Enge Vorgaben für Denkmalpflege

Die Denkmalpflege muss den Anteil der schützens- und erhaltenswerten Gebäude von zehn auf sechs Prozent kürzen. Diese Vorgabe sei nicht realistisch, sagt Regierungsrat Bernhard Pulver (Grüne).

Erziehungs- und Kulturdirektor Bernhard Pulver findet, dass es durchaus Gebäude gibt, die man aus dem Bauinventar streichen kann.

Erziehungs- und Kulturdirektor Bernhard Pulver findet, dass es durchaus Gebäude gibt, die man aus dem Bauinventar streichen kann.

(Bild: Andreas Blatter)

Sandra Rutschi

Herr Pulver, der Grosse Rat streicht die Kategorie «erhaltenswert» nicht aus dem Bauinventar. Sind Sie nun erleichtert? Bernhard Pulver: Ich bin sehr erleichtert, ja. Die Debatte rund um die Kulturpflegestrategie ist für uns positiv verlaufen. Die Berner Politik ist sich wieder einig, welche Ziele und Aufgaben die Archäologie und die Denkmalpflege verfolgen. Am Schluss ging es nur noch um die Frage, wie hoch der Prozentsatz der schützens- und erhaltenswerten Gebäude noch sein soll – und bis wann dieser Prozentsatz erreicht sein soll.

Die Denkmalpflege muss nun innerhalb der nächsten fünf Jahre den Anteil der schützens- und erhaltenswerten Gebäude von zehn auf maximal sechs Prozent senken. Was bedeutet das? Da es sich nicht um eine Motion, sondern um eine Planungserklärung handelt, ist diese Vorgabe nicht rechtsverbindlich, sondern lediglich eine Zielgrössenordnung: Wir sollen stärker kürzen als ursprünglich vorgesehen. Ob dann aber am Schluss 5,9 oder 7,3 Prozent der Gebäude im Kanton Bern verzeichnet sind, spielt also nicht die entscheidende Rolle.

Dennoch betonten Sie in Ihrer Stellungnahme im Grossen Rat, eine Kürzung auf sechs Prozent sei nicht realistisch. Das ist es auch nicht, denn ein Anteil von sechs Prozent ist sehr tief. Das bedeutet, dass wir ein paar Tausend Gebäude aus dem Inventar streichen müssen. Bei den schützenswerten Objekten können wir kaum Hand anlegen, aber die Anzahl der 23'000 erhaltenswerten Gebäude müssen wir bei dieser Vorgabe um mehr als die Hälfte kürzen.

Was für Gebäude stehen auf der Kippe? Wir werden bei Baugruppen überprüfen, ob dort wirklich jedes einzelne Haus in diesem Ensemble erhaltenswert sein muss. Zudem werden wir Einzelobjekte überprüfen, die wir als Zeugen einer bestimmten Epoche im Inventar verzeichnet haben. So werden wir zum Beispiel genau hinschauen, wie viele Exemplare eines bestimmten Chalet- oder Bauernhaustyps es noch gibt – und dann von diesen vielleicht nur noch drei anstatt zwanzig als erhaltenswert einstufen.

Weshalb sind heute überhaupt so viele Gebäude im Inventar verzeichnet? Als wir vor zwanzig Jahren ein erstes Bauinventar erstellten, betraten wir Neuland. Um bei meinem Beispiel zu bleiben: Wir konnten nicht einschätzen, wie viele der hübschen Chalettypen es eigentlich noch gibt. Deshalb wurden sicher eher zu viele davon als erhaltenswert eingestuft. Hier können wir nun den Hebel ansetzen, weil wir mehr wissen.

Sie sprechen vor allem von Chalets und Bauernhäusern. Werden die ländlichen Gegenden mehr von den Streichungen betroffen sein als die Städte? Es könnte sein, dass einzelne Gegenden mehr betroffen sind. Welche das sind, kann ich aber noch nicht sagen. Grundsätzlich werden Kernstädte oder Ortskerne wohl eher weiterhin als erhaltenswert eingestuft als einzelne Gebäude. Und dass man in den schützenswerten Altstädten wie etwa von Aarberg oder Bern nichts kürzen kann, ist selbstverständlich.

Wie geht die Denkmalpflege beim Kürzen vor? In den nächsten drei Monaten erarbeiten wir ein Projekt, das diesen Weg aufzeigt. Zuerst wird es sicher darum gehen, die Zahlen zu klären. Dann gibt es bestimmte Objekte wie eben gewisse Chalettypen, Brunnen oder Bauernhäuser, die man quasi vom Schreibtisch aus streichen kann. Wir hätten das Inventar in den nächsten fünfzehn Jahren sowieso überarbeiten wollen und sahen dort bereits ein Kürzungspotenzial von zehn bis dreissig Prozent. Bei weiteren Objekten werden wir später vor Ort gehen und so Entscheidungen fällen. Dass dies nun innerhalb von fünf Jahren geschehen soll, finde ich gut. Das bringen wir sicher hin.

Wie gross wird der Aufwand für diese Kürzungen sein? Wir werden mehr Personal benötigen. Dabei spreche ich aber nicht von zwanzig zusätzlichen Angestellten, sondern vielleicht von zwei oder drei Fachkräften, die temporär angestellt werden.

Berner Zeitung

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