Eine breite Mehrheit für die Quarta-Lösung

Das Rennen ist wohl gelaufen: Künftig sollen alle Berner Maturanden nach der 8.Klasse ans Gymnasium wechseln und dort vier Jahre bis zur Matur weiterlernen. Das will eine grosse Mehrheit der Parteien. Doch die SVP verlangt zugleich Ausnahmen.

Die Lösung ist gefunden: Künftig sollen alle angehenden Maturanden im Kanton Bern schon nach der 8. Klasse ans Gymnasium wechseln.

Die Lösung ist gefunden: Künftig sollen alle angehenden Maturanden im Kanton Bern schon nach der 8. Klasse ans Gymnasium wechseln.

(Bild: Keystone)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Komfortabler kann eine Mehrheit kaum sein: SVP, SP, BDP, Grüne und Grünliberale unterstützen in der Vernehmlassung unisono die Pläne der Regierung, die den Weg zur Matur im Kanton Bern einheitlich regeln will. Da diese Parteien drei Viertel aller Grossräte stellen, ist die Reform definitiv auf bestem Weg.

Sie will ein schweizweites Unikum beseitigen: Im Kanton Bern entschieden bisher die Gemeinden, wo ihre Schüler, die die Matur anstreben, das 9.Schuljahr absolvieren. Deshalb führen zurzeit viele Wege zur Matur. Jeweils etwa 600 angehende Maturanden besuchen das 9.Schuljahr in der Sekundarschule (Spez-Sek) und wechseln erst nachher ans Gymnasium, wo sie nach drei Jahren die Matur machen. Die Mehrheit von circa 1300 Schülern geht den anderen Weg: Sie wechseln bereits nach der 8.Klasse ans Gymnasium.

Diese ungleichen Laufbahnen führen laut der Erziehungsdirektion dazu, dass im Gymnasium die Klassen nach dem ersten Jahr (Quarta) oft neu zusammengesetzt werden müssen und die Fächer nicht optimal auf die vier Jahre verteilt werden können. Zudem gehe im zweiten Jahr Zeit verloren, bis alle Schüler auf demselben Stand seien.

Weniger statt mehr Kosten

Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) will die Sache nun ein- für allemal klären: Im ganzen deutschsprachigen Kantonsteil sollen künftig alle Maturanden nach der 8.Klassen ans Gymnasium wechseln. Während die meisten Parteien dies ebenso unterstützen wie der Gewerbeverband Berner KMU, sprechen sich in erster Linie Schulen und Gemeinden, die heute eine Spez-Sek führen, dagegen aus.

Die Gegner der Quarta-Lösung ziehen den Status quo vor oder plädieren für das Modell 9/4. Dieses sähe ebenfalls eine einheitliche Regelung vor: Alle Maturanden besuchen neun Jahre die Volksschule und danach vier Jahre den Gymer. Die Folge: Der Weg zur Matur dauert dreizehn statt zwölf Jahre – und der Kanton muss Mehrkosten von voraussichtlich 12 Millionen Franken im Jahr verdauen.

Dies mag angesichts des hohen Spardrucks dazu beigetragen haben, dass auch die SVP, die sich bisher nicht für die Quarta-Lösung einsetzte, gekippt ist. Die Quarta-Lösung soll – verknüpft mit einer Reduktion der Anzahl Lektionen am Gymnasium – sogar Einsparungen ermöglichen. Der Systemwechsel würde frühestens ab 2017 umgesetzt.

Ausnahmen für Oberhasli?

Doch ganz gegessen ist die Reform noch nicht. So wird etwa die Frage zu reden geben, ob es abgelegenen Regionen zugemutet werden kann, dass die Schüler ein Jahr früher den weiten Weg ans Gymnasium auf sich nehmen oder gar ausziehen müssen. Die SVP verlangt jedenfalls schon Ausnahmeregelungen etwa für die Region Oberhasli, deren Schüler das Gymnasium in Interlaken besuchen.

Berner Zeitung

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