In Bern zwitschert die Polizei nur leise

Im Ausland gehören Facebook und Twitter zu wichtigen Hilfsmitteln der Polizei. In der Schweiz bedienen sich einige Polizeikorps der sozialen Medien. So auch die Kantonspolizei Bern. Allerdings bisher eher zurückhaltend.

Insgesamt knapp 1400 Follower verfolgen diesen Kanal, der von der Polizei nicht aktiv beworben wird (Stand 26. September).

Insgesamt knapp 1400 Follower verfolgen diesen Kanal, der von der Polizei nicht aktiv beworben wird (Stand 26. September).

(Bild: Screenshot Twitter)

Ralph Heiniger

Als Hurrikan Sandy vor einem Jahr über die Ostküste der USA hinwegfegte, informierte die Polizei in New York über den Verlauf des Sturmes via Twitter. Einige Tweets enthielten konkrete Warnungen. Nach dem Bombenattentat beim Boston Marathon in diesem Frühling korrigierte das Boston Police Department über Twitter eine Falschmeldung des Nachrichtensenders CNN. In England nutzte die Polizei Facebook als Internetpranger nach den Plünderungen und Krawallen im Sommer 2011.

In der Schweiz setzen bereits verschiedene Polizeikorps auf Social Media. Klassenprimus ist in dieser Sparte die Stadtpolizei Zürich. Sie hat rund 8500 Follower auf Twitter und 4260 Likes auf Facebook.

Kapo Bern hat 1400 Follower

Auch die Kantonspolizei Bern ist in Facebook und Twitter präsent. Mit ihrem Facebook-Profil «Supertschugger» will die Polizei Personal rekrutieren, auf dem Twitter-Account werden in deutscher und französischer Sprache die Medienmitteilungen versendet.

Insgesamt knapp 1400 Follower verfolgen diesen Kanal, der von der Polizei nicht aktiv beworben wird. «Für uns ist Twitter ein Kommunikationsinstrument, welches in Anbetracht der Verbreitung in der Schweiz heute nicht im Vordergrund steht», sagt Michael Fichter, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern. Neben Facebook, Twitter und der seit längerem bestehenden App ist auch ein Youtube-Kanal der Polizei in Vorbereitung. Zudem werden die Polizeimeldungen – gerade im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit – über die Social-Media-Auftritte des Kantons verbreitet.

Soziale Medien seien heutzutage bei grösseren Ereignissen oder für die Prävention ein wichtiger Faktor, betont Fichter. «In der ‹neuen› Art der direkten Kommunikation zwischen Organisationen, Institutionen und Unternehmen mit der Bevölkerung sehen wir viele Chancen.» Klar sei aber auch, dass die sozialen Medien nie den direkten Kontakt mit der Bevölkerung ersetzen werden. Es sei zwar sinnvoll, zum Beispiel Anfragen zum Strassenverkehrsgesetz via Facebook zu beantworten. Fahndungsaufrufe via Twitter seien hingegen wenig zielführend. «Es zeigte sich, dass beispielsweise in Fällen von verdächtigem Ansprechen von Kindern Antworten auf 140 Zeichen kaum möglich sind.»

Die Zukunft ist mobil

Gemäss jüngsten Studien geht der Trend der sozialen Medien Richtung mobile Nutzung. Bei der Kapo Bern stellt man sich daher die Frage, ob es heute noch Sinn macht, auf den Zug der gängigen sozialen Medien aufzuspringen. «Wir müssen uns fragen, wie unsere Auftritte auf dem Handy ankommen», erklärt Fichter. Letztlich mache ein Engagement der Kantonspolizei in den sozialen Medien nur dann Sinn, wenn es den Bürgern und der Polizei wirklich etwas mehr bringt. «Niemand wartet heute auf eine weitere Seite einer weiteren Polizei», so Fichter.

Berner Zeitung

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