Die Stromkunden sollten ihren Anbieter selber wählen dürfen

BZ-Wirtschaftsredaktor Tobias Habegger zur Preispolitik der Stromkonzerne und zur vollständigen Liberalisierung des Strommarktes.

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Der Kanton Bern ist eine Steuerhölle. Das ist weitherum bekannt. Doch Bernerinnen und Berner bezahlen auch für den Strom deutlich mehr als der Schweizer Durchschnitt. Denn ein Wechsel des Stromanbieters ist für Privatkunden nach wie vor unmöglich.

Die Bevölkerung ist den Stromfirmen und deren Preispolitik ausgeliefert. Denn die vollständige Öffnung des Strommarktes verzögert sich weiterhin. Energieministerin Doris Leuthard sieht dafür keinen Zeitdruck. Sie will zuerst das Stromabkommen mit der EU ins Trockene bringen. Das kann dauern. Zudem spürt Leuthard die kleinen und mittelgrossen Schweizer Stromkonzerne im Nacken, die mit dem Referendum gegen die Liberalisierung drohen.

Dabei wäre die vollständige Marktöffnung überfällig. Nur so stünden die Stromfirmen in einem gesunden Wettbewerb, und die Energiepreise würden sich angleichen. Alle Bürgerinnen und Bürger könnten von den tiefen Marktpreisen profitieren – nicht nur diejenigen, die zufällig in der richtigen Gemeinde wohnen.

Doch bei der Liberalisierung geht es um mehr als nur um Preise. Ebenso wichtig ist: Die Kundinnen und Kunden hätten endlich eine faire Wahl. Diese Wahl kann auch bedeuten, dass jemand bewusst einen Stromanbieter auswählt, der zwar etwas teurer ist als die Konkurrenz, dafür aber ökologischer produziert. Es gibt auch Fälle, in denen sich jemand über andere Faktoren nervt, zum Beispiel über den Kundendienst. Diese Leute müssten nicht länger die Faust im Sack machen.

Oder Einwohner der Stadt Bern müssten nicht länger mit ansehen, wie die öffentliche Hand ihr Budget Jahr für Jahr mit den Millionengewinnen von Energie Wasser Bern aufbessert. Kritiker sehen darin seit langem eine versteckte Gebühr auf ihrer Stromrechnung. Das Gleiche gilt für BKW-Kunden, die sich die Augen reiben. Denn kurz nachdem der Konzern seine Strompreise erhöht hatte, gab er bekannt, dass er im laufenden Jahr erneut einen Millionengewinn erwirtschaften wird.

Mail: tobias.habegger@bernerzeitung.ch Twitter: @TobiasHabegger

Berner Zeitung

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