«Ich habe hier etwas aufgebaut, an dem ich sehr hänge»

Neun Monate tobte letztes Jahr in der Waldau der Machtkampf um die Entlassung von Werner Strik. Anfang Dezember wurde der Psychiatrieprofessor rehabilitiert. Nun erzählt Strik erstmals, wie schwierig diese Zeit für ihn war.

«Ich hatte Existenzängste»:  Strik über seine monatelange Freistellung.

«Ich hatte Existenzängste»: Strik über seine monatelange Freistellung. Bild: Beat Mathys

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Werner Strik, Ihre Ex-Chefin Regula Mader hat nach langem Schweigen Anfang Monat in einem Radiointerview bekräftigt, wie unmöglich die Zusammenarbeit mit Ihnen gewesen sei. Hat Sie das Interview überrascht?
Werner Strik: Nein.

Maders Kernaussage: Der ganze Streit war ein Personalproblem. Warum sind Sie so schwierig?
Die Berichte der Uni und des Regierungsrats kamen klar zum Schluss: Strukturelle Probleme liessen die Lage eskalieren. Wir haben mit der Gesundheitsdirektion und der Universität zwei Auftraggeber, die unterschiedliche Vorstellungen von der universitären Psychiatrie haben.

Andere Professoren hätten mit dieser Situation keine Probleme, sagt Regula Mader.
Bei uns kam erschwerend die Umsetzung der neuen Versorgungsplanung des Regierungsrats hinzu: 2010 mussten wir zwei Stationen schliessen – obschon die Klinik voll ausgelastet war. Der Druck auf die verbliebenen Behandlungsplätze beschäftigt uns noch heute.

Wie hoch ist die Belegung in der Erwachsenenpsychiatrie der UPD momentan?
Hundert Prozent.

Also ist jedes Bett belegt?
Nicht nur das. Die hundert Prozent sind der Durchschnitt. Da die Zuweisungen schwanken, sind wir zur Hälfte der Zeit überbelegt. Als Akutspital können wir die Belegung nicht planen. Wir sind den Zuweisungen von Hausärzten, Psychiatern, Spitälern und Behörden quasi ausgeliefert.

Dann stehen für Notfälle noch ein paar Klappbetten herum?
Keine Angst, wir haben schon genügend richtige Betten. Aber bisweilen haben wir nicht für jeden Patienten einen Schrank oder ein Bettkästchen mit Lampe. Die Zimmer sind manchmal überfüllt, mit vier oder fünf Menschen. Das kann für Patienten in psychischen Krisen schwierig sein.

Sie können die Zahl der neuen Patienten nicht steuern?
Grundsätzlich gilt für uns die Aufnahmepflicht. Doch je weniger freie Betten wir haben, umso restriktiver müssen wir bei der Aufnahme sein. Das wiederum führt zu einem Rückstau. Die rechtzeitigen Behandlungen werden blockiert, die Notfälle nehmen zu.

Welches sind die schwierigsten Notfälle?
Oft jene von Polizei und Behörden. Die sind nicht unbedingt therapeutisch, sondern ordnungspolitisch oder sozial motiviert.

Sehen Sie für die UPD eine Möglichkeit, die Abhängigkeit von den Zuweisern zu verringern?
Wie so oft ist die Lösung nicht die, die direkt vor den Augen liegt. Die Lösung kann nicht sein, Patienten zurückzuweisen. Im Gegenteil: Wir müssten früher involviert werden, damit wir helfen können, Notfälle zu verhindern. Dies gilt gerade bei drohenden Rückfällen: Da gibt es Anzeichen, die erkennen Hausärzte und Psychiater. Kommt ein solcher Patient früh genug für ein paar Tage zu uns, ist der Aufenthalt viel kürzer und der soziale Schaden viel geringer, als wenn er notfallmässig, schlimmstenfalls noch per Zwangseinweisung kommt.

