«Ich ärgere mich nicht über die SBB. Aber ich wundere mich»

BLS-Präsident Rudolf Stämpfli kann seinen Ärger kaum verbergen. Er kann nicht verstehen, wieso die SBB einen Kompromissvorschlag, den er und die SBB-Präsidentin Monika Ribar ­abgesegnet haben, plötzlich wieder verworfen haben.

BLS-Präsident Rudolf Stämpfli gibt im Interview Auskunft.
Video: Sibylle Hartmann

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Herr Stämpfli, die BLS bewirbt sich um fünf Fernverkehrslinien. Was bringt das dem Kunden?
Rudolf Stämpfli: Es gibt neu einen Wettbewerb der Ideen im Fernverkehr. Es wird neue ­Produkte geben. Der Kunde wird die Wahl haben. Die Qualität der Dienstleistung wird sich ­dadurch verbessern.

Eine echte Wahl wird der Kunde aber auch in Zukunft nicht haben, denn auf einer Linie wird auch künftig meist nur ein ­Anbieter fahren.
Doch. Ich bin überzeugt, dass ein gesunder Wettbewerb den ­öffentlichen Verkehr belebt. Konkurrenz macht die Unternehmen stark.

Was wird denn die BLS besser machen als die SBB heute?
Ob die BLS es besser machen wird als die SBB, das wird der Kunde zu entscheiden haben. Aber ich kann mir beispielsweise vorstellen, dass wir ein anderes Verpflegungsangebot aufbauen werden. Und dass der Empfang über das Mobilfunknetz dank neuartigen Fenstern in den ­Zügen verbessert wird. Es sind lauter solche Einzelheiten. Am Ende wird der Kunde entscheiden müssen, ob er das eine oder das andere Angebot will. Heute kann er nicht entscheiden. ­Es gibt nur eine Lösung.

Heisst dies beispielsweise, dass es künftig Kaffeeautomaten in den Zügen geben wird?
Das ist eine der Möglichkeiten.

Eine Arbeitsgruppe bestehend aus SBB- und BLS-Vertretern hat einen Kompromissvorschlag im Streit zwischen den SBB und der BLS erarbeitet. Die SBB-Präsidentin Monika Ribar und Sie haben diesen abgesegnet. War es SBB-Chef Andreas Meyer, ­ der danach auf Konfrontationskurs ­gegangen ist?
Die SBB sind ein Betrieb mit über 30'000 Personen. Ich gehe nicht davon aus, dass Andreas Meyer allein entscheiden kann. Er wird sich sicher mit der Konzernleitung und dem Verwaltungsrat absprechen. Es ist richtig, dass die SBB ihre Interessen vertritt. Und es ist nachvollziehbar, dass Andreas Meyer als ­deren Chef das Aushängeschild der Bahn ist.

Aber an der Medienkonferenz war es offensichtlich: Sie ärgern sich über diejenigen bei den SBB, die das entschieden haben.
Ich ärgere mich nicht. Aber ich wundere mich. Die SBB stellten in diesem Streit plötzlich eine Verbindung zwischen dem Fernverkehr und der dem Standort der künftigen BLS-Werkstätte her. Sie brachte ­erneut die Idee ins Spiel, dass die BLS ihre Züge bei den SBB in Biel warten könnte.
Die BLS ist froh um jede Alternative, die verhindern würde, dass wir auf der grünen Wiese und einer Fruchtfolgefläche eine Werkstätte bauen müssen. Wir haben schier verzweifelt einen Standort in einer Industriefläche gesucht, die besser geeignet ­wäre. Die Begleitgruppe und die BLS haben den Standort Biel sehr ­seriös abgeklärt. Doch die SBB haben im Jahr 2016 schriftlich festgehalten, dass eine Werkstätte in Biel nicht machbar ist. Käme man nun zum ge­genteiligen Schluss, wäre dies eine gute ­Lösung, der sich die BLS sicherlich anschliessen könnte.

Doch wie gross sind die ­Chancen, dass der Bau einer Werkstätte in Biel zu einer ernsthaften Variante wird?
Ich kann das jetzt nicht ­be­urteilen. Wenn seit 2016 neue Erkenntnisse aufgetaucht sind, dann muss man diese unter­suchen. Der Berner Regierungsrat hat die unabhängige Begleitgruppe beauftragt, den Standort Biel angesichts der neuen ­Er­kenntnisse erneut zu prüfen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 08.09.2017, 19:41 Uhr

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