Gegen häufigeren Einsatz von Ritalin

Der Grosse Rat hat sich für einen zurückhaltenden Einsatz von Ritalin ausgesprochen. ADHS sei keine Krankheit, sondern eine Besonderheit, betonte Motionär Michel Seiler.

Laut dem Bericht des Regierungsrates sei die Anzahl Therapien mit Ritalin, Concerta und ähnlichen Medikamenten seit 2011 nicht mehr erkennbar gestiegen (Symbolbild/Balz Murer)

Laut dem Bericht des Regierungsrates sei die Anzahl Therapien mit Ritalin, Concerta und ähnlichen Medikamenten seit 2011 nicht mehr erkennbar gestiegen (Symbolbild/Balz Murer)

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Der bernische Grosse Rat will, dass Ritalin weiterhin zurückhaltend eingesetzt wird. Eine aktivere politische Rolle möchte das Parlament aber nicht spielen. Mit 139 zu 8 Stimmen nahm der Rat am Dienstag Kenntnis vom Ritalin-Bericht der Regierung.

Eine weitergehende Planungserklärung lehnte er mit 88 zu 61 Stimmen ab. Die SP-Fraktion hatte «praktikable, pädagogisch sinnvolle Massnahmen» für Schulkinder mit ADHS verlangt.

Den Bericht hatte das Parlament 2016 bestellt. Der Regierungsrat schreibt darin, es deute nichts darauf hin, das die Zahl der Ritalin-Therapien in den letzten Jahren weiter angestiegen sei. Er zeigt auch auf, wie geeignete Massnahmen in den Bereichen Diagnostik, Behandlung und im pädagogischen Umfeld aussehen könnten.

«Keine Krankheit»

Motionär Michel Seiler (Grüne/Trubschachen) warf dem Regierungsrat vor, einen «Kreativitätsarmuts-Bericht» vorgelegt zu haben. ADHS sei keine Krankheit, sondern einfach eine Besonderheit, betonte Seiler.

Die betroffenen Kinder könnten sich vom Schuleinheits-Brei nicht ernähren. Der Bericht gebe wenig her, wenn es darum gehe, alles Nötige zur drastischen Reduktion von Psychopharmaka-Behandlungen bei Kindern und Jugendlichen zu unternehmen.

Entwicklung stagniert

Laut Bericht stieg die Zunahme von Therapien mit Ritalin, Concerta und ähnlichen Medikamenten bis 2011 an, weil sie immer bekannter wurden und die Behandlungen auf gute Akzeptanz stiessen. Seither gebe es keine Anzeichen für einen weiteren Anstieg.

Um die Anzahl medikamentöser Behandlungen stabil zu halten oder zu reduzieren, müssten sorgfältige Diagnosen gestellt und alle möglichen Behandlungsformen evaluiert werden. Wichtig sei auch die Rolle der Schulen. Diese könnten ihren Beitrag leisten, indem sie spezifisch geschulte Lehrkräfte und Heilpädagogen beschäftigten. (mb/sda)

Erstellt: 12.06.2018, 10:48 Uhr

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