«In einem Bauernhaus kann ein einziger Funken viel auslösen»

In den letzten Tagen haben in der Region Bern mehrere Häuser gebrannt. Christoph Lienert von der Berner Gebäudeversicherung hält dies für einen Zufall. Er gibt aber Tipps, wie Brände verhindert werden können.

Christoph Lienert ist Leiter der Praevention und Intervention bei der Gebaeudeversicherung.

Christoph Lienert ist Leiter der Praevention und Intervention bei der Gebaeudeversicherung.

(Bild: Susanne Keller)

Herr Lienert, ist die derzeitige Häufung von Hausbränden ein Zufall?
Christoph Lienert: Vermutlich schon. Wir kennen die wenigsten Ursachen für die Hausbrände der letzten Tage. Überheizen kann ein Grund sein, nicht aber in Rüfenacht, wo die Flammen im Ökonomieteil des Restaurants ausbrachen.

Bauernhäuser brennen öfter. Ist es das Heu, die Holzheizung oder anderes?
Tatsache ist: In einem Bauernhaus kann ein einziger Funken viel mehr auslösen als in einem massiv gebauten Haus. In alten Bauernhäuser gibt es häufiger Risiken wie etwa von Mäusen angefressene Elektroleitungen.

Was ist mit Holzheizungen, Cheminées und Öfen?
Natürlich ist das Heizen mit Holz grundsätzlich gefährlicher als mit Gas, Oel oder einer Wärmepumpe. Wenn ein Holzofen überfeuert wird, bringt das ein Brandrisiko mit sich.

Aus welchen Gründen sind Holzfeuerungen gefährlicher?
Wenn zu frisches, zu feuchtes Holz verbrannt wird, führt das zu so genanntem Glanzruss im Kamin. Dieser Russ gerät leicht in Brand, vor allem in alten, gemauerten Kaminen. Diese Kaminbrände kommen aber bei den neuen Stahlrohren praktisch nicht mehr vor. Dies auch nicht, weil bei neuen Holzheizungen die Rauchtemperatur tief ist.

Genügt es nicht, einen Kamin zwei Mal jährlich zu russen?
Im Normalfall schon. Aber die Russbildung hängt auch davon ab, was verbrannt wird.

Und was sagen Sie zu elektrischen Heizöfeli und Strahlern?
Hochgradig gefährlich ist es, einen Strahler oder ein Öfeli nah bei einem Vorhang zu platzieren. Aber grundsätzlich sind alle wärmeerzeugenden Geräte ein potentieller Gefahrenherd, etwa ein alter Fernseher, der in eine Wohnwand eingebaut ist. Überall wo ein Wärmestau entsteht, droht Brandgefahr.

Droht beim Einsatz von Öfeli und anderen Heizgeräten eine Überlastung des Elektrizitätsnetzes und damit Kurzschluss?
So kann man das nicht sagen. Auch ein Kurzschluss ist nur dann gefährlich, wenn etwas Brennbares in der Nähe ist. Das kann auch nur Staub sein oder eine Spinnwebe.

Die Statistik der letzten zehn Jahre sagt aber, dass sich über ein Viertel aller Brandfälle im Zusammenhang mit Elektrizität ereignen. Was sagen Sie dazu?
Bei der Elektrizität lauert tatsächlich ein hohes Potenzial an Brandgefahren. Beispielsweise kann sich ein aufgerolltes Kabel derart erhitzen, dass ein Brand entsteht. Äusserst gefährlich sind auch Verlängerungskabel und ineinander verschachtelte Stecker.

Sie raten also eher dazu, einen Pullover mehr zu tragen als ein Heizöfeli anzustellen?
Frieren ist nicht jedermanns Sache. Grundsätzlich gilt: Mit der nötigen Vorsicht darf man alles machen, sogar Kerzen anzünden.

Sie sind Leiter Prävention. Welche Brandverhütungstipps geben Sie uns?
Grundsätzlich sollen Öfeli nur mit genügendem Abstand zu Brennbarem verwendet werden. Ebenfalls empfehlenswert ist: Cheminés und Schwedenöfen nicht zu stark mit Holz füllen, Elektroleitungen regelmässig kontrollieren lassen und falls jetzt eine Wasserleitung einfriert: Ja nicht selber mit dem Bunsenbrenner auftauen.

Berner Zeitung

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