Lernfutter für hoch begabte Kinder

Programmieren, basteln oder elektronische Schaltkreise bauen: Mit solchen Kursen will ab März ein Elternverein seinen hoch begabten Kindern spannende Beschäftigungen fürs Wochenende bieten.

Alexandra Erler will mit den Talentino-Kursen auch hoch begabten Kindern aus ländlichen Gegenden  die Gelegenheit bieten, Gleichgesinnte zu treffen.

Alexandra Erler will mit den Talentino-Kursen auch hoch begabten Kindern aus ländlichen Gegenden die Gelegenheit bieten, Gleichgesinnte zu treffen. Bild: Markus Hubacher

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«Muss das arme Kind jetzt auch noch ins Englisch und in den Klavierunterricht gehen?» Solche Fragen sind sich Eltern von hoch begabten Kindern gewohnt. Auch Alexandra Erler. Sie weiss: Oft verstehen es andere Leute nicht, dass ihre achtjährige Tochter nicht nur freiwillig, sondern sogar mit grossem Vergnügen Englisch lernt und Klavier spielt.

Und fast genauso oft verstehen es andere Leute nicht, dass zumindest ein Teil der hoch begabten Kinder gar nicht wie erwartet zufriedene Musterschüler sind. Manche sind schüchtern und ziehen sich völlig zurück, weil sie nicht auffallen möchten. Andere sind ungeduldig und aggressiv, stören den Unterricht oder schwänzen die Schule, weil sie ständig unterfordert sind.

Alexandra Erler kennt diese Probleme – nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern auch als Leiterin der Berner Regionalgruppe des Elternvereins für hoch begabte Kinder (EHK). Ab März bietet dieser Verein unter der Bezeichnung Talentino spezielle Kurse für hoch begabte Kinder an.

Es gibt einen Programmierkurs an drei Sonntagen, einen Bastelkurs an einem Samstag. Geplant sind auch ein Elektronik- und ein Chemiekurs. Es sind keine herkömmlichen Kurse, sondern anspruchsvolle, speziell für hoch begabte Kinder aufgebaute Unterrichtslektionen. «Ein normal begabtes Kind hätte Mühe mitzukommen», erklärt Alexandra Erler.

Gleichgesinnte treffen

Dass die Kurse alle am Wochenende stattfinden, ist Absicht. Es zählt nicht nur die geistige Herausforderung. «Die Kinder sollen dort in der Freizeit andere Kinder kennen lernen, die gleich denken und fühlen wie sie», erklärt Alexandra Erler. Denn in der Schule fühlen sich viele Hochbegabte alleingelassen, unangenehm beneidet oder gar gemobbt. Kein Wunder, wollen viele der gut 1000 hoch begabten Kinder an den Berner Schulen lieber nicht, dass die anderen aus der Klasse wissen, dass sie hoch begabt sind. Sie möchten möglichst wenig auffallen.

Eigentlich steht den Berner Volksschulen sogar viel Geld zur Verfügung, mit dem sie für hoch begabte Kinder auch speziellen Unterricht oder Förderung im Rahmen des normalen Unterrichts anbieten könnten. Doch die insgesamt 1000 Wochenlektionen, welche der Kanton für diesen Unterricht bezahlen würde, nutzen die Schulen bei weitem nicht aus.

Besonders in ländlichen Gegenden bieten sie gar keine Förderung von Hochbegabten an. Grob geschätzt besuchen denn auch nur etwa 500 Hochbegabte im Kanton – also vermutlich weniger als die Hälfte – die spezielle Förderung in der Schule.

Eltern müssen selber bezahlen

Über die zusätzlichen Talentino-Kurse des Elternvereins ist der Kanton deshalb sehr froh, wie Enrico Mussi von der Erziehungsdirektion betont. Er hält die Kurse für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Allerdings stellt er auch klar, dass der Kanton keine solchen privaten Angebote finanziert. Seit einigen Jahren bietet auch der Verein zur Förderung besonders begabter Kinder im Kanton Bern (FBK) ein Förderprogramm an. Immer am Mittwochmorgen können hoch begabte Erst- bis Sechstklässler zu Themen wie Biologie oder Astronomie ihren Wissensdurst stillen. Der Kanton dispensiert die hoch begabten Kinder für diese Kurse. Die 1900 Franken pro Semester müssen aber die Eltern bezahlen.

Die dreistündigen Freizeitkurse des EHK kosten 40 bis 50 Franken. Auch der FBK bietet in der Freizeit Workshops für Hochbegabte an.

Zugang zu den Hochbegabtenkursen haben Kinder mit einem Intelligenzquotienten über 130. Eltern, die vermuten, dass ihr Kind hoch begabt ist, können dies bei der kantonalen Erziehungsdirektion abklären lassen. Untersuchungen zeigen, dass ein bis zwei Prozent der Bevölkerung einen Intelligenzquotienten über 130 haben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.02.2015, 07:57 Uhr

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