Kommentar: Führung sieht anders aus

Ein unfähiger Direktor, ein unprofessionelles Anstellungsverfahren und gravierende Missstände in der Strafanstalt Thorberg – der Bericht bestätigt die schlimmsten Befürchtungen rund um die Thorberg-Affäre...

...Positiv am Bericht ist einzig, dass er trotz der politischen Nähe seines Verfassers zu Auftraggeber und Polizeidirektor Hans-Jürg Käser nicht beschönigt. Das heisst, soweit sich dies anhand der veröffentlichten Zusammenfassung beurteilen lässt. Denn der ausführliche Bericht bleibt aus Persönlichkeits- und Datenschutzgründen unter Verschluss.

Immerhin: Die Frage nach der Verantwortung beantwortet der Bericht deutlich. Schuld am Schlamassel auf dem Thorberg trägt Martin Kraemer, Vorsteher des Amtes für Freiheitsentzug und Betreuung. Damit ist bereits der zweite Amtsleiter in Käsers Direktion unter Beschuss. Auch der Chef des Amtes für Migration und Personenstand fällt vor allem durch grobe Versäumnisse auf.

Damit steht jedoch auch Käser selbst in der Kritik. Allerdings weniger, weil er schlechtes Personal hat. Das kann vorkommen. Problematisch ist vielmehr, dass er sich nicht von seinen unfähigen Spitzenbeamten trennt. Während sich Käser noch immer schützend vor den Chef des Migrationsamtes stellt, ermöglicht er Kraemer die frühzeitige Pensionierung.

Gänzlich unzimperlich ist Käser bei medienwirksamen Auftritten zu Sicherheits- und Asylthemen. Dort markiert er gern den Hardliner. Im eigenen Laden, fernab von Kameras und Mikrofonen, hat der Polizeidirektor hingegen Beisshemmung. Führung sieht anders aus.

Mail: andrea.sommer@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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