aussage auf Risse, die gerade nicht neuartig seien. Vielmehr handle es sich bei den Rissen in dem von Fokus Anti-Atom erwähnten US-amerikanischen Kernkraftwerk Hatch-1 um Risse längs der Vertikalnaht.

Die neuartigen Risse quer zur Schweissnaht seien dem ENSI seit 2011 bekannt. Im vergangenen Jahr seien diese Risse auf internationaler Ebene von Fachgruppen diskutiert worden.

Auf diese Sitzungen habe das Kernkraftwerk Mühleberg sofort reagiert und bei der Revision der Anlage im Sommer 2014 Sonderprüfungen durchgeführt. Als bei dieser Revision auch in Mühleberg Querrisse festgestellt worden seien, habe das ENSI eine Anpassung des Instandhaltungskonzepts verlangt.

Die Querrisse stellen für das ENSI «in der Regel keine Gefährdung der Strukturintegrität dar». Es will im Januar Stellung nehmen zum ergänzten Instandhaltungskonzept der BKW für den Betrieb des Kernkraftwerks Mühleberg.

BKW: Sicherheit gewährleistet

Die BKW wiederholte am Donnerstag auf Anfrage eine bereits früher gemachte Aussage, wonach die neu entdeckte Risse sowohl im Normalbetrieb als auch in einem Störfall keine Auswirkungen auf die Sicherheit der Mühleberger Anlage haben.

Das Instandhaltungskonzept der BKW zeige geeignete Massnahmen auf, um die Strukturintegrität des Mühleberger Kernmantels über 2019 hinaus nachzuweisen.

Abschliessende Aussagen zum Fehlertyp der neuartigen Risse könne heute niemand machen, schreibt die BKW in einer Stellungnahme. Zurzeit werteten internationale Fachkreise die Datenlage aus. «Gesicherte und dokumentierte Ergebnisse anhand von Materialuntersuchungen in den USA sind nicht vor Ende 2015 zu erwarten.»

tag/sda

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