Kommentar: Triumph der BKW-Chefin

Die Taktik der BKW-Chefin Suzanne Thoma ist aufgegangen: Das Berner Stimmvolk will das AKW Mühleberg weiterbetreiben. Stefan Schnyder, Leiter Ressort Wirtschaft, zum Ausgang der Mühleberg-Abstimmung.

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Die Taktik der BKW-Chefin Suzanne Thoma ist aufgegangen: Das Berner Stimmvolk will das AKW Mühleberg mit einer Mehrheit von 63 Prozent weiterbetreiben. Die BKW-Chefin hatte der Initiative sozusagen einen Gegenvorschlag gegenübergestellt. Sie hatte dem Verwaltungsrat beantragt, das AKW im Jahr 2019 vom Netz zu nehmen.

Das Aufsichtsgremium segnete den Vorschlag ab. Dieser überzeugte die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in der Mitte, die weder flammende Befürworter von Atomkraftwerken sind, noch diese grundsätzlich ablehnen. Diese wollten mit dem Nein die Versorgungssicherheit gewährleisten und einen finanziellen Schaden von der BKW abwenden. Diese gehört zur Hälfte dem Kanton Bern.

Das klare Volks-Nein zu «Mühleberg vom Netz» ist jedoch für die BKW bloss ein wichtiger Etappensieg. Bereits steht die nächste Prüfung bevor: Bis Ende Juni muss die BKW der Atomaufsichtsbehörde Ensi im Detail aufzeigen, wie sie das AKW aufgrund der Erkenntnisse aus der Atomkatastrophe von Fukushima nachrüsten will. Es ist davon auszugehen, dass das Ensi die Pläne sehr genau unter die Lupe nehmen wird.

Dies auch, weil immer wieder kritisiert wird, es gehe zu pfleglich mit den AKW-Betreibern um. Das Ensi könnte irgendwann einmal der Versuchung erliegen, ein Exempel zu statuieren. Es ist jedoch zu hoffen, dass die BKW auch diese Prüfung bestehen wird.

Denn ein Weiterbetrieb des AKW ist aus zwei Gründen wichtig: Eine Abschaltung hätte laut der BKW eine Gewinnreduktion um über 100 Millionen Franken im Jahr zur Folge. Zudem würde die Versorgungssicherheit leiden.

Den Initianten ist eines zu verdanken: Die Diskussion hat gezeigt, wie wichtig das AKW Mühleberg für die Stromversorgung im Kanton Bern ist. Nach der Abschaltung im Jahr 2019 wird der Kanton Bern zum Stromimporteur im grossen Stil werden. Das Risiko eines Atomunfalls in der Nähe wird dann weg sein. Doch die Abhängigkeit vom Ausland wird zunehmen.

stefan.schnyder@bernerzeitung.ch

Erstellt: 18.05.2014, 20:41 Uhr

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