Mehr Platz für die Aare

Der Kanton unternimmt einen zweiten Anlauf für den Hochwasserschutz im Aaretal. Zwischen Belp und Wichtrach soll die Aare verbreitert werden.

<b>Solche Szenarien sollen</b> künftig verhindert werden: 2005 stand der Flughafen Bern-Belp unter Wasser (Archivbild).

Solche Szenarien sollen künftig verhindert werden: 2005 stand der Flughafen Bern-Belp unter Wasser (Archivbild). Bild: Iris Andermatt

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Die Schützenfahrbrücke ist für die Münsinger, was der Schönausteg für die Berner ist: Hier schauen sie den Gummiböötlern auf der Aare zu, hier springen sie in den Fluss. Im Sommer also verspricht die Brücke viel Spass.

Doch das Bauwerk birgt auch die Gefahr für Hochwasser. «Sie ist zu tief und hat zwei Mittel­pfeiler», sagt der stellvertreten­de Kreisoberingenieur Thomas Wüthrich. Immer wieder bleibe Holz hängen, was zu einem Rückstau führen könne. «Und es ist möglich, dass die Brücke einmal kaputtgeht.»

Um den Hochwasserschutz zu verstärken, will der Kanton die Schützenfahrbrücke abreissen und durch einen Neubau ersetzen. Ob die neue Brücke ohne Pfeiler auskommt, ist noch unklar, denn die Brücke gelte aus denkmalpflegerischer Sicht als erhaltenswert, sagt Wüthrich. «Ideal wäre es aber schon.»

Monsterprojekt wurde gestoppt

Der Ersatz der Schützenfahrbrücke ist Bestandteil des Hochwasserschutzprojekts Obere Belpau, welches der Kanton nun an die Hand nehmen will. Zusammen mit dem zweiten Schutzprojekt im Gebiet Thalgut-Chesselau bildet es den Auftakt zu einem umfassenden Hochwasserschutz im Aaretal, den der Kanton nun in einem zweiten Anlauf realisieren will.

Der erste Anlauf wurde vor einem Jahr gestoppt. Der Regierungsrat beerdigte das Monsterprojekt Aarewasser, das aus 24 einzelnen Massnahmen bestanden hatte. Nach zehn Jahren waren erst 2 Massnahmen umgesetzt worden, jene bei der Gürbe-Mündung in Kehrsatz und in der Hunzigenau in Rubigen.

Grösster Handlungsbedarf in der Belpau

An den Schutzzielen ändert sich allerdings nichts, sie sollen nun einfach mit kleineren Einzelprojekten verwirklicht werden wie zum Beispiel jenem in der oberen Belpau. Auf der Belper Seite sei das Hochwasserschutzdefizit am grössten, sagt Wüthrich. «Der Damm ist zu niedrig.» In den Jahren 1999 und 2005 hatte dies zu Überschwemmungen im Belpmoos geführt. Auch auf der gegenüberliegenden Münsinger Seite sind Massnahmen nötig, insbesondere auf dem Abschnitt zwischen Schwimmbad und Autobahnraststätte.

Beim zweiten Projekt im Gebiet Thalgut-Chesselau stellen teilweise zerstörte Uferschutzbauten ein Problem dar, was zu einer Bedrohung für Trinkwasserleitungen und die Autobahn führen könnte. «Wir wollen hier der Aare mehr Platz geben mit dem Ziel, dass die Aaresohle stabilisiert werden kann.» Denn weil die Aare kanalisiert ist, gräbt sie sich immer tiefer ein, was zu einer Senkung des Grundwasserspiegels führt. Künftig soll die Aare weniger schnell fliessen und sich nicht tiefer eingraben.

Projekte sollen in drei bis fünf Jahren beendet sein

Thomas Wüthrich geht davon aus, dass die beiden Projekte in drei bis fünf Jahren umgesetzt werden können. «Das hängt aber auch von der Akzeptanz in der Bevölkerung ab.» Welche Massnahmen der Kanton genau unternimmt, sei noch nicht klar. Anfang des nächsten Jahres sollen detaillierte Vorschläge vorliegen. Dann könne man auch Angaben zu den Kosten machen.

Der Kanton will die Bevölkerung, Gemeinden und Interessengruppen einbeziehen. Sie sollen ihre Meinung in Fachgremien, Begleitgruppen und im Rahmen der Mitwirkung einbringen können. Weitere Projekte im Könizer Eichholz und beim Berner Dählhölzliwald sind in Planung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.11.2017, 10:40 Uhr

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