«Eltern müssen klare Abmachungen treffen»

Ein generelle Ausgangsverbot für Jugendliche sei problematisch, sagt Erziehungsberater David Schmid. 14- und 15-Jährige müssten lernen, Abmachungen einzuhalten und selbst Verantwortung zu übernehmen.

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Herr Schmid, ist es in Ordnung, wenn Jugendliche unter 16 Jahren abends nach 22 Uhr ohne Eltern unterwegs sind? David Schmid: Man muss differenzieren. Nicht für alle Jugendliche sollten die gleichen Regeln gelten.

Wer muss denn spätabends zu Hause bleiben? Kinder bis etwa 13 Jahre sollen am späteren Abend nicht unbegleitet unterwegs sein. Für Acht- und Neuntklässler darf es – zum Beispiel am Samstag – auch mal halb elf Uhr werden. Dann müssen Eltern und Jugendliche aber klare Abmachungen treffen.

Welche? Die Eltern müssen wissen, wo ihr Kind hingeht. Und es muss klar vereinbart sein, wann und auf welchem Weg der oder die Jugendliche wieder heimkommt.

Was sollen Eltern tun, wenn das Kind später zu Hause ist? Dann müssen sie den Ausgang sperren. Es soll den Jugendlichen aber im Voraus klar sein, was geschieht, wenn sie sich nicht an die Abmachungen halten.

Warum streiten sich Jugendliche überhaupt mit den Eltern über den Ausgang? Jugendliche möchten wie Erwachsene behandelt werden. Aber sie vergessen oft, dass Erwachsene nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten haben und dass sie Verantwortung tragen müssen.

Was sollen Eltern sagen, wenn das 14- oder 15-jährige Kind abends losziehen will? Wichtig ist, dass man ihnen erklärt, warum Regeln gelten. Die Jugendlichen müssen einsehen, dass es nicht Schikanen sind, sondern die Sorge der Eltern um sie. Man kann ihnen zum Beispiel sagen: «Es ist mir wichtig zu wissen, ob es dir gut geht. Wenn du bis um 4 Uhr morgens unterwegs bist, weiss ich es nicht, es könnte dir etwas passiert sein.» Eine solche Aussage steigert bei den Jungen die Kooperationsbereitschaft gegenüber den Eltern.

Sollen Gemeinden wie jetzt in Kehrsatz Vorschriften erlassen, wann Jugendliche in den Ausgang dürfen? Ich finde es problematisch. Denn die Jugendlichen müssen lernen, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Wenn man ihnen zu viel verbietet, können sie es nicht lernen. Die Erziehungsverantwortung liegt bei den Eltern. Der Staat soll erst dann eingreifen, wenn die Eltern überfordert sind und die Verantwortung nicht übernehmen können.

Was macht man mit einem 10-Jährigen, der um 2 Uhr nachts allein herumhängt? Die Polizei soll ihn nach Hause bringen und die Eltern fragen, wie die Situation entstanden ist. Kommt so etwas mehrmals vor, gibt es Handlungsbedarf.

Auch der Alkohol ist bei einem Teil der Jugendlichen ein Problem. Manchmal werden sturzbetrunkene Minderjährige in ein Spital eingewiesen. Auch dort ist ein Verbot problematisch. Und kontraproduktiv, weil es attraktiv ist, es zu übertreten. Wenn Jugendliche wirklich trinken wollen, kommen sie ohnehin zu Alkohol. Ziel sollte es vielmehr sein, dass sie den vernünftigen Umgang mit Alkohol lernen. Verantwortlich, dass sie die Grenzen einhalten, sind ebenfalls die Eltern.

Früher schritt die Bevölkerung oftmals ein, wenn Junge über die Schnur hauten. Heute getraut sich kaum jemand, etwas zu sagen. Sollten die Erwachsenen ihnen heute wieder vermehrt klar machen, was sie dürfen und was nicht? Ja, es wäre gut, wenn die Erwachsenen wieder mehr Zivilcourage an den Tag legen würden.

Berner Zeitung

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