Kanton und Heilsarmee im Clinch

Die Heilsarmee muss Ende Februar das Zentrum für psychisch kranke Asylsuchende Nusshof Gampelen schliessen. Der Kanton will, dass künftig «professionelle Fachstellen» entscheiden, wie und wo diese Menschen untergebracht werden.

Die Heilsarmee soll das Zentrum in Gampelen schliessen.

Die Heilsarmee soll das Zentrum in Gampelen schliessen. Bild: Stefan Anderegg

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Die Heilsarmee betreut schon seit zehn Jahren auf dem Nusshof psychisch oder auch körperlich angeschlagene Asylsuchende. 2009 war das Zentrum Thema im bernischen Grossen Rat: Das Kantonsparlament forderte die Regierung auf, den Nusshof nicht zu einem normalen Durchgangszentrum umzuwandeln. Es überwies einen entsprechenden Vorstoss.

Schon damals wollte nämlich die Kantonsverwaltung der Heilsarmee den Zusatzauftrag entziehen. In der Tat erhielt dann letztere bis 2012 weiterhin Geld für zusätzliche Betreungsleistungen. Seit Anfang des letzten Jahrs ist aber Schluss damit: Die Heilsarmee erhält nur noch soviel Geld wie für das Führen eines normalen Zentrums.

Seither hat sie das Zentrum dennoch wie gehabt weitergeführt und den Zusatzaufwand aus eigenen Mitteln bestritten. Nun ist auch damit Schluss, weil der Mietvertrag für das Gebäude ausläuft und nicht mit ihr verlängert wird.

Kanton will kein «Ausnahmezentrum»

Zwar ist es für das kantonale Amt für Migration und Personenstand (MIP) «unbestritten und glasklar», dass es unter den Asylsuchenden Personen gibt, «die einer besonderen und intensiven Betreuung bedürfen». Das sagte Amtsleiter Markus Aeschlimann am Mittwoch auf Anfrage.

Diese Tatsache rechtfertige aber nicht, dass die Heilsarmee ein solches «Ausnahmezentrum» führt, sagt er weiter. Professionelle Fachstellen müssten den Zustand psychisch und körperlich angeschlagener Asylsuchender abklären und dann entscheiden, in welcher Form diese behandelt und in welcher Institution sie untergebracht werden müssten.

Aeschlimann bestätigte damit Aussagen in der Zeitung «Der Bund» vom Mittwoch.

Das Zentrum sei nach dem Grossratsentscheid von 2009 weitergeführt worden, weil damals «enorm viele Asylsuchende aus Kriegsgebieten» eingereist seien. Damals sei der Nusshof als erste Anlaufstelle ideal gewesen. «Dies kann aber nicht Dauerzustand sein.»

Anderes Personal, mehr Platz

Das Betreuungszentrum Nusshof, wie die Heilsarmee das Gampeler Asylzentrum nennt, unterscheidet sich von anderen Durchgangszentren durch das Personal, das dort arbeitet. Dort sind Personen mit therapeutischen Kompetenzen tätig, wie Paul Mori von der Schweizerischen Heilsarmee sagt.

Die Asylsuchenden werden auch stärker betreut als in anderen Zentren und haben mehr Platz, so der Leiter der Flüchtlingshilfe auf Anfrage.

Die Heilsarmee ist laut Mori überzeugt, dass es im Kanton Bern weiterhin ein solches Angebot braucht: «Wir arbeiten intensiv an einer Anschlusslösung», sagt er.

Seitdem der Kanton nur noch den Aufwand eines normalen Zentrums übernehme, habe die Heilsarmee Hunderttausende von Franken aus eigenen Mitteln in die Betreuung der bis zu 32 Asylsuchenden gesteckt.

Neu normales Durchgangszentrum?

Noch unklar ist, was aus dem Gampeler Nusshof wird: Laut Mori hat der Kanton der Heilsarmee geschrieben, er wolle das Gebäude der Organisation Asyl Biel und Region ABR für ein Durchgangszentrum abgeben. Aeschlimann sagt, die Schaffung eines Durchgangszentrums sei ein Thema «und momentan Gegenstand von Abklärungen und Absprachen.» (dln/sda)

Erstellt: 20.02.2013, 16:37 Uhr

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