Es ist ein schwieriger Schritt, freiwillig in die Waldau zu gehen.
Wenn die Psychiatrie mit der Spitze des Eisbergs gleichgesetzt wird, mit dem, was wir alle gar nicht gerne machen – mit den Zwangsmassnahmen –, kriegen die Patienten ein Furcht erregendes Bild. Das hat nichts mit unserer täglichen Arbeit zu tun. In den meisten Fällen arbeiten wir auf freiwilliger Basis. Aber das negative Bild der Psychiatrie – das von manchen Medien übrigens gedankenlos bedient wird – löst den Teufelskreis aus: Die Angst vor der Psychiatrie führt zu unnötigen Zwangseinweisungen.

Die Zuweisungen sind das eine, die Entlassungen das andere. Ist Letzteres besser zu steuern?
Eine für uns zentrale Frage lautet: Wo ist der richtige Ort für Patienten, die nicht ganz alleine leben können? Die meisten Langzeitpatienten muss man nicht stationär im Spital behandeln, sondern mit individuell angepasster Betreuung: in Wohnheimen, betreuten Wohnungen, Ambulatorien oder Tageskliniken. Wir finden für die meisten Patienten gute Lösungen. Aber nicht für alle. Es gibt im Kanton Bern zu wenig geeignete Plätze für betreuungsintensive Patienten.

Sie haben in der Waldau Patienten, die nicht hier sein müssten?
45 bis 50 von unseren 200 stationären Patienten müssten aus fachlichen Gründen nicht in der Klinik sein.

Was wären das für Plätze?
Diese Menschen sind oft Einzelgänger, misstrauisch. Sie brauchen angepasste Wohnformen, gut ausgebildetes Personal und ein intensives Rehabilitationsprogramm. Aus fachlichen Gründen fordern wir Einrichtungen mit individuell angepasstem Betreuungsstandard. So klein wie möglich und in den Wohnquartieren, wo man am sozialen Leben teilhaben kann.

Wir haben gehört, dass Sie jeden Freitag die Runde durch die Stationen machen und die am wenigsten Kranken quasi rausschmeissen um freie Betten fürs Wochenende zu schaffen.
Sind alle Plätze belegt, muss für jeden Eintritt jemand entlassen werden. Das kann sehr hart sein. Deshalb planen wir vorausschauend. Der Dienstarzt muss immer wissen, wer notfalls kurzfristig entlassen werden kann.

Führt dieser Druck nicht zum Drehtüreffekt, dass die Entlassenen bald zurückkehren?
Seit der Schliessung der zwei Stationen haben die schnellen Wiedereintritte tatsächlich stark zugenommen.

Laut Regula Mader sind Sie an der angespannten Lage mitschuldig: Sie hätten sich der Schliessung der beiden Stationen widersetzt und keine funktionierende Triage eingeführt.
Auch das hat der Bericht des Regierungsrats widerlegt: Die Triage funktioniert. Und wir haben Massnahmen getroffen, wie etwa 2010 die Eröffnung des gemeindepsychiatrischen Zentrums in Bümpliz, das den stationären Bereich hier in der Waldau entlastet. Zudem haben wir die Liegedauern noch weiter verkürzt.

Die Schliessungen wurden politisch damit begründet, dass in der modernen Psychiatrie «ambulant vor stationär» gelte und darum weniger Betten nötig seien. Kritiker werfen Ihnen vor, dieses Prinzip zu missachten.
Stationäre Behandlungen können nur durch ambulante Weiterbetreuung verkürzt werden. Das haben wir gemacht und damit das Prinzip umgesetzt. Während meiner Facharztweiterbildung in Italien habe ich miterlebt, wie man in den 1980er-Jahren im Einklang mit «ambulant vor stationär» psychiatrische Krankenhäuser geschlossen, aber nicht dafür gesorgt hat, dass die entlassenen Menschen «draussen» auch menschenwürdig betreut wurden. Es fehlte an den richtigen Institutionen. Diesen Fehler dürfen wir hier nicht wiederholen.

Das spricht aber nicht gegen das Prinzip an sich, sondern gegen eine falsche Umsetzung.
Richtig. Und wir widersetzen uns ja auch gar nicht. Wir können mit unseren Kennzahlen belegen, dass wir bei der Umsetzung führend im Kanton sind. Wir haben die wenigsten Betten pro Einwohner im Versorgungsgebiet, die kürzeste Liegedauer, sehr niedrige Fallkosten – all das, obschon wir Uniklinik sind und für Forschung und Lehre eigentlich ein paar Betten mehr bräuchten.

