Nachtleben in der Kirche

In vielen Berner Kirchen wird die Nacht auf Samstag lang: Ein vielfältiges Programm soll zeigen, wie lebendig Religion heute sein kann.

Auch die Kirche Bümpliz öffnet am Freitagabend ihre Türen.

Auch die Kirche Bümpliz öffnet am Freitagabend ihre Türen. Bild: Urs Baumann

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Am heutigen Freitagabend machen im ganzen Kanton die Kirchen ihre Türen auf. Sie laden ein zu einer, wie sie es nennen, «Langen Nacht der Kirchen». Eine Bewegung, die vor Jahren in Österreich und Ungarn ihren Anfang genommen hat, fasst auch hierzulande Fuss. Nach der Premiere im Aargau vor zwei Jahren macht heuer erstmals auch Bern mit – mit 500 Anlässen in 120 Kirchen.

Vom frühen Abend bis tief in die Nacht wird in ganz klassischer Art gesungen und musiziert. Es gibt Andachten und überall auch Raum für Begegnungen bei Speis und Trank. Leute, die das Ungewöhnliche suchen, sollen ebenfalls auf ihre Rechnung kommen. Sie machen bei einem Kirchenkrimi mit, versuchen sich gemeinsam mit anderen aus einem verschlossenen Raum zu befreien oder lassen sich gar auf das Experiment ein, in einer Kirche zu übernachten.

Die Kirchen öffnen sich – buchstäblich. Hans Martin Schaer als Sprecher der reformierten Landeskirche formuliert es so: «Motto und oberstes Ziel ist Gastfreundlichkeit. Es geht im Prinzip darum, die Tradition der offenen Kirchentüren fort­zusetzen. Diese symbolisieren einen offenen Glauben, der einlädt und nicht ausschliesst.»

Dumm nur, dass diese Botschaft in der Bevölkerung einen immer schwereren Stand hat. Weil es heute nicht mehr selbstverständlich ist, einer Landeskirche anzugehören, kämpfen gerade die Reformierten im Kanton Bern mit schwindenden Mitgliederzahlen. Schaer sagt dazu, die Lange Nacht der Kirchen wolle sicher ein möglichst breites Publikum ansprechen. «Wenn es damit gelingt, auch bei kirchenfernen Personen Sympathie zu wecken, werten wir dies als Erfolg.» Aber: «Als Massnahme gegen den Mitgliederrückgang ist die Lange Nacht kaum geeignet.»

Ziel sei es vielmehr, mit dem bunten Programm die Vielfalt der Kirche sichtbar zu machen. Und gleichzeitig zu zeigen, wie tief sie im Alltag verwurzelt sei.

Der Bogen zur Vision

Es ist nicht das erste Mal, dass die Berner Reformierten zu neuen Ufern aufbrechen. Sie taten dies in ähnlicher Art bereits im letzten Herbst. Statt wie jetzt an vielen Orten feierten sie damals zentral in der Stadt Bern mit dem Münster als ihrem religiösen Zentrum: Unter dem Titel «Doppelpunkt 21» feierten sie die neuen Leitsätze, mit denen die Kirche ins 21. Jahrhundert gehen will. Sie waren in einem aufwendigen Prozess erarbeitet worden und sollen ihr ein zeitgemässes, auch für kirchenferne Leute attraktives Profil verleihen.

Inhaltlich hingen die beiden Feste sehr wohl zusammen, bestätigt Sprecher Schaer. Hier wie dort besinne sich die Kirche auf das, was sie im Innersten sei. Einzelne Kirchgemeinden machten zudem die Leitsätze in der Langen Nacht zum Thema. Dies sei aber nicht Pflicht – Schaer redet davon, dass das Umsetzen der Vision ein langer Prozess sei. So viel steht bereits fest: Der Reformationssonntag Anfang November wird zum Visionssonntag und ist in den nächsten Jahren jeweils einem Leitsatz gewidmet. Zudem soll das Kirchenparlament Stellenprozente für einen Visionsbotschafter sprechen.

Den Leitsätzen widmet sich auch ein Buch: Der Stämpfli-Verlag hat eine Sammlung der Predigten herausgegeben, die am Fest im letzten Herbst gehalten worden sind.


Langenachtderkirchen.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.05.2018, 08:28 Uhr

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