Flughafen Bern-Belp hofft auf Sonderstatus

Der Berner Regionalflugplatz könnte vom Bund bald eine Sonderstellung erhalten. Dies würde ihm mehr Geld einbringen.

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Das «Belpmoos» erhält eine Sonderstellung.

(Bild: Raphael Moser)

Pia Wertheimer@Wertli

Die Flugplätze Bern und Lugano kämpfen ums Überleben. Seit dem Grounding der im Tessin beheimateten Darwin Airlines und der Berner Skywork spitzt sich ihre Lage stetig zu: Im vierten Quartal 2017 starteten und landeten in Bern noch rund 300 Linien- und Chartermaschinen, 2018 waren es lediglich 68. Das zeigt eine Statistik des Bundes. Der Flughafen Bern hat seit dem Grounding von Skywork 16 der 68 Stellen gestrichen, die Angestellten leisten Kurzarbeit.

Im Tessin sind die Flugbewegungen in den letzten drei Jahren um die Hälfte zurückgegangen. Laut Statistik verzeichnete Lugano-Agno 2016 rund 5200 Starts und Landungen von Charter- und Linienfliegern. Im vergangenen Jahr waren es gerade noch 2750. Zum zweiten Mal in Folge schreibt der Tessiner Flughafen einen Verlust von mehr als einer Million Franken.

Wie Recherchen zeigen, dürfen die beiden Airports nun aber auf einen Sonderstatus hoffen. Im Entwurf des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt, der die Strategie des Bundes definiert, haben Bern und Lugano eine bevorzugte Stellung erhalten. Anders als die übrigen neun regionalen Airports erscheinen sie in der neuen Kategorie «Regionalflughäfen mit Anbindungsfunktion» - weil sie eine Brücke von den «Sprach- und den grossstädtisch geprägten Handlungsräumen» zum internationalen Luftverkehr schlagen und deshalb ein besonderes öffentliches Interesse geniessen.

Verdruss in La Chaux-de-Fonds und in Grenchen

Das sorgt bei den anderen Airports für Unmut. Sie fürchten, dass diese Sonderstellung eine Umverteilung der Unterstützungsgelder nach sich zieht, die der Bund jährlich für die Flugsicherung leistet. «Es kann nicht angehen, dass auf dem Rücken von uns Kleineren gespart wird», wehrt sich Raphaël Boichat, Direktor des Flugplatzes von La Chaux-de-Fonds. Indem die kleinen Plätze der Hobby- und Geschäftsfliegerei eine Heimat böten, würden sie den überlasteten nationalen Airports Genf und Zürich Hand bieten. «Die Landesflughäfen würden ohne uns nicht existieren», ist Boichat überzeugt. Denn die kleinen Flugplätze seien die Kinderstube der Schweizer Airline-Piloten, der Besatzungen der Rega und der Luftwaffe.

Ähnlich klingt es in Grenchen SO, wo die Schweizer Armee sowie die Lufthansa-Gruppe und damit auch die Swiss ihre Piloten in die Ausbildung schicken. «Diese Entwicklung bereitet uns grosse Sorgen», sagt Conrad Stampfli, Vizepräsident des Verwaltungsrates des Flugplatzes. Reduziere der Bund seine Unterstützungsleistung, drohe Grenchen die für die Ausbildung nötige Infrastruktur zu verlieren - und damit Kunden wie die Lufthansa.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt bestätigt, dass es eine «Lagebeurteilung» auf den elf regionalen Flughäfen vornimmt. Laut Sprecher Urs Holderegger gehöre dazu eine Studie zur Funktion und der Bedeutung dieser Plätze im Luftfahrtsystem der Schweiz. Konkretere Ausführungen will er noch keine machen: «Die Arbeiten laufen. Wir erwarten die Resultate Ende Jahr.»

SonntagsZeitung

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