Ein «Bauchgefühl» allein reicht nicht für eine Inspektion

Nicht Sozialhilfebetrüger überführen, sondern Klarheit schaffen: Das ist laut Roger Schürch, Geschäftsführer Verein Sozialinspektion, das oberste Ziel der Abklärungen.

39 bernische Sozialdienste haben im letzten Jahr Inspektoren eingesetzt (Symbolbild).

39 bernische Sozialdienste haben im letzten Jahr Inspektoren eingesetzt (Symbolbild). Bild: Patric Spahni

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39 der 68 bernischen Sozialdienste haben im letzten Jahr Inspektoren eingesetzt, um Verdachtsfälle von Sozialhilfemissbrauch gezielt abzuklären. Die grosse Mehrheit der Sozialdienste arbeitete mit dem Verein Sozialinspektion des Kantons Bern zusammen, den es seit 2012 gibt. Die Nachfrage nach Inspektoren sei gestiegen, sagt Roger Schürch, Geschäftsführer des Vereins. Im Vorjahr nahmen 32 Sozialdienste die Hilfe in Anspruch.

Damit Schürchs Mitarbei­tende allerdings tätig werden dürfen, müssen gewisse Be­dingungen erfüllt sein. «Ein Bauchgefühl allein reicht nicht für eine Inspektion», betont er. Der Verdacht auf Missbrauch der Sozialhilfe müsse «relativ konkret» sein, damit eine Inspektion rechtlich Bestand habe.

Verdacht muss konkret sein

Das kann zum Beispiel heissen: Ein Klient ist für den zuständigen Sozialarbeiter nie erreichbar oder er weigert sich, bestimmte Unterlagen einzureichen. Es kommt auch vor, dass der Sozialdienst Meldungen erhält, ein Bezüger arbeite schwarz oder fahre ein teures Auto.

Wer sich nun vorstellt, ein Sozialinspektor würde in solchen Fällen gleich eine Observation starten, liegt falsch: «Das ist das letzte Mittel, das wir anwenden», sagt Schürch. Zuerst kläre man das Umfeld ab, recherchiere im Internet oder bei involvierten Stellen. Im Fall des teuren Autos kann das heissen, dass ein Inspektor beim Strassenverkehrsamt nachprüft, ob ein entsprechendes Fahrzeug eingelöst ist.

Es sei nicht das oberste Ziel des Vereins, Sozialhilfebetrüger zu überführen, betont Roger Schürch. «Es ist auch ein Erfolg, wenn wir nachweisen können, dass jemand sich korrekt verhält.» Das Wichtigste sei es, Klarheit zu schaffen.

Zwischen Sozialhilfebezügern und Behörden müsse ein Vertrauensverhältnis bestehen. «Die unangenehmste Situation ist, wenn ein Verdacht auf Missbrauch da ist, dieser aber weder erhärtet noch entkräftet werden kann», sagt Schürch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.04.2017, 16:57 Uhr

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