Lötschberg-Lobbying gewinnt an Fahrt

Die Kantone entlang der Lötschberg-Achse und der Romandie fordern den Ausbau des Lötschberg-Basistunnels. Der Bund solle dazu den Bahnausbau 2035 von 11,5 auf ­mindestens 12 Milliarden Franken aufstocken.

Die Kosten eines Tunnelausbaus am Lötschberg werden auf rund 920 Millionen Franken veranschlagt

Die Kosten eines Tunnelausbaus am Lötschberg werden auf rund 920 Millionen Franken veranschlagt Bild: zvg/BLS/Keystone

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Gross war die Enttäuschung im Wallis und im Kanton Bern, als der Bundesrat letzten Herbst den Doppelspurausbau des Lötschberg-Basistunnels auf die lange Bank schob. Er will stattdessen mit dem Bahnausbauschritt 2035 schweizweit rund 200 andere Projekte realisieren. Das Lötschberg-Komitee verlangt nun in seiner Vernehmlassungsantwort Nachbesserung, denn der Basistunnel sei an seine Kapazitätsgrenze gelangt.

Geschäftsführerin Viola Amherd über die Ziele des Lötschberg-Komitees. Video: sda

Dem 2011 gegründeten Lötschberg-Komitee gehören 330 Mitglieder an. Darunter sind die Kantone Bern und Wallis, beide Basel, Solothurn sowie Freiburg und Neuenburg. Hinzu kommen Städte, Gemeinden, Parlamentarier und Organisationen.

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Die Allianz hat sich gefunden, um in Bundesbern Projekte aus ihrem Gebiet durchzubringen. Dazu zählt nicht nur der Lötschberg-Ausbau. Auch sollen die Projektierungskosten für die Durchmesserlinie «Herzstück» in der Stadt Basel in den Bahnausbau 2035 aufgenommen werden. Ebenso die Planung für einen dritten Jura-Durchstich.

Hinzu kommen der Bau einer ­direkten Linie zwischen Neuenburg und La Chaux-de-Fonds sowie Projekte in der Hauptstadt­region zur Taktverdichtung. Der Bund soll dazu den Kostenrahmen für den Bahnausbau 2035 von 11,5 auf ­mindestens 12 Milliarden Franken aufstocken.

Zu den Befürwortern des Lötschberg-Ausbaus gesellte sich bereits der Verband öffentlicher Verkehr. «Auch sämtliche Westschweizer Kantone plädieren für den Lötschberg-Ausbau», sagte der Walliser Staatsrat Jacques Melly am Donnerstag vor den Medien in Bern. Er ist Mitglied sowohl des Lötschberg-Komitees als auch der Westschweizer Verkehrdirektorenkonferenz. Ohne den Lötschberg-Ausbau würde die Strecke Bern–Brig schweizweit die einzige Intercitylinie ohne Halbstundentakt bleiben, kritisierte Melly. Auf anderen Inter­citylinien komme derweil der Viertelstundentakt.

An der Seite von Melly bezeichnete die Berner Regierungsrätin Barbara Egger das Nein des Bundesrats als «stossend und inkonsequent». Denn der Bundesrat wolle Kapazitätsengpässe entschärfen. Beim Lötschberg freue er sich zwar, dass die Überlastungen im Personenverkehr abgebaut und die Effizienz im Güterverkehr steigen würde. Dennoch verschiebe er den Ausbau wegen des Kostenrahmens von 11,5 Milliarden Franken.

Wo sparen?

Die teuersten Projekte im Plan des Bundesrats sind der Brüttener Tunnel (2,8 Milliarden), die Verlängerung des Zimmerberg-Basistunnels (2,2 Milliarden) und die Erweiterung des Bahnhofs Zürich-Stadelhofen (1,2 Milliarden). Der Ausbau der Lötschberg-Röhre würde 920 Millionen Franken kosten, sagte Egger. Die BLS verweist darauf, dass es von allen Projekten planerisch am weitesten fortgeschritten sei, kaum Risiken habe und schnell realisiert werden könnte.

Bevor der Bundesrat nun seine Botschaft an das Parlament verabschiedet, sollen die Projekte überprüft werden. Ziel ist gemäss Vernehmlassungsbericht, Einsparungen «in der Grössenordnung von 0,5 bis 1 Milliarde Franken» zu erzielen. Offenbar gibt es durchaus Sparpotenzial. So wies Martin Stuber vom Verband Pro Bahn in einem Artikel für die «Schweizer Eisenbahn-Revue» auf die neue Haltestelle Baar-Sennweid: «Diese kostet mit allen Infrastrukturbauten rekordverdächtige 146 Millionen.» Ein Grund dafür sei das geplante Wendegleis für die Stadtbahn. «Man fragt sich, ob diese Haltestelle als Bauernopfer platziert wurde», schreibt Stuber.

Das Lötschberg-Komitee glaubt, dass mit Optimierungen der Lötschberg-Ausbau in einem Finanzrahmen von 12 Milliarden Franken Platz hätte. «Wir wollen nicht andere Projekte rauskippen», beteuerte Egger. Diese seien auch richtig und wichtig. «Aber der Lötschberg ist wirklich ebenso nötig.» Ob die Lötschberg-Lobby in der Ausmarchung der Projekte zusammenhält, dürfte sich 2019 zeigen. Dann soll der Bahnausbau 2035 ins Parlament kommen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.01.2018, 16:52 Uhr

Tunnelausbau

Den Lötschberg-Basistunnel befahren täglich 13'000 Passagiere. Seit der Eröffnung im Jahr 2007 nahmen das Fahrgastaufkommen und der Güterverkehr um rund 70 Prozent zu. Das Lötschberg-Komitee erwartet ein weiterhin starkes Nachfragewachstum. Bislang ist der Tunnel auf 15 von 35 Kilometern zweispurig befahrbar. 14 Kilometer der zweiten Röhre sind ausgebrochen, aber nicht mit Schienen und Fahrtechnik ausgerüstet. Mit dem Ausbau dieses Abschnitts und des Tunnels unter dem Bahnhof Frutigen würde die Kapazität der Strecke verdoppelt. 6 Kilometer sollen einspurig bleiben. Laut BLS könnten auch mit dem vorgeschlagenen Ausbau alle Güterzüge auf dieser Neat-Achse statt über die Bergstrecke durch den Basistunnel fahren und der Halbstundentakt im Intercity-Verkehr eingeführt werden.

Die drei Grossprojekte

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