Wo liegt dann das Problem?
Einerseits sind wir in den UPD bei der Verlagerung in den ambulanten Bereich an einen Plafond gestossen, der nicht durchbrochen werden kann, ohne die Qualitätsansprüche des Kantons zu verletzen. Andererseits fehlt das Geld für den Ausbau von ambulanten Angeboten. Das durch die Bettenschliessungen gesparte Geld wurde leider nicht in den ambulanten Bereich der UPD verlagert, sondern gestrichen. Wir müssen heute um den Erhalt des bestehenden ambulanten Angebots kämpfen.

Wie viele Patienten werden ambulant behandelt?
In den 1950er-Jahren wurden auf dem Waldau-Gelände 1100 Menschen stationär behandelt. Heute sind es noch 200 – aber in unserem gemeindepsychiatrischen Versorgungssystem betreuen wir circa 800 Langzeitpatienten. Grob gerechnet behandeln wir heute also vier Fünftel der Patienten ambulant vor stationär.

Sie kehrten Anfang Dezember nach sechsmonatiger Freistellung in die Waldau zurück. Wie erlebten Sie das Comeback?
Der Empfang war sehr herzlich, nicht nur in der Waldau, auch in unserer Poliklinik am Inselspital. Es gab Tränen, Umarmungen und in den Morgenkonferenzen minutenlange Ovationen. Das alles hat mich sehr gerührt.

Haben Sie während Ihrer Freistellung und dem zähen Gerangel um Ihre Zukunft an der UPD nie daran gedacht, den Bettel hinzuschmeissen?
Ich habe hier 12 Jahre lang etwas aufgebaut, an dem ich sehr hänge. Und damit meine ich nicht die Strukturen. Sondern das Inhaltliche: eine naturwissenschaftlich begründete, menschliche Psychiatrie, den Nachwuchs, unsere international beachtete Forschung, die respektvolle Zusammenarbeit der Berufsgruppen, die Netzwerke und Freundschaften. So etwas kann man nicht auf die Schnelle anderswo wieder aufbauen.

Wie haben Sie den monatelangen Zwangsurlaub erlebt?
Es war sehr schwierig. Aber meine Grossfamilie, die grosse Solidarität innerhalb der UPD und der Universität haben mich gestärkt. Irgendwann stand ich praktisch in der Pflicht, durchzuhalten.

Hatten Sie Existenzängste?
Ja, definitiv. Auch weil die Affäre meinen Ruf derart beschädigt hatte, dass ich dachte, nie wieder einen annähernd vergleichbaren Job zu finden.

Sie dachten auch nicht ans Aufgeben, als Ihnen die Uni eine Austrittsvereinbarung vorlegte und damit quasi den Rücktritt empfahl?
Ich kenne Unirektor Martin Täuber sehr gut. Er hat mir die Vereinbarung vorgelegt, als er Regula Maders Version der Geschichte gehört hatte – die klang offenbar sehr überzeugend. Als dann die Fakten auf dem Tisch lagen, hat sich die Universität sehr schnell sehr eindeutig geäussert.

Wie gut ist die UPD heute aufgestellt? Ihre Freistellung sorgte ja für einen Exodus von Ärzten.
Die Zusammenarbeit in der neuen Geschäftsleitung funktioniert sehr gut. Dieses wichtige Signal haben wir im Betrieb vermittelt. Das hat für eine deutliche Verbesserung der Atmosphäre gesorgt – die Fluktuation ist zurückgegangen. Fakt bleibt aber, dass im letzten Jahr wichtige Leistungsträger gekündigt haben. Das ist ein schmerzhafter Erfahrungsverlust, der nicht so einfach zu kompensieren ist.

Merkt der Patient etwas davon?
Ich denke schon. Nicht im Sinn von Umgangsformen oder Behandlungsqualität, da höre ich keine Klagen. Aber es ist viel Psychiatrieerfahrung und viel Know-how über die UPD und ihre lokale Vernetzung abgewandert. Da fallen Entscheide manchmal nicht so schnell, weil erst noch ein erfahrener Oberarzt oder Chef beigezogen werden muss.

