Hier darf sich der Biber austoben

Ferenbalm

Pro Natura kaufte eine rund vier Fussballfelder grosse Ackerfläche an der Bibere. Hier darf der Biber in den nächsten Jahren die Landschaft frei gestalten. Damit soll auch die Artenvielfalt zunehmen.

Peter Lakerveld mit einer Visualisierung, wie das Gebiet hinter ihm dereinst aussehen könnte.

Peter Lakerveld mit einer Visualisierung, wie das Gebiet hinter ihm dereinst aussehen könnte.

(Bild: Urs Baumann)

Hans Ulrich Schaad

Der Biber leistete ganze Arbeit. Vor knapp vier Jahren baute er an einem Seitenkanal der Bibere einen Damm. Der gestaute Bach lief in der Mühlematt bei Ferenbalm über und setzte das angrenzende Maisfeld unter Wasser. «Sogar Forellen schwammen zwischen dem Mais», erzählt Peter Lakerveld, Projektleiter der Aktion «Hallo Biber! Mittelland» bei Pro Natura. Dieses Ereignis war der Auslöser eines schweizweit einzigartigen Pilotprojekts, das gestern in Ferenbalm offiziell gestartet wurde.

Fläche stark vernässt

In Zukunft darf – ja soll der Biber den Acker überfluten. Diese rund drei Hektaren grosse Parzelle, zwischen der Bibere und dem Mühlekanal, gehört seit dem vergangenen Dezember Pro Natura. Denn die Dämme zu entfernen, war keine nachhaltige Lösung. Die hier wohnende Biberfamilie ersetzte das Bauwerk gleich wieder. Die periodischen Überschwemmungen liessen die Fläche stark vernässen. Sie war nur noch schwer zu bewirtschaften. Pro Natura schlug deshalb vor, das Land zu kaufen und ein Sumpfgebiet entstehen zu lassen. Das Echo bei Gemeinde und Kanton war positiv. Und auch der Landbesitzer bot Hand, weil er einen Realersatz erhielt.

Das Projektziel: Der Biber soll in der Mühlematt, zwischen Bibere und Mühlekanal , ein natürliches und artenreiches Auengebiet gestalten. Ganz nach dem Motto «Biber statt Bagger», wie es Peter Lakerveld ausdrückte. Es gehe nicht darum, für die Biberfamilie ein Paradies zu schaffen oder gar eine Biberzucht aufzubauen, betonte der Projektleiter an der Medienkonferenz. «Das Nagetier ist der planende Ingenieur und ausführende Baumeister, um einen wertvollen Lebensraums zu schaffen.»

Nur zu Beginn unterstützt der Mensch den Biber mit gezielten Massnahmen. So werden Drainageleitungen aufgehoben, Gewässer gezielt geöffnet und Weiden gesetzt, des Nagers bevorzugte Nahrung. Danach hat die Biberfamilie mit ihren fünf bis sieben Tieren freie Hand. Laut Lakerveld wird durch die Stau-, Frass- und Grabtätigkeit ein buntes Mosaik von Kanälen und ruhigen Wasserflächen entstehen. Diese Aue werde die Heimat von vielen Tieren und Pflanzen werden und deren Artenvielfalt fördern. «Aber das geht nicht von einem Tag auf den anderen», fügte der Projektleiter an. «Es wird mehrere Jahre dauern.»

Die Projektverantwortlichen von Pro Natura und beim Kanton Bern betonten gestern, dass der Biber auch nützlich für den Hochwasserschutz sei. Er schaffe zusätzliche Rückhaltevolumen und breche Hochwasserspitzen.

Finanzierung ist gesichert

Pro Natura schätzt die Projektkosten inklusive Landkauf und wissenschaftliche Begleitung auf rund eine halbe Million Franken. Die Finanzierung der Biberaue Ferenbalm ist gesichert. Der Bund sowie der Kanton Bern (Renaturierungsfonds) beteiligen sich mit maximal 400'000 Franken am Projekt. Pro Natura trägt die Restkosten. Eine Privatperson, die anonym bleiben will, hat zudem 100'000 Franken gespendet.

Einige Kilometer weiter bibereaufwärts findet der Nager keine so feudalen Verhältnisse vor. Im Raum Jeuss-Cressier stossen die Flurwege und die Nutzflächen direkt ans Ufer an. Unterhöhlte Wege, gefressene Rüben oder wirkungslose Drainagen sorgen hier für Konflikte. Es müsse Flächen geben, wo der Biber ungestört wirken könne, sagte Christian Heeb vom bernischen Jagdinspektorat. «Geben wir ihm diesen Lebensraum. Sonst versucht er sich ihn zu holen – mit den bekannten Konsequenzen.»

Berner Zeitung

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