Im Berner Wald wird immer noch zu wenig Holz geschlagen

Der Kanton Bern hat viel Wald und auch die Nachfrage nach Holz ist da. Doch es wird zu wenig Holz geschlagen. Das zeigt der zweite Wald-Nachhaltigkeitsbericht des kantonalen Amts für Wald.

Blick in den herbstlich gefärbten Wald: Im Kanton Bern gibt es nach wie vor zu viel Holz.

Blick in den herbstlich gefärbten Wald: Im Kanton Bern gibt es nach wie vor zu viel Holz. Bild: Keystone

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Im Kanton Bern gibt es nach wie vor viel Wald und auch die Nachfrage nach Holz ist da. Doch schwächen negative Umweltfaktoren die Bäume und es wird immer noch zu wenig Holz geschlagen. Das zeigt der zweite Wald-Nachhaltigkeitsbericht des kantonalen Amts für Wald.

Der kantonale Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher sagte am Dienstag bei der Vorstellung des Berichts vor den Medien in Bern, der Vorrat an Holz in den Berner Wäldern habe zwar in den letzten Jahren leicht abgenommen. Anstrengungen des Kantons zur Förderung des Holzschlags seien erfolgreich. Dennoch gebe es noch zu viel Holz.

Besonders in den Schutzwäldern sei es nötig, die Bestände zu verjüngen. In diesen Wäldern seien die Bäume oft gleich alt. Rund 70 Prozent des Berner Walds schützen vor Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag und Rutschungen. Im Berner Oberland sind sogar 91 Prozent der Wälder Schutzwälder.

Ein weiteres Problem sind rückläufige Erlöse für die Waldbesitzer. Dies vor allem wegen des starken Frankens. Viel Holz wird importiert.

Kanton will innovative Modelle fördern

Rickenbacher zieht aus diesem Befund den Schluss, dass die Waldbesitzer noch mehr tun müssen, um den Holzschlag zu rationalisieren und damit billiger zu machen.

Der Kanton leiste zwar Beiträge für den Holschlag in Schutzwäldern, weil dort nur so ein kostendeckender Holzschlag möglich sei. Angesichts der Sparanstrengungen des Kantons sei es seiner Direktion aber nicht möglich, mehr Gelder freizuschaufeln.

Der kantonale Volkswirtschaftsdirektor hält deshalb viel von Geschäftsmodellen wie jenem, das die Beo Wald & Holz GmbH mit Sitz in Interlaken entwickelt hat. Deren Geschäftsführer Lukas Hug stellte dieses Modell am Dienstag an Richenbachers Medienkonferenz vor.

Vom Kanton gefördert

Hug spricht von einem vertikal integrierten Geschäftsmodell und meint damit, dass entlang der Wertschöpfungskette Waldbesitzer - Forstbetrieb - Holzverarbeiter - Holzhandel - Holzverkäufer mehrere Akteure zusammenarbeiten. In der genannten GmbH haben sich mehrere Einwohner- und Burgergemeinden mit Holzernte-Unternehmen und -vermarktern zusammengeschlossen.

Solche Modelle wolle der Kanton Bern fördern, sagt Rickenbacher. Im Fall der Beo Wald & Holz GmbH hat dies der Kanton bei der Gründung 2006 auch getan. Gefragt seien innovative, nachhaltig und unternehmerisch denkende Persönlichkeiten. Nur ein gezielt genutzter und verjüngter Wald erbringe seine Funktionen nachhaltig, sagt Rickenbacher.

Der Berner Waldboden versauert

Beim Wald-Nachhaltigkeitsbericht 2013 des kantonalen Amts für Wald handelt es sich um eine gut 20-seitige Broschüre. Im Jahr 2008 ist der erste solche Bericht erschienen.

Der Bericht erfasst den Zustand des Berner Walds anhand von sechs international anerkannten Kriterien. Unter dem Stichwort «Gesundheit und Vitalität des Waldes» ist zu lesen, dass wegen zu vielem Stickstoff die Berner Waldböden versauern und die Bäume deshalb unter Mangelernährung leiden.

Grund für den übermässigen Stickstoffeintrag sind Luftschadstoffe. Sie stammen zu zwei Dritteln aus der landwirtschaftlichen Düngung, zu einem Drittel vom Verkehr und der Industrie, wie Roger Schmidt sagte. Er ist der neue Leiter des Amts für Wald und damit Kantonsoberförster.

Ein weiteres Umweltproblem ist die Klimaerwärmung, die zu immer mehr Trockenperioden führt. «Die Waldgesundheit gibt Anlass zur Sorge», sagte darum Rickenbacher. Beim Borkenkäfer, dem bekanntesten einheimischen Forstschädling, sei die Situation hingegen «im Moment ruhig». (tan/sda)

Erstellt: 12.11.2013, 13:10 Uhr

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