Wegen der vielen Kündigungen hatte die Ärzteschaft vor einem Personalengpass gewarnt.Dadurch könnten vermehrt Zwangsmassnahmen nötig werden. War das Schwarzmalerei?
Das ist schwierig zu sagen. Viele erfahrene Ärztinnen und Ärzte haben sich in der Zeit der Unsicherheit von den UPD abgewendet. Wir haben aber auch eine sehr dünne Personaldecke in der Pflege. Bloss eine Pflegeperson mehr im Dienst macht viel aus. Man kann dann auf gefährdete Patienten eingehen und Zwangsmassnahmen verhindern.

Wie stehts um den Ruf der UPD nach den Querelen?
Der ist angeknackst – letztlich zu Unrecht: Die UPD hat stets funktioniert. Denn die Querelen fanden ja in der obersten Führung statt, an der «Front» wurde einwandfrei gearbeitet.

Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud wollte Sie ja auch entlassen. Nach Ihrer Rehabilitierung hat er uns im Interview gesagt, er wolle nun das Gespräch suchen. Hat er das?
Bislang nicht. Ich wäre sehr, sehr gerne zu einem Gespräch bereit.

Sie haben mit Uni und Gesundheitsdirektion zwei Arbeitgeber, die von Ihnen Unterschiedliches erwarten. Wie bringen Sie das unter einen Hut?
Das ist ein Zielkonflikt, mit dem ich sehr gut umgehen kann, sofern die Auftraggeber im Dialog stehen. Die beiden Ziele widersprechen sich nur, wenn man sie mit der Optik von Finanzströmen oder Machtstrukturen betrachtet. Inhaltlich handelt es sich um eine spannende Aufgabe. Was es braucht, ist das Verständnis für den organisatorischen Mehraufwand und für das Führungsverständnis an einem Universitätsspital. Immerhin generiert es ja auch einen grossen Mehrwert – Wissen, Nachwuchs, Know-how, Reputation.

Was forschen Sie hier an der Waldau konkret?
Wir haben Forschungsprojekte in verschiedenen Gebieten wie Sucht, Psychotherapie, sozialer Psychiatrie oder Suizid. Unser international meistbeachtetes Thema ist die Schizophrenie. Das machen wir ohne Reagenzglas, Psychopharmakaforschung oder Tierversuche. Wir untersuchen das «denkende Gehirn» mit den neuesten Methoden der Magnetresonanztomografie und der Hirnstrommessung und können so etwa die Hirnaktivitäten während Halluzinationen beschreiben.

Was nützt das dem Patienten?
Wir konnten die Wirkung einer Therapie mit Magnetfeldern nachweisen, die hilft, Psychopharmaka einzusparen.

Erfindet sich durch solche Forschung die Psychiatrie neu?
Ja, die Psychiatrie erneuert sich in Schüben. Jede Forschungsrichtung hat ihre Zeit, die Psychoanalyse etwa, die Verhaltensforschung oder die Sozialpsychiatrie, dann wird sie als Leitwissenschaft abgelöst. Das Beste aus jeder Epoche überdauert, überrissene Erwartungen müssen aber aufgegeben werden. Dieser Erneuerungsprozess hat im letzten Jahr die Querelen an den UPD zusätzlich aufgeheizt.

Sie sprechen ehemalige führende Vertreter der Berner Sozialpsychiatrie an, die Ihnen via «Bund» vorgeworfen haben, sie hätten die sozialpsychiatrischen Errungenschaften zerstört.
Ja. Diese Paradigmenwechsel, wenn eine Forschungsrichtung durch eine neue abgelöst wird, sind manchmal schmerzhaft für die Protagonisten.

