Die schwierige Suche der BKW nach sauberem Uran

Die BKW bekräftigt, dass im AKW Mühleberg nur Uran von verantwortungsvollen Lieferanten eingesetzt wird. Dennoch führte bei einer Lieferung die Spur ins verseuchte russische Majak.

Die Uranreserven der Welt in 1000 Tonnen.

Die Uranreserven der Welt in 1000 Tonnen.

(Bild: BZ)

Philippe Müller

Die Schweizer Betreiber von Atomkraftwerken sind nervös. Das trifft auch auf die BKW zu. In knapp drei Monaten entscheidet das Berner Stimmvolk über die Zukunft der Kernenergie im Kanton, und just in diesen Wochen machen wiederholt Gerüchte über schmutziges Uran die Runde: In Schweizer Atomkraftwerken käme Uran aus verseuchten Gebieten Russlands – genauer aus Majak – zum Einsatz, behaupten vorab AKW-Gegner. Während die Axpo dies gegenüber der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens bereits zugeben musste, lud gestern die BKW die Medien zu einem Hintergrundgespräch ein.

Majak geniesst wegen der dort stehenden kerntechnischen Anlage einen zweifelhaften Ruf: Bei diversen Unfällen wurde die Umwelt mit radioaktiven Substanzen verseucht.

BKW ist ein kleiner Player

Das Fazit von Patrick Miazza, dem Leiter des AKW Mühleberg: «Wir pochen darauf, Uran aus Minen zu beziehen, welche die höchsten internationalen Standards erfüllen.» Die BKW bemühe sich um eine bestmögliche Rückverfolgung und lege Wert darauf, mit namhaften westlichen Lieferanten zusammenzuarbeiten. Dazu muss man aber wissen: Die BKW ist auf dem Uranmarkt einer der kleinsten Player und kauft nicht direkt, sondern über die amerikanische Usec und die französische Areva ein. Deshalb sei die Herkunftsbestimmung nicht so einfach.

Eine Spur führt nach Majak

Die Recherchen der BKW haben nun ergeben, dass das Uran, mit dem die Brennelemente im AKW Mühleberg gefüllt sind, aus Minen in den USA, Kasachstan, Usbekistan und Australien stammt (siehe rote Quadrate in der Grafik). Die letzte Lieferung für die BKW stammt aus der Ranger-Mine in Australien. All diese Minen erfüllen gemäss Miazza die Umweltstandards. Auch hier schränkt er aber ein: «Wir gehen nicht vor Ort hin und überprüfen das.»

Eines musste Miazza gestern einräumen: In den letzten zehn Jahren habe es eine einzige Uranlieferung gegeben, deren Spuren teilweise ins russische Ural-Gebiet nach Majak führten. Lieferant des Urans war die amerikanische Usec.

Das war vor neun Jahren. Seither gebe es keine Verbindung mehr von Uran, das in Mühleberg eingesetzt wird, zu Majak. Die 240 Brennelemente in Mühleberg enthalten 44 Tonnen Uran, jährlich werden knapp 40 Elemente oder 7 Tonnen Uran ausgetauscht. Gemäss konservativen Schätzungen reichen die weltweiten Uranreserven noch für mindestens 100 Jahre. Die grössten Reserven sind in Australien, Kasachstan, Kanada und Niger zu finden.

Abrüstung in Majak

Auch wenn 2001 eine Spur nach Majak führte, sieht die BKW darin auch einen Beitrag zur Friedensförderung. Denn: Majak ist nicht nur ein verseuchtes Gebiet, es ist auch Inbegriff einer riesigen Abrüstungsaktion. Hier werden seit den 90er-Jahren Atomsprengköpfe, welche Amerikaner und Russen während des Kalten Krieges angesammelt haben, auseinandergenommen. Das hoch angereicherte Uran wird dabei aussortiert, verdünnt und danach der Usec geschickt. Diese bereitet das Uran anschliessend für Atomkraftwerke auf. Bis 2013 sollen so in Majak 500 Tonnen hoch angereichertes Uran durch Umwandlung vernichtet werden.

Berner Zeitung

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