Sie verstehen den Ärger?
Die Sozialpsychiatrie hat wichtige wissenschaftliche Grundlagen geliefert für ein modernes Versorgungssystem. Wir setzen diese Erkenntnisse um, wo es uns möglich ist – etwa mit unseren vielfältigen gemeindepsychiatrischen Angeboten. Als Leitwissenschaft für die Psychiatrie ist die Sozialpsychiatrie durch die Neurowissenschaften aber abgelöst worden. Irgendeinmal werden sich auch die heutigen neurowissenschaftlichen Methoden erschöpfen. Ich hoffe, dann in der Lage zu sein, das Neue zu erkennen und zu respektieren. Es macht jedenfalls keinen Sinn, die freidenkende Forschung gegeneinander auszuspielen.

Ist die Sozialpsychiatrie nicht mehr als bloss eine Forschungsrichtung? Sie hat doch auch eine ideologische Komponente – anders sind die geharnischten Reaktionen kaum zu erklären.
Richtig. Zu Beginn war die Sozialpsychiatrie nicht nur wissenschaftlich, sondern auch politisch. Und in manchen Strömungen gar antipsychiatrisch, also gegen die Institutionen, gegen die alten Grossanstalten, wo die Patienten «versenkt» wurden. Das scheint mir völlig nachvollziehbar – und auch sehr patientenorientiert. Heute, wo die Kliniken ganz anders funktionieren, geht dieser Kampf ins Leere.

Trotzdem war der Grabenkampf Teil des Streits um die UPD...
...ich habe nicht gestritten! Der Angriff war einseitig. Wie erwähnt habe ich eine Facharztausbildung in der radikal sozialpsychiatrisch reformierten italienischen Psychiatrie absolviert. Das hat mein Verständnis einer modernen Psychiatrieversorgung geprägt. Dennoch will ich als Wissenschaftler den ganzen Menschen verstehen, auch in seiner Dimension als lebender Organismus. Das ist für meine und die jüngere Generation der akademischen Psychiatrie kein Widerspruch. Die Stimmen, die mich via «Bund» angegriffen haben, kommen aus den Generationen vor mir. Es handelt sich also, wenn schon, nicht um einen Richtungsstreit, sondern um einen Generationenkonflikt.

Teil der Kritik war auch, dass Sie die Klinik einseitig ärztlich leiteten, dabei die Pflege, Therapie und Sozialarbeit zu kurz komme.
Alle Berufsgruppen arbeiten in den UPD interdisziplinär zusammen, sehr intensiv und mit grosser gegenseitiger Wertschätzung. Aber unser Auftrag ist klar: Wir sind eine ärztlich geleitete Einrichtung. Das heisst: Wir sind ein Spital, kein Pflegeheim. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.03.2013, 11:01 Uhr

Werner Strik im Gespräch

Das ist er nun also, der Mann, der seit Jahren Teile der Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) in Angst und Schrecken versetzt haben soll: Werner Strik, Professor und Direktor der Erwachsenenpsychiatrie an den UPD, lädt die Besucher in sein sehr grosses Büro im zentralen Waldau-Neubau. Schnurstracks steuert er auf einige abstrakte Bilder in satten Farben zu, die an den Wänden hängen. Die habe ein Patient gemalt, erzählt Strik. Der Mann verkaufe gut, ergänzt er nicht ohne Stolz.

Das letzte Jahr spickte den 54-jährigen Deutschen in die Schlagzeilen: Im März gab UPD-Chefin Regula Mader bekannt, dass sie Strik entlassen wolle – weil er sich seit Jahren Reformen verweigere und eine Zusammenarbeit kaum möglich sei. Strik kämpfte gegen die Entlassung – und erhielt recht. Am 5.Dezember durfte er an die
Waldau zurückkehren: Sowohl die Uni als auch der Regierungsrat hatten den Fall untersucht und Maders Vorwürfe für nicht stichhaltig befunden.

Trotz diesem Sieg auf der ganzen Linie gibt sich Strik im Gespräch zurückhaltend, wählt seine Worte mit Bedacht. Er bewege sich auf dünnem Eis, sagt er einmal; die UPD brauchten nun Ruhe, erklärt er seine Zurückhaltung ein andermal. Trotzdem spricht er Klartext – vorab, wenn es um politische Entscheide geht, die in seinen Augen das Funktionieren der UPD als Klinik und die Freiheit von Lehre und Forschung gefährden.

Werner Strik ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. azu

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